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Durchwachsener Jahresauftakt

Das Adidas-Quartal in Zahlen

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 "Ab dem dritten Quartal wird es keine Einschränkungen mehr bei den Lieferungen geben", prognostiziert Adidas-CEO Kasper Rorsted.
"Ab dem dritten Quartal wird es keine Einschränkungen mehr bei den Lieferungen geben", prognostiziert Adidas-CEO Kasper Rorsted.

Wo verliert Adidas? Wo legen die drei Streifen zu? Wie geht es weiter in China? Und wann sollen die Lieferengpässe Vergangenheit sein? Die Key-Take-aways aus der Quartalsbilanz.

Minus 3% währungsbereinigter Umsatz

Das zweite Mal in Folge muss Kasper Rorsted ein währungsbereinigtes Umsatzminus von 3% im Quartal vermelden. In Euro konnten die Erlöse von Januar bis März um 1% auf 5,3 Mrd. Euro gesteigert werden. Diese schwache Umsatzentwicklung resultiert aus dem Asien-Geschäft. Die Region Asien-Pazifik verliert in Q1 währungsbereinigt 16% auf 506 Mio Euro. Die separat ausgewiesene Region Greater China verliert währungsbereinigt sogar 35%. Mit einem Umsatz von 1 Mrd. Euro liegt China damit mittlerweile deutlich abgeschlagen auf Rang 3 nach EMEA (1,94 Mrd. Euro) und Nordamerika (1,4 Mrd. Euro).

Plus 9% in EMEA

Die Heimatregion ist die mit Abstand stärkste für den größten europäischen Sportartikelkonzern. Es ist aber auch die Region, die am stärksten unter den aktuellen Lieferengpässen leidet. Ohne den "Vietnam-Effekt" hätte das Plus nicht bei 9% gelegen, sondern bei 20%, erklärt Rorsted. Sehr viel niedriger sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine. Der habe einen Prozentpunkt Umsatzwachstum in Europa gekostet. Negative Einflüsse auf das Konsumverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher sieht Rorsted aktuell nicht.

80% des Gesamtmarkts 2022 im Plus

Eine Zahl, die Rorsted und Finanzchef Harm Ohlmeyer in ihrer Präsentation immer wieder betonen: Mehr als 80% des weltweiten Adidas-Geschäfts entwickelt sich dynamisch und soll 2022 zweistellig wachsen. Und zwar so stark, dass es den erwarteten starken Einbruch in China im Gesamtjahr mehr als ausgleichen kann. Allerdings liegen dieser Prognose recht optimistische Annahmen in Bezug auf China zugrunde: keine Lockdowns in Großstädten ab Q3, eine stetige Erholung von den negativen Auswirkungen der geopolitischen Lage und eine allmähliche Erhöhung der Frequenzen nach dem starken Rückgang in Q2.

400 Mio. Euro verpasster Umsatz in Q1

Der monatelange Lockdown in Vietnam und die damit verbundenen Lieferverzögerungen schmerzen nicht nur Händler, sondern schlagen auch in der Adidas-Bilanz weiter negativ zu Buche. Rorsted und Ohlmeyer beziffern den dadurch entgangenen Umsatz allein für das erste Quartal mit 400 Mio. Euro.

45 chinesische Städte im Lockdown

Die Situation in China hat sich seit März fundamental verändert. Das entgegnet Rorsted auf die Frage, warum er im März noch ein mittleres einstelliges Wachstum in China für 2022 in Aussicht gestellt hat. "Im März war der Lockdown in einer chinesischen Stadt gerade beendet worden. Stand heute sind 45 Städte von Lockdowns betroffen. Und auch in Städten, die gar nicht betroffen sind, sehen wir, dass die Frequenzen einbrechen und generell einen Rückgang der Verbraucherausgaben."

100 Mio. Euro mehr Umsatz mit Foot Locker

Die Ankündigung von Foot Locker, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu verringern, sorgte vor einigen Wochen für Aufsehen. Jetzt ist klar, wie der New Yorker Sneaker- und Lifestyle-Filialist die schrumpfenden Nike-Umsätze zumindest teilweise kompensieren will: Die Umsätze mit Adidas-Produkten sollen bis 2025 auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Das entspricht fast einer Verdreifachung im Vergleich zu 2021. Wie das? Foot Locker soll führender Partner für Adidas in der Kategorie Basketball werden, die Einführung von sogenannten Energy- und Hype-Produkten beschleunigen und wichtige Produkt-Franchises in den Bereichen Damen, Kinder und Apparel erhalten.
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Neue strategische Zusammenarbeit

Adidas und Foot Locker werden enge Partner

Die Ankündigung von Foot Locker, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu verringern, sorgte vor einigen Wochen für Aufsehen. Jetzt ist klar, wie der New Yorker Sneaker- und Lifestyle-Filialist die schrumpfenden Nike-Umsätze zumindest teilweise kompensieren will: Die Umsätze mit Adidas-Produkten sollen bis 2025 auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Das entspricht fast einer Verdreifachung im Vergleich zu 2021.

Adidas erwartet durch diese neue Form der Zusammenarbeit schon im laufenden Jahr einen zusätzlichen Umsatz von bis zu 100 Mio. Euro. Die strategische Partnerschaft ist auf drei Jahre angelegt und umfasst alle Foot Locker-Formate in Nordamerika, EMEA und Asien-Pazifik.

200 Mio. Euro Belastung in Q2

Adidas will im zweiten Quartal wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren − trotz des anhaltenden Rückgangs in China und der Lieferkettenengpässe, die die Entwicklung voraussichtlich mit rund 200 Mio. Euro belasten werden. Das Unternehmen geht davon aus, dass im weiteren Jahresverlauf eine erneute Disruption der Lieferkette ausbleibt. "Ab dem dritten Quartal wird es keine Einschränkungen mehr bei den Lieferungen geben", prognostiziert Rorsted.

20 neue Halo-Stores

Der jüngste Neu-Zugang in der Halo-Store-Flotte eröffnete gerade in Tokio. 2022 sollen insgesamt 20 dieser Flagship-Stores dazukommen. Die Gesamtzahl der Stores blieb nahezu unverändert. 33 Eröffnungen im Quartal standen 42 Schließungen entgegen. Damit beläuft sich die Zahl der Adidas-Stores (Concept Stores, Concession Corners und Factory Outlets) auf 2176. Adidas macht im eigenen Retail einen Gesamtumsatz von 1,91 Mrd. Euro. Das sind 5% mehr als im Vorjahr, währungsbereinigt plus 1%.

2% E-Com-Plus

Für den E-Com gibt Adidas nur diesen einen Wert raus: währungsbereinigt plus 2%. Im Vergleich zu 2020 liegt es bei 50%. Vor allem in Nordamerika habe der E-Com deutlich gewonnen. Noch eine Zahl gibt es: Der Anteil der Produkte, die online zum vollen Preis verkauft wurden, sei um 11 Prozentpunkte gestiegen.

0% Margen-Entwicklung

Umsatz- und Ergebnis-Prognose schraubt Adidas nicht herunter, erwartet allerdings eine schlechtere Margen-Entwicklung als zuvor kommuniziert. Deutlich höhere Beschaffungs-Kosten werden für das ganze Jahr erwartet. Weiter rückläufige Umsätze in China im zweiten Quartal und eine allmähliche Stabilisierung im zweiten Halbjahr sind Gründe dafür, dass der Konzern jetzt mit einer Bruttomarge in etwa auf dem Vorjahresniveau (50,7%) rechnet (bisherige Prognose: zwischen 51,5% und 52%). Dabei haben Preiserhöhungen schon im ersten Quartal einen positiven Beitrag zur Bruttomarge beigetragen. Bislang wurden diese allerdings nur selektiv und nur im D2C-Geschäft umgesetzt. Im zweiten Halbjahr werden sie auf breiter Front kommen, und zwar im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Auch für die operative Marge wird für 2022 jetzt ungefähr der Vorjahreswert in Höhe von 9,4% prognostiziert (bisherige Prognose: zwischen 10,5% und 11,0%).
Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick

Umsatz: 5,302 Mrd. (plus 1%)

Nach Regionen:

Nordamerika: 1,402 Mrd. Euro (plus 21%)

EMEA: 1,935 Mrd. Euro (plus 9%)

Lateinamerika: 0,419 Mrd. Euro (plus 41%)       

China: 1,004 Mrd. Euro (minus 28%)

Asien-Pazifik: 0,506 Mrd. Euro (minus 16%)


D2C-Umsatz: 1,905 Mrd. Euro (plus5%)

Anzahl der eigenen Geschäfte: 2176

E-Com-Entwicklung: plus 2% (währungsbereinigt)

Bruttomarge: 49,9% (minus 1,9 Prozentpunkte)

Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen: 310 Mio. Euro (minus 38%)

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