Schließen
The Spin
What you need to know in global fashion. Sign up now!
 
TW Sports
Die Adidas-Arena ist eröffnet

Auf die Arbeitsplätze, fertig, los

Nathan Ishar
Optisch und namentlich einem Fußballstadion nachempfunden: die neue Adidas-Arena.
Optisch und namentlich einem Fußballstadion nachempfunden: die neue Adidas-Arena.

Böden aus recycelten Turnschuhen, Veggie-Bowls zum Lunch, Wände, an die man mit Edding schreiben darf: Adidas’ spektakulärer Büro-Neubau lässt spannende Rückschlüsse auf Mitarbeiterkultur und Strategie des Milliardenkonzerns zu.

„Ich kann heute keine Mitarbeiter mehr damit locken, dass ich ihnen einen Schreibtisch anbiete, nach drei Jahren guter Arbeit einen Fensterplatz und in ferner Zukunft dann ein eigenes Büro“, sagt Christian Dzieia, Leiter des Immobilienmanagements bei Adidas. Er steht auf dem Gelände der neu eröffneten Arena in Herzogenaurach und erklärt, wie sich der Sportartikelhersteller den Arbeitsplatz der Zukunft vorstellt – und auch künftig junge Talente in den 23.000 Einwohner-Ort holen will. Denn seit acht Jahren steht Adidas auch bei der Working in Fashion-Studie der TextilWirtschaft auf Platz 1. Welche Strategie verfolgt das Unternehmen also in Sachen Mitarbeiter? „Er steht im Zentrum dieser ganzen Projekte. Wir haben ganz klar eine Performance-Kultur – und wie Adi Dassler schon sagte: Wenn ich will, dass ein Job gut gemacht wird, muss ich die richtigen Bedingungen dafür schaffen“, so Dzieia.

Einblick hinter die Kulissen: So sieht die neue Adidas Arena von innen aus



Das macht beim Eintritt in die Arena schon direkt der imposante Eingangsbereich klar: Die Treppe ist mit 136 Stufen das Herzstück. Wer diese jeden Tag eines Arbeitsjahres nimmt, verbrennt laut Adidas so viel Kalorien wie bei einem Marathonlauf. Zugleich erfüllt sie auch in der Kommunikation wichtige Aufgaben – soll sie doch lange, unproduktive Meetings und Anrufe vermeiden und stattdessen dafür sorgen, dass sich Mitarbeiter im Vorbeigehen Informationen zurufen oder fix im Stehen Entscheidungen treffen. „To get shit done“, wie Dzieia sagt. Denn Festnetzanschlüsse gibt es hier ohnehin nicht. Stattdessen kann in schallgedämmten Phone Rooms ungestört telefoniert werden.

Christian Dzieia, Leiter Corporate Real Estate, im Interview


Auch feste Plätze sind Fehlanzeige: Es herrscht eine free desk policy, die Mitarbeiter können sich mit dem bereitgestellten Smartphone und Laptop dort positionieren, wo sie sich wohlfühlen – auch mal im hauseigenen Bistro oder auf der Terasse am künstlichen See. „Egal, ob der Mitarbeiter von der Uni oder einem anderen Unternehmen kommt – er erwartet heute ein Umfeld, in dem er gut und kreativ arbeiten kann. Da gibt es kein one size fits all“, sagt Dzieia. Deshalb sind nur für 80% der Mitarbeiter feste Plätze eingeplant, der Rest entfällt auf individuelle Sitzmöglichkeiten wie Lounge-Ecken.

Die World of Sports in Zahlen

Der Adidas-Campus besteht aus den Gebäuden Spikes (eröffnet 1999), Laces (2011), Halftime (2018), dem Kindergarten World of Kids (2013), einem Fitness-Studio (2014) und zwei Parkhäusern. Die 2019 eröffnete Arena misst mit 52.000 m² eine Fläche, die 2,4 Fußballfeldern entspricht. Sie wurde vom Architekturbüro Behnisch entworfen und über eine Dauer von 34 Monaten gebaut. Die 12.000 Tonnen schwere Stahlkonstruktion wurde erst erstellt und dann via Hydraulik um 10 Meter angehoben, um sie auf 67 Stützen zu stellen. Der Campus beheimatet mehrere Sportanlagen: Von der Laufstrecke auf dem Zwischendach (links) bis zum Fußballstadion für 4000 Zuschauer. Außerdem einen Tennisplatz, ein Basketballfeld, eine Kletteranlage und Beachvolleyballplätze. Mit den 350 Mio. Euro für Halftime und Arena wurden bisher 1 Mrd. Euro in die World of Sports investiert.



20% mobiles, sogenanntes „Out of Campus“-Arbeiten, sind erlaubt. Etwa, um die Kinder oder den Hund zu betreuen. „Wenn wir das als Arbeitgeber nicht leisten, haben wir versagt“, so Dzieia.



Jährlich treffen bei Adidas 1 Millionen Bewerbungen ein. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 57.000 Mitarbeiter, davon 5600 in Herzogenaurach. In der Arena werden künftig 2000 davon Platz finden. Im Schnitt sind die Mitarbeiter 31 Jahre alt. Sie kommen aus 100 Ländern, 90% haben keinen deutschen Pass. Dabei sind die Anteile von Männern und Frauen mit 49 und 51% nahezu gleich verteilt. Führungspositionen sind zu 33% mit Frauen besetzt. Das Festival anlässlich des 70-jährigen Bestehens stand ebenfalls ganz im Zeichen der Mitarbeiter: mit Riesenrad, Foodtrucks, Seilrutsche, künstlicher Surf-Welle, neuem Skate-Park und Stargästen wie Pharrell Williams, Stan Smith, Philipp Lahm und Co.

Das Festival: So feiert Adidas die neue Arena und 70-jähriges Bestehen



Auch die Gründerfamilie stand mit Tochter Sigrid Dassler und Enkel Klaus Bente auf der Bühne. Nur unweit der Gründer-Statue, die nun den Eingang der neuen Arena ziert. Dort sitzt Adi Dassler in Bronze und schaut in Richtung Herzogenaurach, wo 1949 alles begann.

stats