TW Sports
Corona-Bilanz von JD Sports

Online-Shift: Umsatz gerettet, Ergebnis gefressen

JD Sports
Eine neue Filiale pro Woche wird es nicht werden - doch JD Sports hat in Europa weiterhin konkrete Expansionspläne.
Eine neue Filiale pro Woche wird es nicht werden - doch JD Sports hat in Europa weiterhin konkrete Expansionspläne.

Der britische Sneaker- und Lifestyle-Händler JD Sports hat das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2020/21 (1.8.) mit einem einstelligen Umsatzminus abgeschlossen. Damit hat die Corona-Krise den rasanten Wachstumskurs der Gruppe mit regelmäßig zweistelligen Zuwachsraten ausgebremst. Doch dank eines starken Online-Business' - vor allem in der Phase des Lockdowns - hält sich der Erlösrückgang mit 7% auf 2,5 Mrd. Pfund (2,8 Mrd. Euro) in Grenzen.

Doch dieser Online-Shift belastet das Ergebnis. Das Vorsteuerergebnis brach um zwei Drittel (-68%) auf 41,5 Mio. Pfund ein, unter anderem wegen erhöhter Kosten für das Online-Fulfillment mit hohen Performance Marketing-Kosten. Doch auch Schutz- und Hygienemaßnahmen verursachten zusätzliche Kosten, die das Ergebnis drücken.

Weitere Expansion mit JD Sports in Europa geplant

Hierzulande ist das Unternehmen mit dem Format JD Sports vertreten. Derzeit gibt es in Deutschland laut Website 65 JD Sports-Filialen. Außerdem gibt es in Köln eine Filiale des spitzeren Formats Size. Die ehrgeizigen Expansionspläne für JD Sports für Europa werden – wenig überraschend – angepasst. „Unser früher erklärtes Ziel, in ganz Europa durchschnittlich ein Geschäft pro Woche zu eröffnen, spiegelt eine Welt vor dem Ausbruch von Covid-19 wider“, so Executive Chairman Peter Cowgill.

Doch das Unternehmen geht derzeit immer noch davon aus, dass im Laufe des Jahres netto etwa 30 neue JD Sports-Filialen eröffnet werden. Fest steht bereits die Eröffnung eines  Flagship-Stores in der Rue de Rivoli, einer der wichtigsten Einkaufsstraßen im Zentrum von Paris. Bis dato sei aber die Frequenz in allen europäischen Ländern nach wie vor vergleichsweise schwach. Allerdings könne das teilweise durch eine Erhöhung der Konversionsrate sowie einen höheren Durchschnittsbon ausgeglichen werden.

Auch zum Geschäft während des Lockdowns gibt es Zahlen: In Europa konnte in dieser Phase etwa ein Drittel der Umsätze gehalten werden, in Nordeuropa mehr als im Süden. In den USA lag dieser Wert deutlich höher: Hier konnten allein durch das starke Online-Business rund 75% des Vorjahresumsatzes erzielt werden. Gleichzeitig profitierte das Geschäft in den USA von Mai bis Ende Juli erheblich von den steuerlichen Konsum-Anreizen durch die US-Regierung. Der Umsatz stieg in diesem Zeitraum um fast 50%, wobei die Bruttomargen in diesem Zeitraum ebenfalls auf einem hohen Niveau lagen, da viele Verbraucher ihre zusätzliche Kaufkraft nutzten und neue Sneaker-Modelle zum vollen Preis kauften.

Cowgill wagt Ergebnisprognose

Den anhaltend großen Herausforderungen durch Covid-19 zum Trotz ist Executive Chairman Peter Cowgill vorsichtig optimistisch für das zweite Halbjahr: „Wir sind generell ermutigt durch unsere Entwicklung seit der Wiedereröffnung der Geschäfte und durch unsere Leistung in den ersten Wochen der zweiten Jahreshälfte. Die Frequenz ist jedoch nach wie vor vergleichsweise schwach, und die jüngste Verschärfung der Maßnahmen in vielen Ländern sowie die vorübergehende Schließung einiger Geschäfte erinnern uns daran, dass Covid-19 eine ständige Herausforderung bleibt. Nichtsdestotrotz sind wir nach wie vor absolut zuversichtlich in Bezug auf unsere Stärken beim Customer Engagement, wichtige Markenbeziehungen und weltweit einheitliche Standards im Multichannel-Einzelhandel. Diese, kombiniert mit einer agilen operativen Infrastruktur, bieten uns eine solide Plattform für eine weitere positive Entwicklung.“

Und er wagt sogar eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr: Ausgehend von „vorsichtigen, aber realistischen Annahmen“ geht das Unternehmen derzeit von einem Vorsteuergewinn von mindestens 265 Mio. Pfund im Geschäftsjahr 2020/21 (1.2.) aus.

Baustellen bleiben Go Outdoors, Footasylum und Brexit

Dabei ist das Corona-Risiko nur eine der Baustellen bei JD Sports. Der 2016 übernommene Filialist Go Outdoors befindet sich nach zwei schwierigen Jahren in einer Phase der Restrukturierung. Das Geschäftsfeld Outdoor trägt allerdings nur einen einstelligen prozentualen Anteil zum Gesamtumsatz bei.

Nach wie vor in Verhandlungen ist JD Sports mit der Wettbewerbsbehörde, die der geplanten Übernahme des Konkurrenten Footasylum Anfang Mai den Riegel vorgeschoben hatte. Eine Anhörung in dieser Sache ist für den 23. September angesetzt.

Nicht zuletzt ist die Gefahr eines ungeordneten Brexits nicht gebannt, was für das Unternehmen mit Sitz in Bury Zollrisiken birgt. Mit ein Grund für JD Sports, eine europäische Supply-Chain-Strategie aufzubauen. Bislang gibt es ein Logistikzentrum in Belgien, von dem aus einige europäische Läden beliefert werden. Dieses sei allerdings nicht groß genug, um das gesamte europäisches Einzelhandelsvolumen abzuwickeln und derzeit auch nicht in der Lage, Online-Bestellungen zu bedienen.

stats