Mit dem neuen Bezahl-Service Google Pay soll ab sofort ein Handy mit dem Betriebssystem Android die Kreditkarte ersetzen. Alle stationären Händler, bei denen bereits kontaktloses Bezahlen möglich ist, können diesen Service anbieten.

Auch bei Online-Käufen kann mit Google Pay bezahlt werden. „Damit gestalten wir jetzt das Bezahlen so einfach und intuitiv wie die Google-Suche. Sogar mit einer Smartwatch kann einfach und kontaktlos am entsprechenden Terminal im Geschäft bezahlt werden”, erklärt Philipp Justus, Vice President Central Europe bei Google.

Zum Start in Deutschland, in dem als 19. Land jetzt der Service eingeführt wird, können allerdings vorerst nur Kunden die neue Bezahl-App nutzen, die eine Visa- oder Mastercard bei der Commerzbank haben sowie Nutzer der Mastercard von Boon und N26 sowie Comdirekt-Visa. „Aber wir sind eine offene Plattform und wollen den Service stetig weiter ausbauen. Mit anderen Banken laufen bereits Gespräche”, versichert Justus.



Zu den ersten Handelspartnern, bei denen zusätzlich zu den herkömmlichen Zahlungsarten im Online-Shop oder in der App bereits der neue Button „Mit Google Pay bezahlen” genutzt werden kann, gehören Adidas, Asos, Deliveroo, Flixbus und Ryanair sowie bald auch BVG, Hellofresh, MediaMarkt, MyTaxi und Saturn. „Aber grundsätzlich sind wir offen für alle Händler”, erklärt Justus.

Zusätzliche Gebühren fallen nicht an und auch die Bedienung sei einfacher und schneller als bei konkurrierenden Bezahldiensten, ergänzt Spencer Spinell, Managing Director of Emerging Plattforms bei Google. So seien für den Bezahlvorgang höchstens drei Schritte notwendig.

Mobile Payment

Die Bezahlsysteme der Anderen

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Um die neue Zahlungsmethode in Geschäften nutzen zu können, muss der User zuerst eine Kredit- oder Debitkarte einer der Partnerbanken wie der Commerzbank zur Google Pay-App hinzufügen. Zum Bezahlen müsse er dann nur noch den Telefonbildschirm aktivieren und an das kontaktlose NFC-Terminal (Near Field Communication) halten. Das Android-Smartphone erkenne dann den Betrag und starte den Bezahlvorgang auf dem mobilen Gerät. Nur bei Transaktionen über 25 Euro muss der Nutzer als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme sein Telefon entsperren.

Geschäfte, die diese Zahlungsart anbieten, haben das NFC-Symbol im Kassenbereich sichtbar angebracht. Die Bezahlung mit Google Pay im stationären Handel ist überall dort möglich, wo kontaktloses Bezahlen angeboten wird, dazu gehören laut Google Adidas, Aldi-Süd, Hornbach, Kaufland, Lidl, McDonald’s, MediaMarkt und Saturn. Der Google Watch Blog führt auch Dutzende Modehändler unter den Teilnehmern auf, darunter NKD, Street One, Kik, Takko, Timberland, Tchibo, Tamaris, Bonita, Gerry Weber, Marc O′Polo, New Yorker, C&A, Hallhuber, Esprit, Triumph, Orsay, S. Oliver, Mango, Reno, H&M und Tally Weijl.

Um es Partnern zu erleichtern, Google Pay als Zahlungsmethode in Geschäften und Apps anzubieten, werde mit vielen Zahlungsplattformen wie ACI, Adyen, Braintree, Stripe und Worldpay zusammengearbeitet. Google Pay ist zudem in allen Produkten des Anbieters wie Google Play, Google Assistant, Chrome und YouTube Premium integriert. Die App funktioniert mit Chrome, Google Assistant sowie mobil und über den Desktop-PC.


In den USA wurde der Service bereits vor drei Jahren eingeführt. Deutschland komme jetzt erst relativ spät, weil im Vergleich zu vielen anderen Ländern hier die Barzahlung noch immer sehr beliebt sei. Zudem seien die Nachfrage nach Sicherheit und die Besorgnis über den Datenmissbrauch hierzulande besonders hoch, begründet Justus. Deshalb habe der Konzern besonderen Wert auf die Sicherheitsstandards für Google Pay gelegt. So werden die Daten einer hinterlegten Kreditkarte weder auf dem mobilen Gerät noch im System des Verkäufers gespeichert. Wenn Nutzer in Geschäften bezahlen, werden ihre Transaktionen mit einer virtuellen Kartennummer, einem gerätespezifischen „Token” durchgeführt. Dieser Token sei mit einem dynamischen Sicherheitscode verknüpft, der sich mit jeder Transaktion ändere.

Auch wenn ein Telefon verlorengeht oder gestohlen wird, könne der Nutzer einfach die „Mein Gerät finden“-Funktion verwenden, um sein Gerät von überall zu sperren, mit einem neuen Passwort zu schützen oder alle persönlichen Daten zu löschen. Die Karte selbst müsse nicht deaktiviert werden, da die Daten nicht auf dem Gerät gespeichert sind.

Im Unterschied zu anderen Services wie Apple Pay betont Spinell, Google wolle an der Händlergebühr für Kreditkarten nicht mitverdienen. „Wir profitieren davon, dass möglichst viele Menschen ihre Zahlungsdaten im Google-Account hinterlegen und damit auch unsere Services stärker nutzen”, erklärt der Techniker. Mit dem Start in Deutschland hoffen Google Pay und die Partnerbanken, auch das mobile Bezahlen insgesamt zu pushen. Rund drei Viertel der Smartphones in Deutschland seien bereits mit dem Google-Betriebssystem Android ausgestattet. Auch im Handel sehen die Suchmaschinen-Spezialisten großes Potenzial: Bis Ende des Jahres werde hierzulande an etwa 80% aller Kassenterminals kontaktloses Bezahlen möglich sein, schätzen die Vertreter der beteiligten Kreditinstitute.
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