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Die neue Running-Offensive

Puma nimmt Anlauf

Puma
Das Design der neuen Running-Modelle von Puma spricht eine klare Perfomance-Sprache.
Das Design der neuen Running-Modelle von Puma spricht eine klare Perfomance-Sprache.

Basketball für den Lifestyle, Running für die Performance. Puma will in jede Liga. Und dabei vor allem die Läuferinnen für sich gewinnen.

„Es ist schon lange her, dass Puma eine echte Laufmarke war.“ Wenn es nach Puma-Chef Bjørn Gulden geht, soll sich das nun aber ändern. Nach dem Wiedereintritt in die Welt des Basketballs im Jahr 2018 nimmt Puma nun eine weitere Sportart ins Visier, in der die Marke zuletzt nur noch ein Nischendasein fristete.


Beim Basketball-Einstieg stand ein Punkt ganz oben auf der Agenda: Es geht nicht nur darum, die Kunden mit entsprechenden Performance-Produkten zu erreichen, sondern den Link zu setzen zu einer ganzen Kultur rund um Sport, Musik und Mode. Und mittlerweile wächst dieses Business auch außerhalb des Kernmarktes in Nordamerika – unter anderem mit dem Basketball-inspirierten Modell Ralph Sampson.

Beim jüngsten Vorstoß in die Welt des Running geht es um Performance. Zwei Jahre hat das Team von Erin Longin, Global Director für Running und Training, an den Produkten gearbeitet, die jetzt auf den Markt kommen.

Puma: Mit diesen Modellen will Puma bei Running Gas geben

Vor einem Jahr wurden dem Handel die ersten Produkte präsentiert. Mit dabei war Jörg Seifert, Leiter der Division Running bei Sport 2000. „Die Vorstellung in Boston war ein strategisch guter Anfang. Wir konnten Input geben, und Puma hat gezeigt, dass sie Wert auf unsere Sichtweise als Spezialisten legen.“

Bewegung ist immer gut

Sport 2000 versammelt einen Großteil der Running-Händler unter dem Dach der Spezialisten-Einheit Laufprofis. Breiter aufgestellte Sporthändler mit einem Running-Schwerpunkt gehören bei Sport 2000 zu dem so genannten Run Club. Raum für Puma als neue Lauf-Marke sieht Seifert sowohl bei den Spezialisten als auch bei den Generalisten – auch letztere können mit einem VK-Preis von 160 Euro für das neue Flaggschiff-Modell Deviate Nitro einen guten Preispunkt setzen. „Wir begrüßen es, wenn sich eine große Marke wieder dem Running verschreibt. Für uns ist es immer gut, wenn sich der Markt bewegt.“

Auch Damir Vuckovac von Shop4Runners befürwortet den neuen Vorstoß von Puma. „Als Händler, der vor allem online verkauft, brauchen wir Marken, die aktiv von den Kunden gesucht werden. Das war bei Puma im Laufbereich bislang nicht der Fall. Wenn die jetzt in Sichtbarkeit investieren, kann das interessant werden. Zumal Puma schon immer sehr partnerschaftlich aufgestellt war.“

Auch Adidas und Nike bringen sich in Position

Laufen boomt – nicht erst seit Corona. Kein Zufall, dass auch die Big Brands Nike und Adidas seit einigen Jahren massiv in diesen Markt drängen. Adidas-Chef Kasper Rorsted spricht bei den Quartalspräsentationen mindestens genauso gerne über den UltraBoost wie über den Lifestyle-Dauerläufer Superstar. Und Nike setzte 2017 mit dem Modell „Vaporfly 4 %“ und der Wieder-Entdeckung der Carbon-Technologie eine neue Benchmark für Wettkampf-Schuhe.

Der Lauf-Boom, der vor allem im vergangenen Frühjahr und Frühsommer in den hiesigen Parks zu beobachten war, lässt sich auch an den jüngsten Marktzahlen der npd Group ablesen: Die Umsätze mit Laufschuhen legten im Corona-Jahr zu. Beziffert wird das Volumen des deutschen Laufschuh-Marktes mit 702 Mio. Euro nach 700 Mio. Euro im Vorjahr.

Dennoch ist der Zeitpunkt für den Aufbau einer neuen Marke herausfordernd. Noch steht in den Sternen, wann und wie große und kleine Lauf-Events wieder stattfinden können, und auch die Perspektive für den stationären Handel ist noch unklar.

Fokus auf die Frauen

Allerdings setzt Puma beim Aufbau durchaus ein eigenes Statement: Denn die Marke positioniert sich bewusst als Anbieter für Läuferinnen. „Wir haben die einmalige Chance, uns von Anfang an auf Frauen zu fokussieren“, betont Erin Longin. Alle vier neuen Running-Modelle verfügen über einen neue Damenleisten, der speziell für den weiblichen Fuß entwickelt wurde. Nicht zuletzt wurden einige Top-Langstreckenläuferinnen unter Vertrag genommen, unter anderem die deutsche Star-Athletin Gesa Krause. „Das ist ein toller Fokus, den Puma als Marke ja auch schon in anderen Bereichen setzt“, findet auch Seifert. „Im Performance Running spielen Frauen schon immer eine wichtige Rolle.“ Mit Gesa Krause investiere man in ein tolles Aushängeschild.

„Puma steht jetzt am Anfang“, resümiert er. „Allerdings hat Puma durch die Leichtathletikverbindung grundsätzlich eine positive Verbindung zum Running. Der ein oder andere unserer Händler hatte sehr gute Zeiten mit Puma. Daran kann man anknüpfen.“ Er erwartet allerdings keine „Riesen-Explosion“. Das wäre aber auch gar nicht im Interesse der Händler. „Wir möchten eine Marke eher sukzessive und dauerhaft aufbauen.“

Seifert hofft, dass Puma mit einem entsprechend langfristigen Horizont an den Start geht. „Ein solches Bekenntnis brauchen wir. Denn wenn unsere Händler ihre Stammkundin davon überzeugen, den Puma-Schuh auszuprobieren, dann muss sie den auch in ein paar Jahren bei uns bekommen.“ Neben der Langzeit-Strategie spielt für ihn – neben dem Produkt – die Distribution eine entscheidende Rolle. Sprich: Ein Bekenntnis zum Fachhandel. „Sonst leisten wir als Spezialisten die Aufbauarbeit und die Investition. Schließlich bringen wir die Schuhe an die Vereine, an die Sportler, an die richtigen Füße.“

Bekenntnis zum Handel

Dieses Bekenntnis von Puma zum Fachhandel hat Gulden gerade erst wieder erneuert. Wie er bei Vorlage der Zahlen für 2020 in der vergangenen Woche darstellte, wächst auch bei Puma das Geschäft, das der Konzern direkt mit den Konsumenten macht – sowohl in den eigenen Läden als auch im eigenen E-Com.

Puma: Die Top-Statements von Puma-Chef Bjørn Gulden

Seit 2016 ist der Umsatzanteil des DTC-Business von 22% auf 27% im Jahr 2020 geklettert. Doch er betont: „Wir halten fest an dem, was wir schon immer kommuniziert haben: Auf dieses Geschäft soll auch in Zukunft nicht mehr als ein Drittel unseres Umsatzes entfallen.“ Daran soll auch die Puma-App nichts ändern, deren Launch Gulden für Ende des Jahres ankündigt.

Bei den Lauf-Spezialisten ist Puma damit allerdings keine Ausnahme. Denn hier konkurriert die zweitgrößte Sportmarke Europas weniger mit den beiden ganz großen Sport-Brands als vielmehr mit Anbietern wie Brooks, Asics und Saucony. Und die bekennen sich ebenfalls sehr viel deutlicher zum Fachhandel, als es der Sporthandel mittlerweile von Adidas und Nike kennt.

Adidas macht schon heute mehr als ein Drittel des Umsatzes ohne den Handel und Rorsted keinen Hehl daraus, dass der Fokus aufs Digitale das Wholesale-Geschäft weiter nachhaltig verändern wird. Auch Nike will allein den Anteil des eigenen E-Com-Business mittelfristig von rund 30% auf rund 50% der Konzernerlöse hochschrauben. Der Markt bleibt in Bewegung.

 

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