TW Sports
Interview mit Globetrotter-Einkaufschefin Chantal Caron

„Der Anspruch an das Design ist gestiegen”

Globetrotter
Chantal Caron, Einkaufschefin Globetrotter
Chantal Caron, Einkaufschefin Globetrotter

„Warum sollte die Kundin ihre Arc’teryx-Jacke nicht in der Stadt tragen? Denn die Marke zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass sie eine eigene Handschrift und ein gutes Gespür für Design hat.“ Chantal Caron ist Einkaufschefin bei Globetrotter und bestätigt vielen ihrer Lieferanten, dass diese auf die gestiegenen Ansprüche der Kunden reagieren. Im Interview mit der TW spricht sie über die Vielseitigkeit der Produkte, das Jacken-Geschäft und Nachhaltigkeit.


TextilWirtschaft: Globetrotter hat ein spannendes Jahr hinter sich mit der Eröffnung fünf neuer Filialen – parallel zum Umbau von Logistik und IT. Wie ist es gelaufen?
Chantal Caron: Das war tatsächlich herausfordernd, aber wir sind mit dem Status quo zufrieden.

Globetrotter positioniert sich klar als Outdoor-Spezialist. Das Feld Everyday Outdoor besetzen Sie dennoch. Ein Widerspruch?
Nein, das ist sogar eine wichtige Säule, und zwar aus Kundensicht. Denn der möchte Outdoor-Bekleidung auch in seinen Alltag integrieren. Der Anspruch an das Design ist gestiegen, bezogen auf Schnitte, auf Farben. Darauf reagieren die Marken und die Vielseitigkeit ihrer Produkte steigt. Warum auch sollte die Kundin ihre Arc’teryx-Jacke nicht in der Stadt tragen? Denn die Marke zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass sie eine eigene Handschrift und ein gutes Gespür für Design hat. Fjällräven ist auch ein gutes Beispiel. Die Marke bietet klare, ikonische Produkte, mit denen sie eine breite, Fashion-affine Zielgruppe anspricht – ohne dabei an Authentizität zu verlieren.

Was zeichnet erfolgreiche Marken aus?
Je klarer der USP einer Brand, desto besser funktioniert sie bei uns. Das sind große Brands wie Patagonia und The North Face, aber auch eine kleine, feine Marke wie Mountain Equipment, die Outerwear bieten,  die höchsten technischen Ansprüchen genügt. Ortovox ist da auch ein gutes Beispiel mit der Spezialisierung auf Merino-Produkte. Ein klarer USP ist also keine Frage von Größe oder Markenbekanntheit.

Wie ist das Jacken-Geschäft bei Ihnen angelaufen? Sie versuchen seit einigen Saisons, sich insgesamt unabhängiger von diesem volatilen Thema zu machen.
Ja, das stimmt, dennoch wird die Jacke auch in Zukunft das Produkt mit den höchsten Umsatzanteilen bleiben. Und es ist nach wie vor das Produkt, über das sich auch die Anbieter profilieren. Diese Saison sind wir sehr gut damit gestartet. Setzen aber auch da immer den Fokus auf Funktion, wir würden keine Fashion-Jacken kaufen.

Globetrotter vergibt ein eigenes Nachhaltigkeits-Siegel, die Grünere Wahl. Warum?
Viele Kunden sind überfordert mit der Vielzahl an Optionen, mit denen Hersteller ihre Produkte als nachhaltig kennzeichnen können. Wir wollen ihnen Führung und Beratung geben, indem wir ihnen sagen, welches Produkt im Vergleich zu ähnlichen Alternativen die grünere Wahl ist. Wir sagen damit weder, dass dieses eine Produkt maximal nachhaltig ist, noch, dass die anderen Alternativen nicht grün sein können.

Wie angreifbar macht sich ein Händler mit so einem Siegel?
Wir nehmen dieses Thema sehr ernst. Wir fragen bei den Lieferanten anspruchsvolle Kriterien ab, nicht nur „grüne“, sondern auch soziale. Der Hinweis eines Herstellers auf ein Siegel reicht uns nicht, wir validieren auch, ob eine Kennzeichnung zu Recht vergeben wurde.

Das klingt sehr aufwändig.
Das ist es auch. Wir machen das bei Globetrotter aber nicht alleine, sondern erarbeiten die Liste mit den Kriterien mit allen Retail-Töchtern der Fenix-Gruppe gemeinsam. Diese Liste ist ein „lebendes Produkt“, sie wird permanent angepasst und verschärft. Das ist auch notwendig, denn unsere Kunden wollen sehr genau wissen, warum wir das eine Produkt für nachhaltiger als das andere halten.

Wie viel Prozent Ihres Angebots tragen das Siegel?
Dieser Anteil liegt heute bei schätzungsweise 12 bis 14%. Das werden noch mehr, diese Prüfung ist, wie gesagt, sehr aufwändig. Wahrscheinlich würden heute etwa 20% unseres Sortiments das Siegel verdienen. Viel größer soll der Anteil aber auch gar nicht werden, dann werden wir eher die Anforderungen noch weiter verschärfen. Denn es geht auch darum, die Industrie immer weiter anzuspornen.

Was erwarten Sie von den Lieferanten zur kommenden Orderrunde in punkto Nachhaltigkeit?
Ich bin sehr gespannt, was das Thema PFC-freie Membrane angeht. Da sind viele dran. Für nicht ganz so ambitionierte Kunden, die keine 100% wasserdichten Produkte brauchen, gibt es ja schon einiges an Alternativen. Ich erwarte aber auch viel Innovation bei Naturmaterialien, etwa Merinowolle. Da gibt es immer wieder neue innovative Produkte, mal als Lage, mal als Isolation. Darüber machen sich viele Unternehmen Gedanken, da man das einfach lieber auf der Haut trägt und viele Kunden sensibilisiert auf das Thema Plastik in Textilien reagieren. Spannend wird das Thema funktionale Wolle als äußere Schicht im Jackenbereich. Generell muss die Branche als Ganzes den Anteil an Plastik verringern.

stats