Working in Fashion 2021: Das HR-Management von Marc O'Polo im Gespräch

"Wir verstehen uns als eine Art Relationship-Manager"


Marc O'Polo / Collage: TW
Behija Karup, Director of Human Resources, und Markus Staude-Skowronek, Vorstand für Finanzen, Personal & Administration
Behija Karup, Director of Human Resources, und Markus Staude-Skowronek, Vorstand für Finanzen, Personal & Administration

Marc O’Polo hat sich jedes Jahr im Ranking des Gesamtimages weiter nach oben gearbeitet und erreicht in diesem Jahr Rang zwei, nach Adidas und vor der Otto Group. Behija Karup, Director of Human Resources, und Markus Staude-Skowronek, Vorstand für Finanzen, Personal & Administration, sprechen im TW-Interview über Teamspirit, Nachhaltigkeit und "Freedom to Flexwork".

TextilWirtschaft: Herzlichen Glückwunsch! Sie sind fast ganz oben. Wie haben Sie das geschafft?
Behija Karup:
Das ist eine Teamleistung. Gerade in den vergangenen Jahren haben wir viel gemacht. Damit ist uns eine Neuausrichtung gelungen. Auf diesem Weg sind wir uns immer treu geblieben und haben unseren Spirit sogar gestärkt. Das halte ich für sehr entscheidend. Unsere Arbeit ist erfolgreich, denn jeder Einzelne leistet einen wertvollen Beitrag und so entsteht das große Ganze über Produkt, Marke, Kommunikation, Sales, Retail, IT, E-Com, Finance, HR und all den anderen Bereichen. Die Auszeichnung ist daher eine tolle Anerkennung an unser gesamtes Marc O’Polo-Team.

Markus Staude: Besonders stolz macht uns, dass wir uns als mittelständisches Familienunternehmen neben den großen Unternehmen an der Spitze positionierten konnten. Das zeigt, dass es auf die Vision, die Werte und die Unternehmenskultur ankommt.

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Nur auf Platz eins gibt es keine Veränderung: Auch in diesem Jahr ist der Sportartikelhersteller Adidas ganz vorn im Ranking der beliebtesten Mode-Arbeitgeber Deutschlands. Auf den weiteren Rängen aber sorgt die Corona-Pandemie für viel Bewegung bei der aktuellen TW-Studie "Working in Fashion 2021". Gleichzeitig zeigt sich, was sich mehr als 4000 Mitarbeiter in dieser Krise am meisten wünschen: Sicherheit und Flexibilität.

Was machen Sie in der Personalarbeit anders als andere?
Karup: Wir sind ein Familienunternehmen und haben einen sehr hohen Anspruch an unsere Arbeit. Wertschätzung ist uns dabei sehr wichtig und wir verstehen uns als eine Art Relationship-Manager. Die persönliche Betreuung und Beratung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht im Mittelpunkt. Gleichzeitig arbeiten wir sehr eng mit anderen Bereichen zusammen, die dafür einen wertvollen Beitrag liefern, wie zum Beispiel die Unternehmenskommunikation.

Staude: Es ist uns offensichtlich gut gelungen, den Wandel in unserem Unternehmen und die Herausforderungen der Pandemie zu begleiten, und unsere starke Kultur des Teamgeists zu stärken. Dafür haben wir eine eng abgestimmte HR-Arbeit, Employer Branding und transparente Unternehmenskommunikation verfolgt.


In der immer wichtiger werdenden Kategorie „Soziale Verantwortung/Nachhaltiges Wirtschaften“ erreicht Ihr Unternehmen sogar Platz Eins. Das attestieren Ihnen mit 55% mit Abstand die meisten Mitarbeiter. Was haben Sie hier getan?
Karup: Soziales Denken und Handeln sowie das Thema Nachhaltigkeit sind seit Gründung von Marc O’Polo fester Bestandteil unserer DNA. Das leben wir jeden Tag und entwickeln uns ständig weiter. Wir wollen schon bald nur noch nachhaltige Produkte anbieten und arbeiten an der Klimaneutralität für unser Unternehmen. All unser Tun erfolgt immer mit dem Filter der Nachhaltigkeit.

Behija Karup ist seit vier Jahren Director Human Resources bei Marc O'Polo.
Marc O'Polo
Behija Karup ist seit vier Jahren Director Human Resources bei Marc O'Polo.
Besonders stark verbessert hat sich Ihr Unternehmen in den Augen der Mitarbeiter beim Zukunftspotenzial, das Ihnen 2020 nur 45%, jetzt aber 58% bescheinigen. Wo waren hier Ihre Stellschrauben?
Staude: Wir haben in den letzten Jahren Marc O’Polo komplett auf eine erfolgreiche Zukunft ausgerichtet. Und an fast allen Stellschrauben gezogen. Dabei haben wir eine klare Strategie für die Zukunft mit festen Zielen entwickelt und daran arbeiten wir alle gemeinsam. Unsere solide Finanzlage ist ein wichtiger Boden. Von HR und Kommunikationsseite begleiten wir das intensiv, denn der wichtigste Erfolgsfaktor ist unser Team.

Auch bei Betriebsklima, Work-Life-Balance und Attraktivität der Produkte liegen Sie auf den Plätzen zwei und drei. Was bieten Sie hier?
Karup: Uns ist der Spaß und die Freude an der Arbeit sowie ein guter Teamspirit wichtig. Das fördern wir. Gleichzeitig ist es wichtig, auch mal Danke zu sagen. Sei es in Form eines einmaligen Coronabonus, der an alle Mitarbeiter ausbezahlt wurde, einem Sonderurlaubstag – dem Marc O’Polo-Holiday – oder einer Party, die wir kürzlich das erste Mal seit Covid-19 gemeinsam gefeiert haben. Und die tolle Kollektion ist das Ergebnis einer großartigen Teamleistung unserer Produktteams unter der Leitung unserer CPO Susanne Schwenger.


Die schlechteste Platzierung erreicht MOP mit Rang 8 in den Kategorien „Bekanntheit als Arbeitgeber“ sowie beim Gehaltsniveau. Inwieweit sehen Sie hier noch Potenzial?
Staude: Die externe Kommunikation rund um unser Unternehmen haben wir in den letzten Jahren verstärkt und das bauen wir kontinuierlich aus. Gerade in den letzten Wochen waren wir mit unserer Strategie oder unserer neuen Kampagne in den Medien sehr präsent. Der Platz zwei in der aktuellen Studie bestätigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, uns als Top-Arbeitgeber in der Branche zu etablieren.

Ebenfalls unter den Top Ten, aber mit Platz 7 nicht ganz so weit oben, ist MOP in der diesmal erstmals abgefragten Kategorie „Möglichkeit des mobilen Arbeitens“, das Ihnen 46% attestieren. Wie kommt Ihr Konzept „Freedom to Flexwork“ bei den Mitarbeitern an?
Karup: Das Konzept wird sehr gut angenommen und wir bekommen gute Rückmeldungen. Gerade deswegen haben wir es dieses Jahr weiter entwickelt und den Anteil von Arbeiten im Büro und Arbeiten im Mobile Office auf 50 zu 50 gesetzt. Wir versuchen immer unseren MitarbeirInnen gut zuzuhören und dabei war auch immer der Wunsch präsent, nach wie vor auch in einem bestimmten Rahmen am Campus präsent zu sein, um die sozialen Kontakte zu pflegen und den Teamspirit aufrechtzuerhalten.


Inwieweit haben diese Angebote Ihrer Meinung nach auch insgesamt zur guten Platzierung im Gesamtimage beigetragen?
Karup: Das Thema „Mobiles Arbeiten“ hat meiner Meinung nach einen hohen Stellenwert. Ein attraktiver Arbeitgeber kommt an diesem Thema nicht mehr vorbei. Gerade für junge Talente ist Flexibilität ein wichtiges oder gar entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des neuen Jobs.

Wie konkret sehen derzeit Ihre Konzepte und Angebote in diesem Bereich aus?
Karup: Derzeit gilt bei uns noch die pandemiebedingte Regelung. Es können so viele Kollegen und Kolleginnen am Campus arbeiten, wie es die Abstands- und Hygieneregeln erlauben. Zukünftig bieten wir eine Flexibilisierungsquote von 50% an. Es kann zur Hälfte am Campus und zur anderen im Mobile Office gearbeitet werden. Die Gestaltung wird gemeinsam mit der Führungskraft besprochen. Diese Regelung spiegelt den Wunsch unserer Mitarbeiter wider. Wir haben in persönlichen Gesprächen, Umfragen und Feedbackrunden die Bedürfnisse und Vorstellungen abgefragt und berücksichtigt. Um das „Mobile Arbeiten“ auch zu ermöglichen, kooperieren wir mit Anbietern von Co-Working-Spaces in großen deutschen Städten.


Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Karup: Unsere Erfahrungen sind sehr gut. Das flexible Arbeiten wird bei uns sehr geschätzt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen es immer gezielter ein.

Führen Sie interne Befragungen zur Zufriedenheit mit diesem neuen Format durch?
Karup: Das ist Teil unserer großen Mitarbeiterbefragung, die wir aktuell durchgeführt haben. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Unabhängig davon machen wir monatlich eine kurze Stimmungsabfrage. Daraus leiten wir dann Maßnahmen ab. Im Sommer 2020 gab es in Zusammenarbeit mit Frontem Consulting eine gezielte Befragung zum Thema „Zukunft des Arbeitens“ bei Marc O’Polo – darauf basiert das Konzept.

 Markus Staude hat im August 2020 die Position des Chief Financial Officer sowie des Chief Human Ressources Officer bei der Marc O'Polo AG übernommen. Er zeichnet damit für die Bereiche Finanzen, Personal und Administration verantwortlich und ist gleichzeitig Mitglied des Vorstandes.
Marc O'Polo
Markus Staude hat im August 2020 die Position des Chief Financial Officer sowie des Chief Human Ressources Officer bei der Marc O'Polo AG übernommen. Er zeichnet damit für die Bereiche Finanzen, Personal und Administration verantwortlich und ist gleichzeitig Mitglied des Vorstandes.
Inwieweit gibt es Unzufriedenheiten bei den Mitarbeitern auf der Fläche, in Ihren Läden, denen Sie diese Modelle nicht anbieten können?
Staude: Auf der Fläche bieten wir andere Konzepte an, die flexibleres Arbeiten ermöglichen. Eine spezielle Unzufriedenheit dadurch stellen wir nicht fest. Mittel- bis langfristig möchten wir auch hier zusätzlich innovative neue Angebote schaffen.

Weil Sie ansonsten eine verstärkte Fluktuation in diesem Bereich befürchten?
Staude: Nein, das stellen wir nicht fest. Aber der Beruf hat durch die Pandemie ganz neue Herausforderungen, und wir versuchen hier für alle MitarbeiterInnen ein guter Ansprechpartner zu sein, auf neue Bedarfslagen sowohl kurz- als auch mittelfristig zu reagieren. Und gleichzeitig wie angesprochen, haben wir den Anspruch, auch neue Modelle im Retail zu entwickeln.


Wir beobachten, dass zurzeit in vielen Läden Personal gesucht wird. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Karup: Auch wir sind national wie international auf Personalsuche, vor allem weil wir unser Retail-Geschäft weiter ausbauen. Generell ist es in der Tat eine große Herausforderung Mitarbeiter für den Einzelhandel zu gewinnen. Die langen Lockdowns haben dieses Berufsbild für viele weniger attraktiv werden lassen.

Gab es Mitarbeiter, die nach den Lockdowns nicht zurück gekommen sind? Wenn ja, in welchen Bereichen?
Staude: Ja, solche gab es auch bei uns und im Übrigen auch Mitarbeiter, die nach dem Lockdown nicht zurück gekommen sind und jetzt wieder gerne wieder kommen wollen. Wir wollen in den nächsten Jahren stark wachsen und unser internationales Geschäft deutlich ausbauen. Daher suchen wir nahezu über alle Bereiche, aber vor allem in den Bereichen Design, Digital, IT, im Retail und international.

Wie läuft das Recruiting in Corona-Zeiten?
Karup: In der Hochphase der Pandemie lief das Recruiting nahezu ausschließlich „on remote“. In der Zwischenzeit organisieren wir während des Prozesses mindestens ein Präsenztreffen in unserem HQ. Der persönliche Kontakt ist uns sehr wichtig, ebenso, dass der Kandidat sich einen Eindruck von Marc O’Polo, dem Spirit und den potenziellen neuen Kollegen schaffen kann.

Inwieweit wird das digitale Recruiting auch nach der Krise bleiben?
In der Zukunft wird es genau diese Mischung bleiben. Recruiting „on remote“ ist nicht mehr wegzudenken. In der ersten Phase digital und dann ein oder mehrere Gespräche vor Ort. Gerade im internationalen Bereich bietet digitales Recruiting große Vorteile, weil wir dadurch schneller und flexibler werden.

Die Marc O'Polo-Zentrale in Stephanskirchen
Marc O'Polo
Die Marc O'Polo-Zentrale in Stephanskirchen
Wie wirkt sich die anhaltende Corona-Krise insgesamt auf die Personalarbeit aus?
Karup: Das Thema Kommunikation ist deutlich in den Mittelpunkt gerückt – sowohl von Seiten der Führungskräfte als auch der Organisation in Summe. Wir sind als HR-Manager deutlich mehr als Gesprächspartner gefragt und auch unsre Führungskräfte nehmen das wahr. Persönliche Betreuung, Wertschätzung sowie transparente, regelmäßige interne Kommunikation und Dialogangebote sind entscheidend aus meiner Sicht. Daran arbeiten wir in sehr enger Abstimmung mit der Unternehmenskommunikation und haben unsere Aktivitäten gerade in diesem Bereich bereits vor der Pandemie kontinuierlich ausgebaut.

Leiden Ihre Mitarbeiter auf den Flächen unter der Maskenpflicht?
Staude: Wir versuchen, das über verschiedene Regelungen und Maßnahmen so angenehm wie möglich zu gestalten. Aber die Arbeit über viele Stunden mit Maske ist definitiv eine große – aber gesetzlich notwendige - Herausforderung für das Retail-Team. Ich möchte mich hier ausdrücklich bei allen Kolleg:innen für ihren täglichen Einsatz auf der Fläche bedanken. Es ist großartig, was Ihr leistet.

Unserer Studie zufolge machen sich 37% aller Befragten aus allen Unternehmen Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Staude: Bei Thema Arbeitsplatzsicherheit liegt Marc O’Polo auf den vorderen Plätzen, zurecht wie ich finde. Wir haben trotz Corona die Weichen für Wachstum gestellt und sogar strategisch Personal weiter aufgebaut statt abgebaut. Ich gehe daher davon aus, dass die Zahl bei uns deutlich niedriger liegt.

Was tun Sie in Ihrem HR-Ressort, um den Mitarbeitern wieder mehr Sicherheit und Zuversicht zu geben?
Staude: Wir setzen bei diesem Thema sehr stark auf transparente und regelmäßige Kommunikation. Da ist die Unternehmenskommunikation für uns eine sehr wichtige Schnittstelle. Speziell im HR-Bereich wollen wir dem Team ein wichtiger Ansprechpartner sein. Als wichtiges Warnsignal nutzen wir monatliche Moodboards, wo wir die Stimmung abfragen.

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