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Nach erfolgreicher Jahresbilanz

Die Agenda von Puma-CEO Bjørn Gulden


Puma
Bjørn Gulden hat Puma zu einem weiteren Rekordjahr geführt. In den vergangenen fünf Jahren ist Puma im Schnitt jedes Jahr um 15% gewachsen.
Bjørn Gulden hat Puma zu einem weiteren Rekordjahr geführt. In den vergangenen fünf Jahren ist Puma im Schnitt jedes Jahr um 15% gewachsen.

Es war ein sichtlich gut gelaunter CEO, der am Mittwochfrüh vor die Presse trat, um die Puma-Zahlen für das vergangene Jahr zu präsentieren. Und das lag nicht nur an den beiden Toren, mit denen Dortmunds Shooting-Star Erling Haaland am Vorabend seine Mannschaft zum Sieg gegen Paris Saint Germain geschossen hatte.

Wenngleich dieses Ergebnis den Puma-Chef und früheren Fußball-Profi Bjørn Gulden doppelt freute, schließlich hatte der Norweger keinen unwesentlichen Anteil an Haalands Verpflichtung durch den Puma-Club Borussia Dortmund. Grund zur Freude bereitet Gulden auch der Blick in die Bücher: 2019 war ein weiteres Rekordjahr für Puma. Deutliches Wachstum beim Umsatz und beim Ergebnis, und das über alle Regionen und Produktkategorien hinweg.

Die Katze hat Momentum. Und so sieht Gulden auch keine Notwendigkeit, an seinen strategischen Prioritäten zu rütteln. Die stehen fest: Markenbegehrlichkeit erzeugen. Eine wettbewerbsfähige Produktpalette schaffen – auch für Frauen. Vertriebsqualität verbessern. Organisation vereinfachen und eine wettbewerbsfähige Infrastruktur aufbauen. Und nicht zuletzt: Die Position in Nordamerika durch den Wiedereinstieg in den Basketball stärken.

„Diese Prioritäten werden sich nicht ändern, solange ich hier bin.“ Doch sie werden ergänzt um zwei neue Schwerpunkte auf Guldens Agenda: Nachhaltigkeit kommunizieren und einen stärkeren Fokus auf lokale Relevanz legen.

Produkt-Portfolio: Mit diesen Styles will Puma weiteres Wachstum befeuern

1. Nachhaltigkeit kommunizieren

Das Thema Nachhaltigkeit habe in den vergangenen Jahren nicht so im Fokus gestanden. Das nimmt Gulden auf seine Kappe, „shame on me“. Doch er betont: „Wir tun wirklich eine Menge. Wir haben nur noch nicht laut genug darüber gesprochen.“ Das soll sich nun ändern. Zum Beispiel mit dem Projekt First Mile.

First Mile sammelt weggeworfene Plastikflaschen u.a. in Haiti.
Puma/First Mile
First Mile sammelt weggeworfene Plastikflaschen u.a. in Haiti.

Dieses Unternehmen beschäftigt mehrere Tausend Mitarbeiter in Haiti, Honduras und Taiwan, die Plastikflaschen einsammeln. Das daraus produzierte Garn setzt Puma nun in einer Sportswear-Kollektion ein. Auch über bereits Erreichtes soll künftig mehr geredet werden. Zum Beispiel darüber, dass schon heute 97% des eingesetzten Polyesters Bluesign-zertifiziert sind. Und über den Sustainable Cotton-Anteil von 80% (BCI).

2. Verstärkte lokale Relevanz

Ein Beispiel: Schon mal von Virat Kohli gehört? Der Kapitän des indischen Cricket-Teams hat 50 Mio. Follower allein auf Instagram - und damit mehr als jeder andere indische Mega-Star. Und mehr als jeder andere Puma-Athlet.
Cricket-Spieler und Social Media-Star: Virat Kohli
Puma
Cricket-Spieler und Social Media-Star: Virat Kohli
Damit ist er ein wichtiger Markenbotschafter, um die globale Markenstrategie lokal zu kommerzialisieren. Aus dem gleichen Grund ist Puma auch in „nur“ lokal relevanten Sportarten wie Netball (in Neuseeland und Australien), Rugby (in Südafrika) und eben Cricket vertreten.

3. Basketball weiter ausbauen

Vor anderthalb Jahren ist Puma wieder in das Basketball-Business eingestiegen, vor allem um in Nordamerika voranzukommen. Dabei gehe es längst nicht nur um den Verkauf von Performance-Produkten, sondern um „Relevanz abseits des Courts“, wie Gulden betont.
Mit dem Musiker J.Cole hat Puma einen neuen Botschafter, der für die Verbindung von Sport, Musik und Lifestyle steht.
Puma
Mit dem Musiker J.Cole hat Puma einen neuen Botschafter, der für die Verbindung von Sport, Musik und Lifestyle steht.

Im ersten Schritt sei es mit dem extrem auffälligen Modell Clyde Court Disrupt um Sichtbarkeit gegangen, das gelte es nun zu kommerzialisieren. Und schon 2019 war der Basketballschuh Ralph Sampson einer der erfolgreichsten Styles für Puma. „Vor vier Jahren hätte den keiner gekauft“, so Gulden. „Aber jetzt verstehen die Kids die Story, die dahintersteht.“ Markenbegehrlichkeit erzeugen, dann die Produkte dazu liefern – das Rezept sei immer das gleiche.

4. Fokus auf Fußball

Fußball steht im EM-Jahr 2020 natürlich weiter im Fokus – auch wenn Teamsport als einzige Business-Unit im vergangenen Jahr kein Wachstum erzielte. Was den möglichen Ausschluss von Manchester City aus der Champions League angeht, gibt sich Gulden optimistisch.
50 Mio. Pfund soll sich Puma die Partnerschaft mit Manchester City kosten lassen.
Puma
50 Mio. Pfund soll sich Puma die Partnerschaft mit Manchester City kosten lassen.
„Wir sind sehr glücklich mit unserer Zusammenarbeit. Und ich bin sicher, sie werden weiterhin Champions League spielen.“ Weitere Neu-Zugänge im Jahr 2019 waren der spanische Spitzenclub Valencia CF sowie die Nationalmannschaften von Ägypten und Marokko.

5. Engagement im E-Sport

„E-Sports wird in Zukunft ein wichtiges Feld“, ist Gulden überzeugt. Als Beleg für die Relevanz führt er unter anderem die rasant wachsenden Software-Umsätze der Gaming-Industrie an, die bis 2023 einen Wert von 150 Mrd. Dollar erreichen sollen.
Mit dem E-Sports-Partner Cloud9 hat Puma eine Kollektion auf den Markt gebracht.
Puma
Mit dem E-Sports-Partner Cloud9 hat Puma eine Kollektion auf den Markt gebracht.
Puma ist in diesem Feld bereits unter anderem als Sponsor von E-Sports-Teams tätig. „Das ist heute noch kein großes kommerzielles Thema. Aber wir beginnen, gemeinsam mit den Teams Programme zu bauen, die es werden können.“ Über die „Gaming-Socke“ für 90 Euro, die Puma vor kurzem auf den Markt gebracht hat, hätten viele gelacht. Aber: „Sie ist ausverkauft. Der Bedarf ist also da.“

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