Basketball boomt. Zumindest expandieren Konzepte kräftig, die vom Lifestyle rund um Basketball und Hip-Hop geprägt sind. Der Filialist Snipes startet im Juli in Frankreich. Mehr als 190 Filialen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Spanien, Italien und Belgien zählt das Unternehmen bereits.

Auch Filialist Kickz, der 2017 von Zalando übernommen wurde, plant im kommenden Jahr die bislang 15 Stores hierzulande um weitere im Ausland zu ergänzen, wie CEO Christian Grosse im TW-Interview im März ankündigte.

Noch stärker in der Nische bewegt sich BSTN. Basketball bildet aber auch die DNA des Stores, der vor fünf Jahren in München eröffnet wurde. Seit gut einem halben Jahr gibt es BSTN außerdem in Hamburg. „Zum aktuellen Zeitpunkt können wir uns eher vorstellen, eine weitere Filiale in einer europäischen Metropole oder vielleicht sogar in den USA oder Japan zu eröffnen, als die gängigen deutschen Großstädte anzugehen”, verrät Mitgründer Chris Boszczyk.



Von Beginn an war es den Machern – neben Boszczyk sind das Dusan Cvetkovic und CEO Roberto Aufiero – wichtig, als globale Marke wahrgenommen zu werden und eine spitze Zielgruppe anzusprechen. Nach eigener Aussage wächst BSTN im Heimatmarkt genauso stark wie in den USA. Auch wenn mitunter VK-Preislagen für eine Stone Island-Jacke von über 1000 Euro aufgerufen werden – „wenn uns das Produkt überzeugt, die Qualität stimmt und eine Philosophie dahinter steckt”, fügt Boszczyk hinzu.

Ohnehin sei die Bereitschaft, für eine Marke nahezu jeden Preis zu bezahlen, solange sie cool und begehrlich ist, noch nie so groß gewesen wie jetzt. Das Sortiment reicht also von klassischen Basketball-Labels wie Nike, Nike Jordan und Adidas bis hin zu progressiven Marken wie eben Stone Island, Norse Projects und Han Kjøbenhavn. Einige Labels, darunter Reigning Champ und Babylon LA, führen die Münchner exklusiv in Deutschland. Ein starker Partner sei zudem Patta. Diese Sortimentsbausteine zeigen: „Wir sind ein Premium-Sportswear-Store”, wie Boszczyk betont.

Das unterscheidet das Konzept denn auch von Mitbewerbern. Differenzierung erfolgt neben dem Sortiment auch über die Corporate Identity. „Wir ziehen eine einheitliche Sprache und Bildästhetik durch – vom Storedesign über Social Media bis hin zum Packaging”, erklärt Aufiero. In den Stores zeigen Fotos Basketball-Szenen. Während die für die einen nur cool aussehen, wissen die anderen genau, um welches Spiel es sich handelt – und erkennen somit auch BSTN als echte Experten an, so Aufiero. Boszczyk sagt: „Die BSTN-Welt ist zu 70% von US-Sport Culture und zu 30% von der 90s Hip-Hop-Bewegung inspiriert.” Um diese Welt bestmöglich zu repräsentieren setzt BSTN auch auf arrondierende Artikel, darunter etwa zum Lifestyle passende Bücher.

Sich ein eigenes Profil zu verpassen gelingt außerdem über Eigenlabels. Überhaupt ist BSTN ursprünglich vor zehn Jahren als Mode-Label gestartet, damals unter dem Namen Beastin. Anlässlich des Geburtstags in diesem Jahr wird das Label in Form einer Kapsel reaktiviert. Vor etwa zwei Jahren sei es ein wenig eingeschlafen. Kein Wunder, sind Cvetkovic  und Boszczyk doch auch die Köpfe hinter Labels wie Cayler & Sons und Project Delray, entwickeln Kollektionen für Stars – von Rapper Haftbefehl bis hin zu den Influencer-Zwillingen Lisa und Lena. Boszczyk  kann sich vorstellen, die Linie Beastin mit VK-Preisen von 40 bis 100 Euro auch an exklusive Partner im Ausland zu vertreiben, in Deutschland wird es sie nur bei BSTN geben.

Stark ausgebaut wird jetzt außerdem das Label BSTN Studio. Eine erste Kollektion mit Caps, T-Shirts und Hoodies (30 bis 80 Euro im VK) für Männer gab es bereits, im Spätsommer wird in die rund 70 Teile umfassende Linie erstmals Womens- und Kidswear integriert. Die Kids-Linie ist an eine Charity-Aktion gekoppelt. Ein „nicht zu knapper Anteil” der Erlöse soll gespendet werden. Auch dieses Label ist allerdings nicht im Wholesale erhältlich.

Die eigenen Läden seien profitabel. Generell sind die Macher bei der Kommunikation von Zahlen zurückhaltend. Aufiero lässt sich nur entlocken, dass der Umsatz im zweistelligen Millionenbereich, das jährliche Wachstum im dreistelligen Prozentbereich liege. Boszczyk fügt hinzu: „Der E-Commerce hat die Umsatzherrschaft inne.” Sneaker haben beim Gesamtumsatz verglichen mit Apparel derzeit die Nase vorn. Der Durchschnittsbon liegt bei 150 Euro brutto – auf allen Kanälen.



Trotz der Dominanz des E-Commerce hat das stationäre Geschäft für Boszczyk und Aufiero einen hohen Stellenwert: Das liegt zum einen daran, dass man dort die Zielgruppe zwischen 20 und 30 Jahren erleben, sie einschätzen lernen kann. Zum anderen ist der Store ein Ort, der sich optimal gemeinsam mit den Marken für Events nutzen lässt, etwa wenn ein Sneaker neu auf den Markt kommt. Dabei ist BSTN für Nike & Co. nicht nur wegen der Location interessant, sondern auch weil die 20-köpfige Firma nach Boszczyks Worten Design-Event-Agentur, Logistikunternehmen und Retail-Konzept in einem sei und somit bei einem Release auch das ganze Drumherum organisiere.

Gerade in ihrer Anfangszeit haben sich die BSTN-Boys ohnehin auch einen Namen als Partyorganisatoren gemacht. „Auch wenn wir ein anderes Image haben, sind wir selbstfinanziert und arbeiten wirtschaftlich konservativ”, betont Boszczyk aber. Und er verrät: „Da auch wir an unsere Grenzen stoßen, scheuen wir uns nicht vor einer Partnerschaft mit einem Investor. Aber diese müsste zu 100% mit unserer Philosophie in Einklang stehen.”

Von einer anderen Übernahme erhofft sich der Basketball-Fan übrigens neue modische Impulse: Bislang sind es vor allem die ikonischen Basketball-Modelle, die auch im Lifestyle-Segment funktionieren. Boszczyk glaubt, dass durch die NBA-Übernahme von Nike auch mehr moderne Performance-Styles auf Lifestyle umgemünzt werden könnten. Und Basketball noch mehr boomt.

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