Working in Fashion 2021: Olymp-HR-Chefin im Gespräch

"Die Personalarbeit ist anspruchsvoller als jemals zuvor"

Olymp
Seit fast 20 Jahren ist Elke Feuerbacher Personalleiterin und Head of Human Resource Management bei der Olymp Bezner KG in Bietigheim-Bissingen. Noch nie war dieser Job in ihren Augen so anspruchsvoll und herausfordernd wie in dieser Corona-Krise.
Seit fast 20 Jahren ist Elke Feuerbacher Personalleiterin und Head of Human Resource Management bei der Olymp Bezner KG in Bietigheim-Bissingen. Noch nie war dieser Job in ihren Augen so anspruchsvoll und herausfordernd wie in dieser Corona-Krise.

Nach einem Aufstieg im Jahr 2020 hat Olymp in der aktuellen Working in Fashion-Studie neun Plätze verloren und liegt damit auf Rang 23 – die bislang schwächste Platzierung seit Beginn der Erhebung. Elke Feuerbacher, Leitung Personal & Ausbildung der Olymp Bezner KG, spricht im TW-Interview über die lang anhaltende Kurzarbeit, wirtschaftlich schwierige Zeiten und die neue Homeoffice-Regelung.

TextilWirtschaft: In unserer aktuellen Working in Fashion-Studie, an der sich mehr als 4000 Mitarbeiter der gesamten Branche beteiligten, rutscht Olymp auf die bislang schwächste Platzierung. Wie erklären Sie sich das?
Die verheerende Pandemie hat uns vor schwierige Aufgaben gestellt, bei deren Bewältigung nicht durchweg alles nahtlos verläuft. Den bestmöglichen Schutz für die Belegschaft sicherstellen und den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten, stand über einen längeren Zeitraum im absoluten Fokus.

Doch auch wenn uns die besondere Situation stellenweise gehörig auf die Nähte ging, so hat sich die stabile Konstruktion aus Teamleistung, Gemeinschaftsgeist und kollegialer Solidarität als enorm flexibel und belastbar erwiesen. Womöglich hätten wir ein paar Plätze gutmachen können, wenn wir, wie in den Jahren zuvor, auch diesmal unter unserer Belegschaft zur Teilnahme an der Studie aufgerufen und dadurch weitere Stimmen unserer engagierten Teammitglieder eingesammelt hätten.
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123 RF
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Am schwächsten hat Olymp bei "Bekanntheit als Arbeitgeber" abgeschnitten. Dort haben Sie nur 7% erreicht, was Rang 31 bedeutete. Inwieweit stoßen Sie hier an Ihre Grenzen?
Auch in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben wir stets Markenpräsenz gezeigt. Dass Olymp nun weniger gut erinnert werden will, ist nicht nachzuvollziehen.

Stark verloren hat Olymp auch in der Kategorie "Zukunftspotenzial". Dieses bescheinigten Ihnen 2020 noch 40% der Arbeitnehmer. Jetzt sind es nur noch 30%. Was ist passiert?
Die Herausforderungen für unser Unternehmen aufgrund des buchstäblichen Entzugs der Geschäftsgrundlage durch monatelange Ladenschließungen waren immens und sind es auch weiterhin. Die Pandemie hat branchenweit viele neue Erkenntnisse gebracht, Veränderungen in Gang gesetzt und Maßnahmen angestoßen, deren Inangriffnahme in absehbarer Zeit ohnehin unabwendbar gewesen wäre. Olymp hatte sich diesen Themen bereits lange vorher angenommen, aber die Intensität aber deutlich erhöht.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass auch die in der schwierigsten Phase stets hoffnungsvollen Aussichten zunehmend erfreulicher werden und die Nachfrage nach unseren Produkten schneller ansteigt, als vor einigen Wochen noch angenommen, sodass wir davon ausgehen, dass die Werte vollkommen andere wären, würde die Umfrage heute stattfinden.
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Inwieweit sehen Sie dies auch in der aktuellen Corona-Krise begründet?
Unser Abschneiden innerhalb der Studie erachten wir maßgeblich durch die Folgen der Pandemie beeinflusst. Zu virenfreien Zeiten - dessen sind wir gewiss - hätten wir uns wesentlich besser geschlagen und unseren Kurs auch als Arbeitgebermarke fortsetzen können. Wir sind angesichts jüngster Entwicklungen jedoch zuversichtlich, in der nächsten Erhebung an alte Erfolge anknüpfen zu können.

Wie lange waren Ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit? 
Unsere Belegschaft befand sich seit dem ersten Lockdown im März 2020 in Kurzarbeit, die bis Ende Oktober 2021 anhielt. Insgesamt dauerte die angeordnete Arbeitszeitverkürzung damit länger als anderthalb Jahre an.

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Wie wirkt sich die anhaltende Pandemie insgesamt auf die Personalarbeit aus?
Diese ist anspruchsvoller als jemals zuvor. Sowohl, was die Führung der bestehenden Belegschaft anbelangt als auch die Rekrutierung neuer Arbeitskräfte. Ferner lassen sich viele Arbeitsprozesse durch den hohen Individualisierungsgrad heute nicht mehr in dem Maße in standardisierter Form gestalten, was zu weiterer Belastung führt.

Leiden Ihre Mitarbeiter unter der Maskenpflicht?
Unsere Mitarbeitenden haben großes Verständnis für die Notwendigkeit der Maßnahme. Nachdem das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in vielen Lebensbereichen nach wie vor unerlässlich ist, wird die Maske am Arbeitsplatz nicht als belastender oder störender wahrgenommen als anderswo.

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Inwiefern sind die Beschäftigten insgesamt jetzt unsicherer?
Die Sorge, dass es unser Produktportfolio mit einem Schwerpunkt auf Businessmode künftig schwerer haben könnte, ist durchaus verständlich. Dabei haben wir sowohl in unserer internen als auch unserer externen Kommunikation immer wieder betont, dass Olymp seit jeher in Bezug auf finanzielle Möglichkeiten auf solider Grundlage und hoher Eigenkapitalbasis geführt wird und wir somit hervorragende Voraussetzungen erfüllen, den Auswirkungen dieser Krise bestmöglich standhalten zu können.

Unserer Studie zufolge machen sich 37% aller Befragten aus allen Unternehmen Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Wie sieht das bei Ihnen aus?
2020 mussten wir den ersten Umsatzrückgang seit 25 Jahren hinnehmen und sahen uns mit bis zu diesem Zeitpunkt für undenkbar gehaltenen Problemen konfrontiert. Insofern ist eine gewisse Unsicherheit nachvollziehbar, obwohl wir immer vermittelt haben, dass wir die Situation gemeinsam durchstehen werden. Das Ende der Kurzarbeit und die allmählich stabilisierende Marktsituation machen deutlich, dass wir auf dem besten Weg sind, zu alter Markenstärke zurückzukommen und uns darüber hinaus zu entwickeln. Die positive Personalplanung für das Jahr 2022, welche die Schaffung neuer Stellen in einigen Unternehmensbereichen vorsieht, sollte auch die letzten Ängste nehmen.


Jedes zweite Unternehmen musste aufgrund der Lockdowns Beschäftigte entlassen. Wie ist das bei Ihnen?
Betriebsbedingte Kündigungen sind uns glücklicherweise erspart geblieben. Allerdings haben wir, wenngleich auch nur in geringem Umfang, freiwillige Maßnahmen zum Personalabbau und zur temporären Arbeitszeitreduktion offeriert und durch Fluktuation freigewordene Stellen nicht immer und unmittelbar nachbesetzt.

Schlechter werden in der Studie auch die Work-Life-Balance und die Soziale Verantwortung von Olymp beurteilt. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Die neue Homeoffice-Regelung hat die Ausgewogenheit zu den privaten Bedürfnissen positiv beeinflusst. Unser seit jeher besonders ausgeprägtes Nachhaltigkeitsengagement hat sich nicht nur als vollkommen virenresistent erwiesen. Mit Einführung unseres neuen Nachhaltigkeitslabels Green Choice zum Herbst 2021 hat unsere Unternehmensverantwortung einen neuen Höhepunkt erreicht. Trotzdem ist der Stresslevel nach wie vor hoch, was sich in der Wahrnehmung niederschlägt.

„Homeoffice ist inzwischen fest etabliert und wird auch weiterhin fester Bestandteil bleiben.“
Elke Feuerbacher, Olymp Bezner
Erstmals abgefragt haben wir die Möglichkeit des mobilen Arbeitens. Derzeit nehmen nur 19% aller Studienteilnehmer Olymp als einen Anbieter in diesem Bereich wahr.
Der verantwortungsvolle und engagierte Umgang unseres tollen Teams mit den neuen Arbeitsformen hat sich bewährt. Homeoffice ist inzwischen fest etabliert und wird auch weiterhin fester Bestandteil bleiben.

Für wie viel Prozent Ihrer Mitarbeiter ist flexibles Arbeiten möglich? Und wie viele Mitarbeiter arbeiten schon teilweise im Homeoffice?
Das Angebot des mobilen Arbeitens können etwa zwei Drittel der Belegschaft nutzen, was ein Großteil während der Pandemie auch regelmäßig getan hat. Während es auch viele Mitarbeitende gibt, die es aus unterschiedlichsten Gründen vorziehen, an ihren betriebsinternen Arbeitsplatz zu kommen, lassen sich die Aufgaben in einzelnen Unternehmensbereichen nicht aus der Ferne erledigen. Dazu gehören u.a. die Designabteilung, Musterfertigung, Qualitätssicherung oder Logistik. Dort ist der Tätigkeitsbereich jeweils ortsgebunden.


Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Grundsätzlich sehr gute. Die technischen Voraussetzungen dafür hatten wir bereits vor der Pandemie geschaffen, sodass der Übergang nicht gar zu abrupt erfolgt ist.

Wie viele Mitarbeiter werden auch nach der Corona-Krise weiterhin flexibel arbeiten dürfen – und in welchem Umfang sowie in welchen Bereichen?
In jenen Arbeitsbereichen, in welchen die Tätigkeiten ortsunabhängig verrichtet werden können und betriebliche Belange keine Präsenz voraussetzen, werden unsere Mitarbeitenden auch nach der Pandemie die Möglichkeit haben, ihrer Tätigkeit an bis zu zehn Tagen pro Monat außerhalb des Unternehmens nachzugehen. Die entspricht immerhin gut der Hälfte an Arbeitstagen.


Wie sind Ihre Erfahrungen mit digitalem Recruiting?
Die Vorzüge digitaler Möglichkeiten nutzen wir auch bei der Personalbeschaffung. Neben einer umfassenden Karriererubrik auf unserer Webseite, Unternehmensprofilen auf diversen beruflichen Netzwerken oder der Veröffentlichung von Stellenanzeigen auf Jobplattformen greifen wir im Einstellungsprozess auf Personal- und Bewerbungsmanagementprogramme sowie Video- oder Telekonferenzsoftware zurück.

Welche Digitalformate sollen fester Bestandteil der Personalsuche werden und bleiben?
Die von uns präferierte und unternehmensweit implementierte Kollaborationssoftware Microsoft Teams hat sich bereits bewährt. Mitunter kommen aber auch andere Tools zur Anwendung.

Und welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Zeitarbeit?
Auf Leiharbeitsverhältnisse greifen wir nur sporadisch zurück. In dem Rahmen, in welchem wir bislang Gebrauch davon haben machen können, haben wir positive Erkenntnisse gewonnen. Einsatzmöglichkeiten gibt es gerade dort, wo nach möglichst kurzer Einarbeitungszeit eine hohe Effektivität erforderlich ist.

In welchen Bereichen und welchem Umfang spielt dies in Ihrem Unternehmen eine Rolle?
Die befristete Arbeit ist vorrangig im gewerblichen Bereich ein probates Mittel zur Schaffung personeller Kapazitäten, z.B. im Lager und in der Logistik Darüber hinaus eignet sich die befristete Arbeit auch in diversen administrativen Bereichen wie der IT.

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Die TW-Bühne "Working in Fashion" mit näheren Informationen zur gleichnamigen Studie sowie weitere Interviews mit Personalverantwortlichen in der Modebranche

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