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Aktuelle Sportmarken-Aktionen bei Kaufland und Lidl

Kein fairer Wettkampf

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Die rote Karte geht in diesem Fall an die Politik und ein Regelwerk, das Unternehmen ungleich behandelt. Besonders deutlich wird das dort, wo es um vergleichbare Produkte geht: Der eine kann das Nike-Sweat ab heute stationär verkaufen - der andere nicht.
Die rote Karte geht in diesem Fall an die Politik und ein Regelwerk, das Unternehmen ungleich behandelt. Besonders deutlich wird das dort, wo es um vergleichbare Produkte geht: Der eine kann das Nike-Sweat ab heute stationär verkaufen - der andere nicht.

Markenartikel bei Discountern sind nichts Neues. Dass sie dort aber in den Wochen verkauft werden können, in denen der Sport- und Modehandel geschlossen bleiben muss, ist ein plakatives Beispiel dafür, welche Blüten die ungleiche Behandlung von Unternehmen bei der Bekämpfung der Pandemie treibt.

„Das dürft Ihr nicht zulassen, das ist nicht richtig.“ Mit diesen – oder ähnlichen – Worten soll der Vater von Olaf Scholz an seinen Sohn appelliert haben. Er war selbst früher in der Textilbranche tätig und soll den Bundesfinanzminister extra angerufen haben, als er erfahren hat, dass es trotz Shutdown möglich sein soll, Non-Food-Produkte im Lebensmitteleinzelhandel zu kaufen. Wie Scholz im Januar bei seinem Besuch bei Intersport Olympia in Potsdam dem Geschäftsführer Sascha Dühring berichtete, hätte er sich denn auch entsprechende Regelungen in den Länderverordnungen gewünscht.


Das hat bekanntermaßen nicht geklappt. Zwar gelten in allen Bundesländern unterschiedliche Regelungen, doch bundesweit dürfen Lebensmittelhändler auch Produkte verkaufen, die nicht zur Grundversorgung zählen. Die bis dato einzige Einschränkung ist das Werbeverbot für Non-Food-Artikel im Saarland.

Dass sich darüber schon im ersten Shutdown die Gemüter erhitzten, ist nur allzu verständlich. Speziell im Sporthandel sorgten dann die großen Aktionen bei Aldi und Lidl im aktuellen Shutdown mit mehreren Prospektseiten zu Jahresbeginn für großen Unmut.

Natürlich werden diese Aktionen, die es jedes Jahr gibt, von langer Hand geplant. Doch dieses Argument derjenigen, die sich gegen eine stärkere Sortimentsbegrenzung aussprechen, ist kein überzeugendes. Auch andere Händler haben die Produkte, die sie jetzt im Laden haben, schon vor Monaten gekauft und bezahlt. Verkaufen können sie sie trotzdem nicht – zumindest nicht stationär.

Auch Markenprodukte bei Discountern

Das Thema der Ungleichbehandlung bekommt aber noch eine ganz andere Dimension, wenn Discounter und Lebensmittelhändler nicht nur mit Eigenmarken in die Sport-Offensive gehen. Bei Kaufland gab es vergangene Woche Bekleidung, Wäsche und Accessoires von Puma, bei Lidl fällt an diesem Donnerstag der Startschuss für den Verkauf von Nike-Artikeln in den Filialen. Puma-Logo-Hoodies gab es zum Beispiel für 25 Euro, Sweats mit Swoosh kosten 35 Euro. Und bei manchem Sporthändler stapeln sich im Moment solche Puma-Sweats, die jetzt bei Kaufland verkauft wurden. Bei so manchem Teamsport-Händler liegen die Hoodies mit Swoosh aus der Teamsport-Linie von Nike, die es ab Donnerstag bei Lidl gibt, wie Blei in den Regalen.

Auch kein neues Phänomen. Wo zu viel Ware ist, werden Wege gesucht, diese abzuschleusen. Wenn aber das Zuviel an Ware im Markt auch aus den staatlich angeordneten Ladenschließungen resultiert und genau diese Produkte dann wiederum in den Kanälen abgeschleust werden, die das Glück haben, nicht von diesen Schließungen betroffen zu sein, läuft etwas grundlegend verkehrt.

Gerne ins Feld geführt wird auch das Argument, in anderen Kanälen würde die Ware ja auch während des Shutdown verkauft, sprich online. Aber das kann die Kritik an der Ungleichbehandlung von Handelsunternehmen nicht entkräften. Denn jeder Händler hat zwar theoretisch die Möglichkeit, seine Ware auch online abzuschleusen – aber der niederschwellige Weg des Stationärverkaufs bleibt dem Sport- wie dem Modehändler derzeit verwehrt.

Woher stammt die Ware?

Kann man Lidl & Co daraus einen Vorwurf machen? Man kann denjenigen, die diese Ware jetzt ins Sortiment nehmen und jenen, die ihnen die Ware verkaufen, unsolidarisches Verhalten vorwerfen. Mit ein Grund, wieso die Nike-Aktion in den Sozialen Medien so hohe Wellen schlägt.

Doch auch diese berechtigte Kritik trifft nicht den Kern des Problems: die ungleiche Verteilung der Last bei der Bekämpfung der Pandemie. Dafür kann man weder die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, verantwortlich machen, noch Nike oder Puma. „Lidl macht einfach das Geschäft, das Lidl schon immer macht: Das Unternehmen ergreift Chancen, die sich bieten“, so das sachliche Fazit eines Marktbeobachters. Und dem pflichten selbst viele Händler bei. „Wenn ich Lidl oder Kaufland wäre, würde ich es doch nicht anders machen.“ Kein Einzelstatement.

Bleibt die Frage, woher die Unternehmen die Ware haben. „Nicht von uns“, so die verkürzte, aber einstimmige Antwort von Nike und Puma auf TW-Nachfrage. „Lidl ist kein Partner der Marktstrategie von Nike und wir verkaufen keine Produkte an das Unternehmen“, heißt es bei Nike. „Kaufland ist kein Kunde von Puma und Puma verkauft nicht direkt an Kaufland. Uns ist nicht bekannt, woher die Ware stammt“, erklärt Puma.

Über welche Zwischenhändler Lidl und Kaufland auch immer an die Produkte gekommen sind – es sind riesige Warenberge im Markt, die abgetragen werden. Dass gerade Produkte aus der Teamsport-Linie von Nike in den Lidl-Filialen verkauft werden, ist sicher kein Zufall – im Lidl-Online-Shop gab es sie bereits zuvor. Kaum ein anderes Business ist so mengengetrieben wie das rund um die Vereins-Ausstattung. Und wenn dieses komplett brachliegt, ist selbst die Bestückung von über 3000 Filialen kein Riesending.
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