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Der Bundesfinanzminister zu Besuch bei Intersport Olympia in Potsdam

Was wollte Olaf Scholz von Ihnen wissen, Herr Dühring?

Intersport Olympia
Bundesfinanzminister Olaf Scholz mit Intersport Olympia-Geschäftsführer Sascha Dühring
Bundesfinanzminister Olaf Scholz mit Intersport Olympia-Geschäftsführer Sascha Dühring

Am Freitag war Bundesfinanzminister Olaf Scholz zu Besuch bei Sascha Dühring, Geschäftsführer von Intersport Olympia mit Filialen in Berlin und Potsdam. Er nahm sich mehr Zeit als ursprünglich geplant, denn er hatte viele offene Fragen. Im TW-Interview erzählt Dühring, was Scholz alles von ihm wissen wollte und welche Rolle Scholz' Vater für die Branche spielt.


TextilWirtschaft:
Herr Dühring, vor kurzem haben Sie Ihr Geschäft trotz Shutdown geöffnet: für Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Wie kam es dazu?

Sascha Dühring: Das lief über die Innenstadt-Initiative, an die sein Ministerium eine Anfrage gerichtet hatte. Olaf Scholz lebt ja selbst in Potsdam, er wollte hier mit drei, vier Händlern in der Innenstadt sprechen. So kam das zustande. Wir waren die letzte Station, eigentlich war ein Zeitfenster von 15 bis 20 Minuten geplant. Daraus wurde eine ganze Stunde. Die Vorbereitung für diesen Termin nahm volle sieben Tage in Anspruch, sie wurde maßgeblich von Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg und dem Intersport Deutschland-CEO Alexander von Preen begleitet. An dieser Stelle dafür ein großes Dankeschön!


Er hatte wohl eine Menge Fragen. Was genau wollte er von Ihnen wissen?
Seine erste Frage war, was den zweiten Shutdown vom ersten unterscheidet.

Was haben Sie geantwortet?
Das liegt ja auf der Hand: Der erste Shutdown traf uns zu einer Zeit, in der die neue Ware gerade erst eingegangen war. Und nach der Öffnung kamen wir dann noch in eine Verflüssigungsphase, die uns Liquidität gebracht hat. Diese Phase wird uns jetzt genommen und uns fehlt das Geld, um die Ware zu bezahlen, die im Frühjahr kommt.

Und seine Reaktion?
Das sei ja eine Riesenwelle, die wir da vor uns herschieben. Und dass man da in den Gremien offenbar von falschen Dingen ausgehe. Das habe ich dann noch einmal ausdrücklich bestätigt, denn wenn man dort wirklich davon ausgeht, dass wir unsere Winterware einfach später verkaufen können, dann kann das nicht funktionieren. Seine zweite Frage zielte auf die Hilfen ab, und ob diese wie benötigt fließen.

Auch da haben Sie ihm wahrscheinlich eine klare Antwort gegeben.
Natürlich. Und er hat wirklich zugehört, hat Dinge hinterfragt und das Gesagte aufgenommen. Er fragte dann, ob es sinnvoll wäre, Zahlungsziele zu verschieben.

Das wäre ja nicht mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein…
Ja, das stimmt, helfen würde es aber natürlich dennoch. Mir fehlt aber die Fantasie, wie das in der Praxis aussehen soll. In diese Gespräche mit unseren Lieferanten kann ja der Staat nicht eingreifen. Dann wollte er wissen, ob uns die Mehrwertsteuer-Senkung etwas gebracht hat.

Und, hat sie?
Ja. Denn wir haben sie nicht weitergegeben, haben das unseren Kunden gegenüber aber sehr offen kommuniziert. Für die war das überhaupt kein Thema, das ging ja beim Einzelnen nur um Cent-Beträge. Uns hat das in Summe dann aber mehrere Zehntausend Euro gebracht. Dennoch hätte ich Einzelhandels-Gutscheine für jeden Bürger sinnvoller gefunden. Außerdem war es mir sehr wichtig, ihn für den völlig entglittenen Wettbewerb zu sensibilisieren. Aber das hatte sein Vater schon getan.

Wie bitte?
Ja, Olaf Scholz‘ Vater war selbst früher in der Textilbranche tätig. Scholz erzählte, dass sein Vater ihn angerufen hätte, als er erfahren habe, dass es trotz Shutdown möglich sein soll, Non-Food-Produkte im Lebensmitteleinzelhandel zu kaufen. Das dürfe er nicht zulassen, habe er an ihn appelliert, das sei nicht richtig. Scholz hätte sich wohl auch entsprechende Regelungen in den Länderverordnungen gewünscht.

Das hat ja aber offenbar nicht geklappt.
Sieht so aus. Scharf kritisiert habe ich vor allem die mangelnde Transparenz der Regelungen. Ich bin kein ängstlicher Mensch. Aber im Moment habe ich immer Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, eine neue Regelung, die alles wieder verändert. Wie kann es zum Beispiel sein, dass mir kein Mensch sagen kann, ob für die Umsatzschwelle nur die Stationär- oder auch zusätzliche Online-Umsätze gelten?

Die Appelle von Ihnen und zahlreichen Händlerkollegen scheinen aber tatsächlich gefruchtet zu haben.
Ja, ich hatte während unseres Gesprächs schon das Gefühl, dass ihm vieles klarer wurde. Dass hier große Dinge kaputtgehen. Und dass bei unserem Unternehmen ein Lebenswerk auf dem Spiel steht und uns das Gefühl vermittelt wird, das sei nichts wert.

Was sind denn Ihre Forderungen an die Politik?
Das hat Olaf Scholz mich auch gefragt. Ich wünsche mir schnelle, unbürokratische Hilfen, die spätestens Anfang Februar bei uns sein müssen, in Höhe von 35 bis 40% vom Rohertrag. Und natürlich die Möglichkeit der Teilwertabschläge. Denn unsere Ware ist jeden Tag weniger wert. Der Warenberg stellt uns ja vor ganz banale Probleme – von der Finanzierung mal ganz zu schweigen: Wo sollen wir das ganze Zeug denn einlagern? Da haben wir noch keine Lösung.

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