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Camper-CEO Miguel Fluxa und Kilian Jornet im TW-Gespräch

"Natürlich wollen die Händler ein Geschäft machen - das wollen wir auch"

NNormal Jaime de Diego - Camper / Collage: TW
Kilian Jornet und Miguel Luxa wollen mit NNormal die Outdoor-Branche verändern.
Kilian Jornet und Miguel Luxa wollen mit NNormal die Outdoor-Branche verändern.

Für den Weg in die Berge hat sich der Schuh-Anbieter Camper prominente Unterstützung geholt. Gemeinsam mit Kilian Jornet, einem der besten Bergsportler der Welt, bringt das mallorquinische Familienunternehmen im Herbst die Outdoor-Marke NNormal auf den Markt. Das Versprechen: zeitlose Produkte – im wahrsten Sinne des Wortes. "Wir wollen keinen Konsum befeuern", sagt Jornet. An ein lukratives Geschäftsmodell für beide Seiten glauben die Partner dennoch.


TW: 2018 erklärte Camper, sich nur noch auf die Kernmarke konzentrieren zu wollen. Warum jetzt der nächste Zweitmarken-Versuch?
Miguel Fluxa: Das Unternehmen ist heute in einer anderen Situation. Fokus ist immer wichtig, um erfolgreich zu sein. Zum damaligen Zeitpunkt erschien es mir wichtiger, dass wir uns komplett auf Camper zu konzentrieren. Vieles von dem, was wir angestoßen haben, hat sich heute etabliert. Ein guter Zeitpunkt, um ein neues Unternehmen zu starten – mit einem Fokus-Team für dieses neue Unternehmen. Da haben wir aus der Vergangenheit gelernt.

NNormal: Die ersten Moods


Wieso etablieren Sie das Outdoor-Segment nicht innerhalb der Kernmarke Camper?
Miguel Fluxa: Camper ist eine Casual-Brand, eine Lifestyle-Brand. Für mehr Credibility macht es aus unserer Sicht Sinn, eine neue Marke zu starten. Aber natürlich können wir auf Ressourcen von Camper zurückgreifen. Wir haben schon intensiv über Outdoor nachgedacht, bevor wir Kilian trafen. Als wir ihn dann kennengelernt haben, war die Sache schnell klar. Wir ergänzen uns perfekt.

Wann reifte in Ihnen die Idee, dass es an einer Outdoor-Marke fehlt auf dem Markt?
Kilian Jornet: Es ging nie darum, dass eine Marke fehlt oder dass ein Feld nicht besetzt ist. Es geht eher um unsere Vision, wie wir Dinge machen wollen – und wie sie heute kein anderer macht. Ich habe viele Jahre sehr eng mit Brands zusammengearbeitet, war sehr nah am Design-Prozess. Ich bin überzeugt davon, dass unser Ansatz nicht nur den Kunden etwas bringt, sondern die ganze Branche inspirieren kann.

Was genau ist denn Ihr Ansatz?
Kilian Jornet: Oberste Priorität haben Funktionalität und Haltbarkeit, sprich Reparierfähigkeit, und Zirkularität. Das heißt zum Beispiel, dass wir versuchen, möglichst wenig unterschiedliche Materialien zu verwenden. Unser nachhaltiger Ansatz geht aber über das Produkt hinaus. Wir wollen keinen Konsum befeuern.

Das heißt?
Kilian Jornet: Wir machen keine saisonalen Kollektionen. Wir machen ein zeitloses Produkt. Das ist genauso erhältlich, bis wir es eine wirklich verbesserte Alternative gibt. Wir wollen nichts verändern, nur um etwas zu verändern.

Wie sieht die angekündigte "absolute Transparenz" aus?
Kilian Jornet: Im Prinzip ganz einfach: Wo kommt das Produkt her? Was steckt drin? Warum wurde es wie designt? Das wollen wir für jedes Produkt offenlegen.

Stößt Ihr neues Konzept auf Verständnis bei den Handelspartnern?
Miguel Fluxa: Das Verständnis dafür, dass sich die ganze Industrie wandeln muss, war nie so groß. Und der Handel wird es schätzen, davon bin ich überzeugt. Als wir vor 20 Jahren unseren ersten zirkulären Schuh vorgestellt haben, war das anders. Damals gab es kaum Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Das hat sich verändert. Unser Angebot ist ein im wahrsten Sinne des Wortes zeitloses und langlebiges Produkt. Natürlich wollen die Händler ein Geschäft machen – das wollen wir auch. Und das müssen wir ja auch, wenn wir wirklich etwas verändern wollen.

Wie wird das Ordern für die nächste Saison aussehen?
Miguel Fluxa: Wenn ein Schuh gut läuft, können die Händler ihn nachziehen – unabhängig von der Saison. Nicht anders als bei Carry-overs. Wir werden sehen, was läuft und aus diesen Erfahrungen lernen.

Wie groß ist das NNOrmal-Team?
Miguel Fluxa: Etwa zehn Personen, die sich voll auf NNormal konzentrieren. Bei Produktentwicklung, Finanzen, Verwaltung, Technik und auch Marketing kann dieses Team auf Camper-Ressourcen zurückgreifen. Das Office ist deswegen auch hier bei uns angesiedelt, auf der anderen Straßenseite.

Wo in Deutschland werden die NNormal-Produkte zum Launch verkauft werden?
Kilian Jornet: In Deutschland werden die Produkte in Fachgeschäften für Running und Outdoor sowie auf nnormal.com verkauft

Wie sieht die Kollektion aus?
Kilian Jornet: Den Start machen Running und Hiking, jeweils zwei Schuh-Modelle und Bekleidung und Accessoires. Aber es wird keine komplette Kollektion geben, wir arbeiten an jedem einzelnen Produkt, bis wir das Gefühl haben, dass es fertig ist. Preislich werden Schuhe etwa in einer Range von 130 und 180 Euro liegen. Wir bieten zugängliche Premium-Produkte.

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