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Der Winter beginnt nicht mehr im August

Neue Saisonrhythmen: Ortovox geht voran

Ortovox
Ortovox-Geschäftsführer Christian Schneidermeier hofft, dass sein Vorstoß Schule macht: „Ich würde mich freuen, wenn das möglichst viele so machen.“
Ortovox-Geschäftsführer Christian Schneidermeier hofft, dass sein Vorstoß Schule macht: „Ich würde mich freuen, wenn das möglichst viele so machen.“

Um seine Handelspartner zu unterstützen, hat der Bergsportspezialist Ortovox in den vergangenen Wochen eine Reihe an Maßnahmen ergriffen. Nun kündigt Geschäftsführer Christian Schneidermeier an, worüber viele bislang nur nachdenken: „Die Liefertermine rücken künftig wieder näher an die echte Saison.“

Bereits frühzeitig hatte Ortovox entschieden, die Kollektion für Sommer 21 deutlich zu kürzen – eine Maßnahme, die unter anderem auch Salewa und La Sportiva angekündigt haben. Mit einem Durchläuferanteil von 80% soll der Warendruck für die Händler etwas herausgenommen werden.

Nun kündigt Schneidermeier den nächsten Schritt an: Ortovox verschiebt die Auslieferung der Winterkollektion um einen Monat nach hinten. Und zwar nicht nur in diesem Jahr. Winterware von Ortovox wird auch in Zukunft nicht vor dem 1. September ausgeliefert. Die Sommer-Auslieferung startet dementsprechend nicht am 1. Februar, sondern am 1. März.

Der Ortovox-Geschäftsführer ist davon überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um diese längst überfällige Anpassung vorzunehmen – und zwar für die ganze Branche. „Wir alle haben immer früher ausgeliefert, gleichzeitig kommt der Winter immer später. Diese Lücke ist viel zu groß geworden, und wir müssen mit den Saisonrhythmen unbedingt wieder näher an den Jahresrhythmus herankommen.“ Er hofft, mit seinem Vorstoß ein Beispiel für die Branche zu setzen. „Ich würde mich freuen, wenn das möglichst viele so machen.“

Natürlich gebe es immer Handelspartner, die Ware früher haben wollen. Da zeigt sich Schneidermeier allerdings kompromisslos. „Für alle unsere Kunden gilt: Der 1. September ist der frühestmögliche Termin. Wir müssen für alle verlässlich sein. Das gehört für mich zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit.“

Dazu gehört auch, sich gegenseitig, wo möglich, zu unterstützen. Und so gehen derzeit noch 25% des Umsatzes, den Ortovox im Online-Shop macht, an die Handelspartner. Dabei entscheidet jeder Kunde bei seinem Einkauf selbst, welchen Händler er unterstützen möchte. Eine weitere Maßnahme ist die Lockerung der selektiven Vertriebsvereinbarung und damit die temporäre Genehmigung, über Online-Drittanbieter zu verkaufen.

Allen Herausforderungen zum Trotz: Schneidermeier blickt optimistisch in die Zukunft. „Ich glaube nicht, dass unsere Branche so drastische Konsequenzen befürchten muss wie zum Beispiel die Modebranche. Denn ich denke, wir werden weiter eine große Rolle spielen bei den Kunden. Die werden es schätzen, wieder rausgehen zu können und die Natur mit Freunden zu genießen. Es wird also genug Leute geben, die wieder in die Berge gehen werden und dafür das nötige Equipment brauchen.“
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