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Der Outdoor-Spezialist Alpenstrand wird auch 2021 nicht online verkaufen. Aus Überzeugung.

„Wir sind keine Päckchenverschicker“

Alpenstrand
"Die Kunden werden auch in Zukunft in die Läden gehen", ist Alpenstrand-Geschäftsführerin Katja Mendel überzeugt. "Nicht, weil es günstiger ist, sondern weil wir die bessere Beratung bieten."
"Die Kunden werden auch in Zukunft in die Läden gehen", ist Alpenstrand-Geschäftsführerin Katja Mendel überzeugt. "Nicht, weil es günstiger ist, sondern weil wir die bessere Beratung bieten."

Katja Mendel, Geschäftsführerin vom Outdoor-Spezialisten Alpenstrand in Landshut, glaubt an ihr Konzept. Und sie ist überzeugt: Wenn die Durststrecke erst einmal überwunden ist, werden die Kunden den persönlichen Kontakt noch sehr viel mehr zu schätzen wissen.

TextilWirtschaft: Sie haben bisher keinen Online-Shop betrieben. Werden Sie sich das 2021 noch leisten können?
Katja Mendel: Wir sind keine Päckchenverschicker. Wir machen Geschäfte mit Menschen. Einkaufserlebnisse, die in Erinnerung bleiben, hängen immer an Räumlichkeiten, an Persönlichkeiten und an Atmosphäre. Das werden wir noch stärker beackern. Wir merken doch gerade jetzt, wie wichtig soziale Kontakte sind. Wenn wir den Kunden, die jetzt bei uns anrufen, eine Auswahl zusammenstellen können, dann funktioniert das, weil wir uns Gedanken übereinander machen. Unser Bildschirm sind unsere Schaufenster. Wir würden deswegen auch nie auf die Idee kommen, unsere Fenster nur alle paar Wochen neu zu dekorieren, da wundere ich mich manchmal über Händlerkollegen. Aber natürlich sind wir sehr aktiv auf Social Media, das ist extrem wichtig.

Welche Erkenntnisse haben Sie in den vergangenen Monaten gewinnen können?
Wir spüren eine noch stärkere Verbundenheit der Kunden zu unserem Unternehmen. Das freut uns sehr, denn wir arbeiten wirklich sehr hart daran, die Kunden spüren zu lassen, dass sie uns wichtig sind. Bei den Jungen sehe ich einen Trend zu mehr Genügsamkeit. Ich merke, dass gerade die, die groß geworden sind mit dem Handy, bewusst etwas anderes suchen, nämlich den Kontakt mit Menschen. Und eine Fußanalyse, die unser Inhaber Armin Dantl und ich hier mit dem orthopädischen Spiegel machen und nicht mit dem Fußscanner, extrem zu schätzen wissen. Da kann mir die Industrie so viele Scanner vorstellen, wie sie will. Und der Gipfelschnaps, den hier jeder Kunde nach dem Kauf eines Bergschuhs bekommt, ist legendär.

Sie haben in den vergangenen Jahren mit Decathlon, Hervis, McTrek und Radlbauer fast auf einen Schlag vier neue Mitbewerber in Landshut bekommen. Was hat Sie härter getroffen? Diese Eröffnungen oder Corona?
Die aktuelle Situation ist härter, weil wir nicht da sein können für unsere Kunden. Aber genau das ist unsere Stärke. Wir sind besser, weil wir besser beraten. Bei uns gab es auch in der Zeit dieser Eröffnungen keinen einzigen Tag irgendwelche Sonderrabatte. Denn wir glauben an die Wertigkeit unseres Angebots. Und geben den Kunden noch mehr das Gefühl, dass sie uns wichtig sind. Darin werden wir weiter investieren. Wir besohlen im Jahr fast 400 Paar Wanderschuhe neu. Daran verdienen wir fünf Euro. Aber diesen Service schätzen unsere Kunden. Ich gehe viel in andere Geschäfte, finde überall Inspirationen. Aus dem Buchhandel haben wir uns zum Beispiel die handschriftlichen Empfehlungen von Mitarbeitern abgeschaut. Demnächst planen wir eine Reisebuch-Tauschbörse. Und für die Kinder gibt es natürlich eine Mal-Ecke – die ist aber immer aufgeräumt und sauber, und die Stifte sind gespitzt. Wenn ich nicht so viel Geld habe, muss ich eben noch kreativer sein. Das Haus muss Marke sein.

Wie zuversichtlich sind Sie für 2021?
Wir werden die Durststrecke überwinden. So, wie wir den Alpenstrand leben, hat er eine Überlebenschance. Wir haben 18.000 Stammkunden. Die kommen nach Landshut, weil sie Bergschuhe beim Alpenstrand kaufen wollen. Diese Kunden werden auch in Zukunft in die Läden gehen, nicht, weil es günstiger ist, sondern weil wir die bessere Beratung bieten.
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