Wenn sich an der Liebe zum Detail der Zeitaufwand für das ganze Projekt ablesen lässt, dann müssen Volker Mohr und Jürgen Steeneck schlaflose anderthalb Jahre hinter sich haben. Ihr Projekt: Sie haben den Sport ins Haupthaus von Mohr in Dollern geholt. Und dabei über jeden Bodenbelag und Warenträger, über jede Rückwand und Schriftart gebrütet, Prototypen entwickelt und Entwürfe verworfen, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden waren. Am 1. August zog der Sport bei Mohr ein.

Bisher betrieb das Unternehmen ein separates Sporthaus gegenüber. Mit dem Umzug hat sich die Fläche, die mit Sport bespielt wird, verdoppelt. Wer Dollern nicht kennt, weil er von Mohr noch nie gehört hat, könnte die beiden für übergeschnappt halten: eine komplett neue, moderne 2000m² große Sportwelt in einem 2000-Seelen-Ort am Rande vom Alten Land, zwischen Stade und Buxtehude, nahe Hamburg. Ohne Autobahnanbindung, quasi auf der Grünen Wiese. Aber ohne Fachmarkt- oder Einkaufszentrum.





Wer aber Mohr und Dollern kennt, weiß, welche Zugkraft der Name Mohr in der Region hat. Beeindruckend sind allein die Dimensionen: 19.000m² Verkaufsfläche, 550 kostenfreie Parkplätze vor der Tür.

Doch Größe zählt in Zeiten grenzenloser Online-Sortimente kaum mehr. „Uns ist es nicht nur wichtig, dass sich unsere Kunden wohlfühlen, sondern dass sich der Weg aufgrund der sehr guten Beratungsleistung, der Sortimentskompetenz und der erlebnisorientierten Gestaltung zu uns immer lohnt”, sagt Volker Mohr, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Beke in dritter Generation leitet. „Das ist unsere Stärke. Und das zieht sich durch das ganze Haus.”

285 Mitarbeiter kümmern sich um die Kunden, sei es in den Mode-Abteilungen, im selbst betriebenen Restaurant, im vergrößerten Küchen-Studio, der Welt für den gesunden Schlaf oder in der Sport-Welt. „Das kann das Internet zurzeit nicht bieten. Und wenn in ein paar Jahren die Autobahn fertig ist, wird das unsere Attraktivität auch für die Menschen außerhalb unseres Landkreises steigern”, ist Mohr überzeugt. Das mag Zukunftsmusik sein, in der Region ist das Haus zweifellos ein Leuchtturm. Und mit dem jüngsten Umbau will Mohr auch beim Sport „das kompetenteste Angebot zwischen Hamburg und Cuxhaven bieten”, so Jürgen Steeneck, seit sieben Jahren Mitglied der Mohr-Geschäftsleitung.

„Wir haben schon in der Vergangenheit ein gutes Geschäft mit Sport gemacht. Und wir sehen da ganz klar noch weiteres Potenzial.“

Volker Mohr, Inhaber und Geschäftsführer

Gewonnen wurde die Fläche im Haupthaus durch die Auslagerung der Polstermöbel. Die gibt es nun im wenige Autominuten entfernten Mitnahmemarkt. Einige hundert Quadratmeter der frei gewordenen Fläche wurden dem Küchen-Studio zugeschlagen, der Rest dem Sport. Ins bisherige Sporthaus wiederum ziehen neue Mieter ein. Die Hälfte der Fläche wird künftig eine Filiale der Drogeriekette Budnikowsky belegen. Verhandlungen mit einem weiteren Partner laufen.

Warum der große Sport-Aufschlag mit einer Verdoppelung der Fläche? „Wir haben schon in der Vergangenheit ein gutes Geschäft mit Sport gemacht. Und wir sehen da ganz klar noch weiteres Potenzial”, so Mohr. Auch was das Thema Frequenz im Haupthaus angeht. „Wir haben alles in allem immer noch gute Frequenzen und vor allem eine sehr hohe Conversion Rate, aber wir müssen natürlich daran arbeiten, die Frequenz nicht nur zu halten, sondern zu steigern.” Dazu soll das neue Sportangebot seinen Teil beitragen. „Das gelingt uns, so die Erfahrung der ersten Wochen, ganz gut”, sagt Steeneck.

Bei allen Umbauten der vergangenen Jahre zog sich bei Mohr die individuelle Gestaltung der einzelnen Stilwelten durch: Die Menswear-Abteilung heißt hier Männersache(n), DOB-Premium wird in der Stilwelt Tausendschön präsentiert, Modern Woman in der Fabrik Himmelhoch, Große Größen im Kurvenreich. Diesem individuellen Ansatz wird auch in der neuen Sportwelt Rechnung getragen. Auch hier arbeitete das Unternehmen mit dem Stuttgarter Architekturbüro Messerschmid, den Ladenbauern von Ganter Interior, Waldkirch, und den Lichtplanern von D&L, Menden, zusammen.

Wer in die dritte Etage kommt, der wird empfangen von einer Welt, in der es eindeutig um Sport geht. Wenngleich die erste Kollektion, die am Eintrittsbereich präsentiert wird, gerade die Verschmelzung von Sport und Mode feiert: die neue Linie Calvin Klein Performance. Für das authentische Sport-Erlebnis sorgen riesige Screens, Rückwände mit einem großen Angebot an Running- und Fußballschuhen und eine ungewöhnliche Ball-Präsentation.

„Uns war es extrem wichtig, die einzelnen Welten zu emotionalisieren.“

Jürgen Steeneck, Geschäftsführer
Wer bei der Suche nach dem perfekten Schuh seinen Lauf analysieren lässt, macht das auf einer echten Tartanbahn. Das sind die Details, die den Unterschied machen. Der Kunstrasen in der Kinderabteilung, der Granit-Boden in der Outdoor-Welt, die Grotte für die Wanderschuhe. Holzverkleidete Wände und Luken in der Abteilung, die im Sommer die Bademode beherbergt, in Kürze den Wintersport. Blauer Noppenbelag mit Retro-Anmutung auf der Runningfläche, Estrich-Optik und Hafen-Container in der raueren Fitnesswelt. Rocky lässt grüßen.

„Uns war es extrem wichtig, die einzelnen Welten zu emotionalisieren. Der Kunde soll spüren, wo er sich gerade befindet”, betonen Mohr und Steeneck. Dafür nehmen die Macher weniger Flexibilität in Kauf. „Wenn man überall den gleichen Boden hat, kann man natürlich einfacher umräumen. Uns sind aber die authentische Atmosphäre in den Stilwelten und die Orientierung, die wir dem Kunden so bieten, wichtiger.“ Sehr flexibel sind hingegen die Präsenter, die sich etwa mit ihrer Netzstruktur an den Modulen orientieren, die die Intersport für ihre Mitglieder entwickelt hat. Denn so individuell der Ladenbau auch ist, für Mohr als „Vollblut-Intersport-Mitglied“ spielt natürlich auch die Wahrung der Intersport-CI eine Rolle.


Doch nur der Sport macht aus einer Sportabteilung eine Sportwelt. „Wir sind eine Plattform für die regionalen Sportvereine“, so Steeneck. Nach und nach kommen die ins Haus und präsentieren sich und ihre Sportart. Der Karate-Kobudo-Verein stellt vor, was er eigentlich macht. Beim Event des örtlichen Box-Clubs gibt es nicht nur einen Showkampf, sondern auch eine Einweisung ins richtige Bandagieren. Vor allem aber können sich die Kids hier mit den Großen messen: beim Dosenwerfen mit den Handballern vom VFL Fredenbeck, beim Körbewerfen mit Basketballern, beim Kicken gegen Fußballer, gegen die eigenen Eltern oder einfach nur beim Wettrennen gegeneinander. Hauptsache Sport.
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