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Erfolgreiche Börsenpremiere des Schweizer Running-Spezialisten On

"Eine fantastische Marketing-Chance"

On
"Der Durchschnittsamerikaner kennt On noch nicht. Das ändert sich jetzt", sagt Caspar Coppetti. 2010 gründete er On gemeinsam mit Olivier Bernhard und David Allemann. Gemeinsam mit Martin Hoffmann und Marc Maurer leiten die Gründer das Unternehmen heute noch.
"Der Durchschnittsamerikaner kennt On noch nicht. Das ändert sich jetzt", sagt Caspar Coppetti. 2010 gründete er On gemeinsam mit Olivier Bernhard und David Allemann. Gemeinsam mit Martin Hoffmann und Marc Maurer leiten die Gründer das Unternehmen heute noch.

Nur wenige Stunden nach dem Läuten der Glocke haben wir Gelegenheit, mit On-Co-Founder Caspar Coppetti über den Gang an die Börse zu sprechen. Nachdem der Kurs bei einem Ausgabepreis von 24 US-Dollar seither bereits auf 37,95 Dollar hochgeschossen war, hat er sich mittlerweile bei 35 Dollar eingependelt. Was haben Coppetti und seine Mitstreiter mit den eingesammelten Millionen vor?

TextilWirtschaft: Wie sieht Ihre Bilanz am Nachmittag Ihres ersten Börsentags aus? Sie sehen zufrieden aus.
Caspar Coppetti: Es ist sehr viel los heute, viel Medienrummel. Das ist natürlich eine fantastische Marketing-Chance für unsere Marke, gerade in den USA. Der Durchschnittsamerikaner kennt On noch nicht. Das ändert sich jetzt.


Es ist nicht das erste Mal, dass Sie Kapital aufnehmen, um Ihr Wachstum zu finanzieren. Bislang haben Sie darüber nur nicht so gerne geredet. Was war sonst noch anders beim Börsengang?
So anders waren die Gespräche mit den Investoren tatsächlich nicht. Es ist allerdings sehr ermutigend zu sehen, wie diese Investoren – und wir haben hier wirklich die besten der Welt, deswegen sind wir auch in New York – auf unsere Industrie schauen. Running, Outdoor und Lifestyle sind einfach gigantisch groß, der Markt hat wahnsinnig Rückenwind. Weil die Menschen mehr Sport machen, aber auch, weil die Mode sportlicher wird. Großes Stichwort Casualisierung, vor allem nach der Pandemie. Das sind die Megatrends, die da reinspielen. Wir sind da aus Sicht der Investoren eine der am besten aufgestellten Marken. Das freut uns natürlich.

Jetzt ist On nach dem Sportdaten-Unternehmen Sportradar die zweite Schweizer Firma, die in dieser Woche den Gang an die Börse wagt – beide in New York, nicht in Zürich. Ihre Landsleute nehmen Ihnen das übel. Warum war es Ihnen das wert?
Nordamerika stellt mit 49% den größten Markt für On dar – und gleichzeitig  haben wir hier in den USA noch so viel Potenzial. Außerdem sind in New York ganz viele Sportmarken und Wachstumsunternehmen. Hier finden wir Investoren, die einen geübten Blick auf diese beiden Themen haben.

Sie haben nach einer zweimaligen Erhöhung des Ausgabepreises ein paar Millionen mehr eingesammelt als ursprünglich avisiert. Wohin fließt das Geld jetzt? Was ist Ihr erstes Nach-IPO-Projekt?
Erstmal fließt es aufs Bankkonto (lacht). Es ist immer gut, eine Kriegskasse zu haben. Aber wir wachsen einfach sehr stark. Und obwohl wir profitabel arbeiten, brauchen wir immer wieder frisches Arbeitskapital. Und dann, ein bisschen in die Zukunft gedacht, gerade im Innovationsbereich treffen wir zum Beispiel viele Spin-offs von Universitäten, die Geld brauchen, um ihre Ideen marktfähig zu machen. Und da haben wir jetzt Möglichkeiten zu investieren, auch in Forschung, in Teams. Das Schöne an der Börse ist ja, du kannst immer wieder zurückgehen und mehr holen, wenn du mehr brauchst. Das ist ja schon mal nicht schlecht.

Nicht schlecht ist natürlich auch, dass auch auf die Privatkonten der Chefs in Summe mehr als 100 Millionen Dollar fließen. Was machen Sie mit dem Geld?
Wir müssen Steuern zahlen und haben jetzt alle fünf im Prinzip so viele Aktien verkauft, dass wir unsere Steuerlast tragen können.

Offenbar stören sich die Investoren nicht daran, dass sie bei On auch künftig nichts zu sagen haben.
Einer der Gründe, wieso wir in New York sind. In den USA sind Investoren gewöhnt, dass Gründer ein Business aktiv weiter betreiben. Google hat es vorgemacht.

Ein Thema wird das allerdings spätestens dann, wenn sich die Chefs streiten. Was dann?
Da haben wir natürlich vorgesorgt. Zunächst einmal sind unsere Stimmrechte daran gebunden, dass wir aktiv im Unternehmen sind. In Europa hält ja häufig die zweite oder dritte Generation die Stimmrechte, das wird bei uns nicht der Fall sein. Wenn wir in Rente gehen, dann geben wir die Stimmrechte ab.

Getrübt wird die Freude über den geglückten Börsengang allerdings von massiven Beschaffungssorgen. 100% ihrer Schuhe, so heißt es im Börsenprospekt, kommen aus Vietnam. Dort geht kaum noch etwas. Wann werden On-Schuhe knapp?
Es ist ja kein kompletter Stillstand, etwa ein Drittel der Produktion lief weiter. Außerdem haben wir mit bestehenden Partnern außerhalb Vietnams Kapazitäten aufbauen können. Dazu kommt, dass wir in der Pandemie Kapazitäten hochgefahren hatten und damit gute Verfügbarkeiten. Wir gehen heute davon aus, dass Ende September alle unsere Fabriken wieder geöffnet sein werden. 2021 hat On kein Problem zu liefern, wir werden unsere Ziele zu 100% erreichen und auch das Weihnachtsgeschäft voll mitnehmen. Weniger Angebot als geplant werden wir im ersten Quartal 2022 haben. Aber das ist für eine Premiummarke vielleicht auch gar nicht schlecht, wenn es mal weniger Angebot als Nachfrage gibt.

Das ganze Interview mit Caspar Coppetti lesen Sie in der nächsten Ausgabe der TextilWirtschaft, die am 23. September erscheint.

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