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Chancen und Potenziale für Marken und Messe

Keine Ispo in München – das sagt die Branche

Messe München
Foren und Diskussionsrunden wird es auch bei der digitalen Ispo Munich geben - via Live-Streaming und Chatrooms.
Foren und Diskussionsrunden wird es auch bei der digitalen Ispo Munich geben - via Live-Streaming und Chatrooms.

Wirklich überrascht hat die Nachricht wohl kaum einen: Die Ispo in München findet nicht statt.

"Vor zwei Wochen hätten wir die Lage noch anders eingeschätzt, aber jetzt wäre alles andere eine Überraschung gewesen", sagt Vaude-Vertriebsgeschäftsführer Jan Lorch. Die finale Entscheidung der Messe München war für Ende Oktober erwartet worden. Auch Mammut-CEO Oliver Pabst hatte kaum mehr mit einer Vor-Ort-Veranstaltung gerechnet, "zumal 80% der Besucher aus dem nicht-deutschsprachigen Raum kommen".

Doch die Absage der Präsenzveranstaltung bedeutet nicht, dass die Branche komplett auf die Ispo verzichten muss, ein digitales Programm war im Rahmen der Planung als Hybrid-Veranstaltung ohnehin schon erarbeitet worden. Die Veranstalter können dabei auf Erfahrungen aus dem Sommer zurückgreifen, als die OutDoor by Ispo entfallen musste und durch die digitalen Re.Start Days ersetzt wurde.

"Eine rein digitale Version der Ispo kann den Mehrwert eines persönlichen Treffens nicht kompensieren. Und es ist auch gut so, dass die reale Welt – das Zwischenmenschliche – immer eine ganz besondere Atmosphäre besitzt, die sich nicht künstlich abbilden lässt", sagt Schöffel-Inhaber Peter Schöffel. "Dennoch sehen wir die Konzentration auf eine digitale Veranstaltung als enorme Chance für die Ispo, diese Angebote massiv weiterzuentwickeln. Jetzt gilt es, auf den Erfolg und die Potenziale der bereits vorhandenen und starken digitalen Konzepte wie ispo.com und die Ispo-Community aufzubauen und diese in voller Gänze im Sinne der Branche und der Endverbraucher zu entfalten."


Auch Jack Wolfskin-Chefin Melody Harris-Jensbach ist davon überzeugt, dass sich Messekonzepte weiterentwickeln müssen und werden in Zukunft digitaler werden. "Unabhängig davon haben sie unverändert eine sehr hohe Relevanz für uns." Deshalb war Jack Wolfskin auch bei den Ispo Re.Start Days vertreten. "Auch wenn das Publikum nicht live vor Ort war, bleiben solche Formate weiterhin wichtige Plattformen für uns, um mit Händlern, Wettbewerbern und Kunden im Austausch zu bleiben."

Bedeutung physischer Messen ungebrochen

Auch Jan Lorch betont, dass Vaude gerne eine Präsenz-Veranstaltung hätte, "aber das ist momentan leider einfach nicht machbar". Er begrüßt, dass die Veranstalter diese Entscheidung frühzeitig getroffen haben und so Planungssicherheit für die Aussteller geschaffen haben. "Die Kontakte, die wir auf der Messe gehabt hätten, verlieren wir nicht. Wir werden alle Kunden, Supplier und Medienvertreter jetzt eben auf anderem Weg treffen. Auch die sind ja mittlerweile besser vorbereitet auf diese Situation." An der Bedeutung phyischer Messen ändere das allerdings nichts. "Die sehen wir auch in Zukunft als wichtig."


"Auf Messen steht für uns immer der persönliche Kontakt im Vordergrund", sagt auch Peter Räuber, Gründer und Geschäftsführer von Maloja. Er war bis zuletzt davon ausgegangen, dass die Messe mit einem guten Hygienekonzept durchführbar wäre. "Natürlich nutzen wir unseren Messestand zur Präsentation der aktuellen Kollektion, aber er ist vor allem auch ein Ort der Kommunikation und dient dem Zusammenkommen mit Händlern, Freunden und Athleten. Umso mehr bedauern wir, dass wir uns auf der Ispo 2021 nicht persönlich treffen können." Doch die Erfahrungen aus dem Sommer zeigten, dass die "Maloja-Familie" über die Jahre sehr gut zusammengewachsen sei. "Obwohl wir bei der OutDoor by Ispo nicht zusammenkommen konnten, spüren wir eine sehr tiefe Verbundenheit mit der Marke. Das gibt uns auch für den Winter ein gutes Gefühl."

Chancen und Potenziale für Marken und Messe

Schöffel sieht in der Notwendigkeit der Ispo, sich in einen digitalen Marktplatz zu wandeln, eine große Chance. "Wenn das gelingt, kann die Ispo auch in den Folgejahren überzeugen und die seit Jahren anhaltende Diskussion um die Relevanz einer stationären Messe auf eine neue Ebene bringen." Auch Pabst sieht großes Potenzial. "Insbesondere dann, wenn es der Messe gelingt, sowohl Fachpublikum als auch Konsumenten anzusprechen. Dies funktioniert auf einer digitalen Messe durch gezielte Ansprache, differenzierte Zeitfenster, kreativen Content und die Strahlkraft unserer Marken und Industrie. Und die Ispo ist eine der wenigen Messe-‚Marken‘, die Konsumenten in ihren Bann ziehen können."
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