Working in Fashion 2021: Takko-Personalchef im Gespräch

"Als Fashion-Discounter haben wir beim Gehalt nicht viel Spielraum"

Takko
Paul Thieme hat als Mitglied der Geschäftsleitung die Strategische und operative Gesamtverantwortung für den Bereich Human Resources bei Takko.
Paul Thieme hat als Mitglied der Geschäftsleitung die Strategische und operative Gesamtverantwortung für den Bereich Human Resources bei Takko.

Takko gehört zu den Absteigern der aktuellen TW-Studie "Working in Fashion". Nach einem Aufstieg 2019 und Rang 25 im Jahr 2020 hat der Discounter stark verloren und liegt jetzt auf dem drittletzten Platz. Paul Thieme, Senior Director und HR-Manager der Takko Holding, über die Unsicherheit durch den Lockdown, das schlechte Gehaltsniveau und die beschränkten Möglichkeiten von Mobile Working.

TextilWirtschaft: Allein daran, dass in diesem Jahr besonders wenige Takko-Mitarbeiter teilnahmen, kann die schlechte Platzierung nicht liegen. Und nach den Querelen am Jahresanfang, ist Ihr Unternehmen jetzt zahlenmäßig auch wieder im Aufwind. Wie erklären Sie sich diesen Absturz?
Paul Thieme: Die diesjährige Auswertung hat uns sehr überrascht. Wir stellen eine deutliche Diskrepanz zwischen internem Feedback und allgemeiner externer Wahrnehmung von Takko Fashion als Arbeitgeber fest. Natürlich hat die Corona-Pandemie das gesamte Unternehmen und damit die Mitarbeitenden vor Herausforderungen gestellt, dennoch haben wir in der vergangenen Zeit viel unternommen, um nah bei unseren Mitarbeitenden zu sein, sie regelmäßig zu informieren und zu Entwicklungen und Entscheidungen abzuholen. Trotzdem ist die HR-Arbeit ein Marathon, kein Sprint.

Besonders schlecht schneidet Takko beim Betriebsklima ab. Dieses beurteilten noch 2020 ein Drittel der Mitarbeiter als gut – jetzt sind es nur noch 11%. Was ist hier passiert?
Die in der Studie erhobene Wahrnehmung könnte auf eine Aneinanderreihung von Faktoren zurückzuführen sein: Der Anfang dieses Jahres war allgemein von wirtschaftlicher Unsicherheit durch den langanhaltenden Lockdown geprägt. Hinzu kamen Wechsel in der Geschäftsführung sowie die beschwerlichen Bemühungen um eine Landesbürgschaft zur Überbrückung des Lockdowns. Die Studie wurde kurz nach diesen Ereignissen erhoben, die sicherlich die externe Wahrnehmung von Takko Fashion beeinflussen.

Auch die mit der Pandemie einhergehenden zusätzlichen Belastungen für die Mitarbeiter stellen das Miteinander in Unternehmen vor neue Herausforderungen. Insgesamt überrascht uns das Ergebnis, da wir aus der Organisation sehr viel positives Feedback bekommen. Wir nehmen das Ergebnis selbstverständlich zum Anlass, unsere Einschätzung zu prüfen, zusätzliches Feedback zu sammeln und daraus gegebenenfalls Maßnahmen abzuleiten.
„Wir hatten im zweiten Quartal einen sensationellen Umsatz, der allerdings bei Weitem nicht die Verluste aus der Filialschließungszeit kompensiert.“
Paul Thieme, Takko
Nahezu Schlusslicht – nur einen Rang vor dem Letztplatzierten Kik – sind sie bei der Gehaltsfrage. Nur 8% aller Mitarbeiter sagen, Takko hat ein gutes Gehaltsniveau. Warum zahlt Takko so schlecht?

Unser Gehaltsniveau orientiert sich an dem Durchschnitt im Einzelhandel. Als Fashion-Discounter haben wir in diesem Bereich naturgemäß nicht so viel Spielraum wie andere Modemarken. Die Corona-Pandemie und der damit einhergehende lange Lockdown haben die Situation leider verschärft. Mittlerweile entspannt sich die wirtschaftliche Situation wieder und wir hatten im zweiten Quartal einen sensationellen Umsatz, der allerdings bei Weitem nicht die Verluste aus der Filialschließungszeit kompensiert.

Auch in der Kategorie Weiterbildungsmöglichkeiten hat Ihr Unternehmen stark verloren, ist vom gutem Mittelfeld mit Rang 21, fast ganz nach unten auf Rang 37 gerutscht. Woran liegt das?
Takko Fashion bietet einige Weiterbildungsmöglichkeiten für seine Mitarbeitenden, zum Beispiel über die Takko Academy mit unternehmenseigenen Schulungsprogrammen. Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie haben wir einige Seminare, zum Beispiel die In-House-Schulungen unseres Talent Pools, in ein digitales Format übertragen. Leider mussten wir aufgrund der ausfallenden Umsätze während des langen Lockdowns das Budget reduzieren, auch für unser Weiterbildungsmaßnahmen. Wir planen selbstverständlich dieses Budget – sobald es die wirtschaftliche Situation wieder zulässt – wieder aufzustocken.

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Schwierig bleibt es für Ihr Unternehmen auch in der Kategorie "Attraktive Produkte". Sehen Sie hier noch irgendwelche Hebel, das Image zu verbessern?
Unser Sortiment wird von unseren Kunden sehr gut angenommen. Das zeigt beispielsweise der Umsatzrekord im zweiten Quartal. Wir haben unser Sortiment mit der Einführung des Labels Ever.me noch einmal deutlich stärker am Trend ausgerichtet. Die Marke haben wir via eines digitalen Catwalks auf Instagram zusammen mit Influencerinnen gelauncht.

Diesem Event folgten mittlerweile drei digitale Live-Shopping-Events auf unseren Plattformen, in denen Kolleginnen unsere Mode präsentieren. Hierzu sowie zu unserem Sortiment bekommen wir ein sehr positives Feedback.
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Erstmals abgefragt haben wir die Möglichkeit des mobilen Arbeitens, die Ihnen als großem Filialisten nur 9% attestieren. Gleichzeitig zeigt sich in der Gesamtbefragung, dass sich 90% aller Beschäftigten der Branche die Möglichkeit des Home Offices wünschen. Das kann Takko naturgemäß nur sehr beschränkt anbieten. Inwieweit glauben Sie, dass diese fehlenden Flexibilisierungsmöglichkeiten Ihr Image als Arbeitgeber verschlechtern?
Dort, wo flexibleres Arbeiten möglich ist, bieten wir es unseren Kollegen an. Auch, wenn wir für unsere Kollegen in den Filialen nicht in demselben Maße flexibleres Arbeiten ermöglichen können, war es uns wichtig, den Personaleinsatz in den Filialen während der Pandemie möglichst flexibel zu planen. So können wir die zusätzlichen privaten Herausforderungen berücksichtigen, die viele unserer Kollegen meistern müssen.

Wie konkret sehen Ihre Konzepte und Angebote im Bereich Mobile Working aus?
Wir haben seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie an allen unseren Zentralstandorten Mobile Office eingeführt. In dem Großteil unserer Teams pflegen wir eine Kombination aus Präsenzarbeit und mobilem Arbeiten. Die Möglichkeit des mobilen Arbeitens werden wir auch nach der Pandemie beibehalten.

Glücklicherweise hat Takko Fashion schon vor Ausbruch der Pandemie die digitalen Grundlagen für das mobile Arbeiten geschaffen. Wir machen mit der virtuellen Zusammenarbeit über Videokonferenzen sehr gute Erfahrungen. Nach Einführung des Mobile Office waren wir vor allem positiv überrascht, wie schnell sich alle Kolleg:innen an die neue Situation gewöhnt haben und beispielsweise von Anfang an direkt die Videokommunikation genutzt haben, um so etwas Nähe zu ihren Teams zu schaffen.
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Inwieweit kommt es dabei zur Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern auf der Fläche, in Ihren Läden, denen Sie diese Modelle nicht anbieten können?
Die Möglichkeit von Mobile Office ist naturgemäß im gesamten Einzelhandel nur bedingt für die gesamte Belegschaft umsetzbar. Es ist uns dennoch wichtig, den Personaleinsatz in den Filialen möglichst flexibel zu planen, um so die zusätzlichen privaten Herausforderungen, die viele unserer Kolleg:innen meistern müssen, zu berücksichtigen. Wir sehen keine Fluktuationszunahme seit dem verstärkten Aufkommen von Mobile Office-Angeboten.

Wie wirkt sich die anhaltende Corona-Krise ansonsten auf die Personalarbeit aus?
Aufgrund des langen Lockdowns ohne Öffnungsperspektiven war die Zeit von Unsicherheit geprägt. Das sorgte teilweise für Besorgnis, wie es mit dem Einzelhandel allgemein weitergeht. Die Situation hat sich mit den Geschäftsöffnungen und einem sehr guten Umsatzergebnis im zweiten Quartal mittlerweile wieder deutlich entspannt. Wir konnten die Herausforderungen während der Corona-Krise gut überbrücken. Im gesamten Konzern gab es keine coronabedingten Entlassungen.

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Die TW-Bühne "Working in Fashion" mit näheren Informationen zur gleichnamigen Studie sowie weitere Interviews mit Personalverantwortlichen in der Modebranche

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