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Die Geschichten von Venice Beach und Joy neu erzählt

"Viel von der Beauty-Branche gelernt"

Scoretex
"Unser Home of Brands-Konzept ist richtig", ist Scoretex-CEO Reiner Unkel überzeugt.
"Unser Home of Brands-Konzept ist richtig", ist Scoretex-CEO Reiner Unkel überzeugt.

Sport wird von globalen Playern dominiert, oder? Wie Scoretex-CEO Reiner Unkel Hidden Champions jetzt sichtbarer macht.

Der Aufbau eines neuen Unternehmens unter Corona-Bedingungen ist eine besondere Herausforderung, keine Frage. Umso herausfordernder, wenn dieser Aufbau mit der Zusammenführung von drei Teams einhergeht. Vor dieser Aufgabe stand Reiner Unkel, seit vergangenem Herbst CEO von Scoretex. Eingängiger als der Firmenname sind die Namen der Brands, die unter dem Scoretex-Dach vereint sind: Venice Beach, Joy Sportswear und – deutlich kleiner – Hot Sportswear.

Den Grundstein für diese Gruppe legte die Bremer Melchers Group 2015 mit der Übernahme der Firma Scoretex und der Marke Venice Beach von Basler. Verkäufer war der damalige Basler-CEO Reiner Unkel. 2018 folgte die Übernahme von Joy Sportswear, ein Jahr später die des Hosen-Spezialisten Hot Sportswear. Umsätze nennt das Unternehmen nicht, widerspricht aber Schätzungen nicht, nach denen Venice Beach und Joy 2019 jeweils rund 10 Mio. Euro erzielten, Hot etwa ein Zehntel davon.

Ein Team, drei Brands

Schon vor seinem offiziellen Start als CEO entwickelte Unkel das Home of Brands-Konzept, um diese Marken zu einer Sport-Einheit zusammenzuführen. Seine erste Aufgabe als CEO war der Aufbau einer neuen Organisation. „Neben unangenehmen Themen wie Freistellungen und Kündigung von Agenturen schwebte über allem die Aufgabe, ein geschlossenes, in sich stimmiges Team zusammenzustellen“, so Unkel. „Das sagt sich leicht, aber wir haben jetzt hier Mitarbeiter aus drei unterschiedlichen Kulturkreisen. Aus der alten Scoretex-Welt, die über viele Jahre vom Venice Beach-Management geprägt wurden, aus der Joy-Welt mit jahrzehntelanger Historie, und dann kam noch der Reiner Unkel dazu mit ganz anderen Erfahrungen.“ Diese drei Welten zusammenzubringen sei eine „unglaublich schöne“ Aufgabe  – aber durch Corona eben deutlich erschwert.
Für die Kunden bedeutet das vor allem eines: Sie werden nun von einem Außendienst-Team betreut, das drei Brands im Portfolio hat.

Venice Beach: Motsi Mabuse ist neue Markenbotschafterin

Mehr Umsatz mit weniger Kunden

Mit Ausnahme der großen Key Accounts führen die meisten Kunden bislang nur eine der Scoretex-Marken. Eine Trendwende zeichnet sich ab: „20 % der Kunden haben in der aktuellen Vororder für Herbst 21 mindestens eine Marke mehr gekauft als bisher. Das zeigt uns, dass das Home of Brands-Konzept richtig ist.“ In Summe habe man ein Vororder-Plus von 4 % erzielt – obwohl allein durch die Veränderungen bei Galeria Karstadt Kaufhof und Karstadt Sports ein großer einstelliger Umsatzanteil weggebrochen sei. „Das mehr als ausgleichen zu können, ist schon eine coole Geschichte.“

Festigung strategischer Partnerschaften

Geschichten sind Unkels Thema. „Wenn jetzt die Läden aufmachen, dann muss ja was passieren. Je mehr Entertainment, desto eher werden die Menschen auch wieder in die Städte und Läden kommen – nicht nur als Nachholeffekt, sondern dauerhaft.“ Genau das sei ein wichtiger Part bei strategischen Partnerschaften, die er festigen will. „Das bedeutet zum Beispiel, dass man ein, zweimal im Jahr Marketingkalender übereinanderlegt und brainstormt, was man gemeinsam machen kann. Ich habe da viel von der Beauty-Branche gelernt. Denn die Beauty-Industrie hat es schon immer verstanden, gemeinsam mit dem Handel viel stärker kundenorientierte Aktivitäten zu entwickeln.“ Genau das schätzt der Handel, der sich, wo möglich, von den großen Marken unabhängiger machen will.

Neue Markenbotschafterin Motsi Mabuse

Mit Engelhorn Sports entwickelte Unkel ein exklusives Event – eine virtuelle Tanzstunde – mit der neuen Venice Beach-Markenbotschaftern Motsi Mabuse. „Mit ihr trifft Venice Beach absolut den Zeitgeist“, findet Engelhorn-Geschäftsführer Armin Weger. „Sie steht für Frauen, die sich in ihrem Körper wohlfühlen.“ Venice Beach gehöre zu den Marken, die diese Zielgruppe und den Zeitgeist „richtig gut verstanden“ haben. Joy Sportswear für die etwas ältere Zielgruppe sei sogar eine der konstantesten Marken der vergangenen 15 Jahre.

Niko Schulz, Merchandise Manager und Business Planner Textil für Fitness/Training bei Sport 2000, sieht in der Ausrichtung der Scoretex-Marken „sehr großes Potenzial“. Zumal Frauen gerade bei Fitnessbekleidung nicht so markenaffin seien wie Männer. „Mit Motsi Mabuse spricht Venice Beach genau unsere Zielgruppe an.“

Bei L & T in Osnabrück ist das „Home of Brands“ mit Joy und Venice Beach einer der „hidden champions“, berichtet Sport-Bereichsleiter Frank Wolf. „Im Bereich Fitness teilweise stärker als die Global Player. Und dabei sehr wohltuend im Umgang.“ Er schätzt die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Beide Marken funktionieren gut, und er sieht Potenzial, wenn die Kollektionen weiter ausgebaut werden.

"Potenzial zwischen Fashion, Fitness und Homewear"

Neben dem Launch von Venice Beach Men steht für 2022 die Vergabe von Lizenzen an. Ab Herbst 21 gibt es eine Yoga-Kollektion. „Das könnte auch als Anreicherung einer Homewear-Abteilung Sinn machen.“ Wie groß die Bereitschaft der Mode-Einkäufer ist, weiß Unkel noch nicht, da der Vertrieb derzeit einen klaren Sport-Fokus hat. „Den Trend zur Jogginghose spüren wir aber massiv. Mittlerweile gibt es ja in jeder Fashion-Kollektion solche Styles. Juvia ist da ein tolles Beispiel. Zwischen Fashion, Fitness und Homewear, da gibt es ein gigantisches Potenzial.“

In UK startet nun ein Test mit einer Agentur, die im Sport und in der Mode zu Hause ist. „Die Chance auf etwas Neues ist da.“

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