Schließen
The Spin
What you need to know in global fashion. Sign up now!
 
TW Sports
Exklusiv-Interview zu Decathlons Expansions-Strategie

„Potenzial für 150 Filialen in Deutschland”


Decathlon
Ludger Niemann, Sprecher Unternehmensentwicklung bei Decathlon in Deutschland: „Wenn man mal nach Frankreich schaut, sieht man ja, welches Potenzial es noch geben kann.”
Ludger Niemann, Sprecher Unternehmensentwicklung bei Decathlon in Deutschland: „Wenn man mal nach Frankreich schaut, sieht man ja, welches Potenzial es noch geben kann.”

Decathlons Eröffnungs-Marathon geht weiter: Der französische Sportartikel-Filialist eröffnet dieses Jahr noch acht weitere Filialen, abgesehen von Mülheim-Kärlich alle in Einkaufszentren. In Berlin eröffnet Decathlon in den Gropius-Passagen (4. Oktober) und im Gesundbrunnen-Center (November), in Bad Oeynhausen im Werre-Park (10. Oktober), in Neuss im Rheinpark-Center (24. Oktober). Außerdem sind noch für dieses Jahr Eröffnungen im Plaza Center in Kiel, im Waterfront in Bremen sowie im K3-Center in Heilbronn fixiert.


Ludger Niemann, Sprecher Unternehmensentwicklung, erklärt, warum das kein Strategiewechsel ist und wie viel Potenzial er noch für den deutschen Markt sieht.


TW:
Decathlon eröffnet dieses Jahr in Deutschland erstaunlich viele Filialen in Einkaufszentren. Strategiewechsel oder Zufall?

Ludger Niemann: Dass das in diesem Jahr so geballt ist, ist tatsächlich Zufall. Und es wird in absehbarer Zeit wieder weniger werden. Denn nachdem wir jetzt einige Testballons haben steigen lassen, stellen wir fest: Unsere Läden in Einkaufszentren sind nicht so erfolgreich. Das gilt auch für Innenstadt-Lagen. Die Flächen sind zu klein, wir haben keine Außenfläche und die Läden sind schlecht mit dem Auto erreichbar. Das sind Kompromisslagen, die uns immer Umsatz kosten. Wir bleiben also unserer Kernstrategie treu, in Fachmarktlagen zu eröffnen.


In Kiel haben Sie sich mit der Stadt darauf geeinigt, zusätzlich eine kleine Filiale in der Innenstadt zu eröffnen, um außerhalb ins Plaza Center ziehen zu dürfen. Wie ist der Status quo, was den Standort Kiel angeht?
Der Mietvertrag für das Plaza Center ist unterschrieben, der Vertrag für die kleine Fläche in der Holstenstraße steht kurz vor der Unterschrift.


Ist das ein Zukunftsmodell?
Nein. Die Innenstadt-Filiale in Kiel wird nach menschlichem Ermessen nicht lebensfähig sein, wir werden die finanzieren müssen. Wir leben von Konzepten, die 2, 3, 4% Rendite bringen. So einen Klotz am Bein, der uns vielleicht 100.000 Euro kosten kann, können wir uns eigentlich nicht leisten. Wir denken, dass sich diese kleinen Filialen nur an den Top 10-Standorten in Deutschland rechnen können.


Warum machen Sie es dann?
Wir sehen sonst keine Möglichkeit, kurzfristig an diesem Standort vertreten zu sein. Kiel ist attraktiv, mit vielen Touristen und einem relativ großen Einzugsgebiet.


Wie viele Decathlon-Läden planen Sie für dieses und nächstes Jahr?
2019 haben wir bisher sieben eröffnet, etwa genauso viele kommen noch. Nächstes Jahr planen wir etwa zehn Filialen.

Wie entwickeln sich die Online-Umsätze? Zuletzt veröffentlicht wurde ein Online-Umsatz von 66,1 Mio. Euro für 2017.
Das ist mittlerweile deutlich mehr. Auch online verzeichnen wir zweistellige Wachstumsraten. Wir stellen aber fest, dass unsere Kunden lieber in den Laden gehen, wenn sie dazu die Möglichkeit haben. Wir ziehen mit neuen Läden nachweislich Umsätze aus dem Netz in die Filialen. Anders formuliert: Wo wir bekannt sind, sind wir online stark – aber stationär noch stärker.


Für wie viele Decathlon-Filialen sehen Sie in Deutschland Potenzial?
130 sind konkret geplant, das können auch 150 werden. Wir werden auch in Zukunft keine Läden in 20.000-Einwohner-Gemeinden eröffnen. Aber wenn man mal nach Frankreich schaut, sieht man ja, welches Potenzial es noch geben kann.


Ist denn Decathlons Heimatmarkt wirklich so ein gutes Beispiel? Schließlich stößt das Unternehmen dort gerade an seine Grenzen, was weiteres Wachstum angeht.
Damit hat jeder Marktführer früher oder später zu kämpfen. Dennoch: Decathlon ist in Frankreich mit über 300 Läden vertreten, macht mehr als drei Milliarden Euro Umsatz. Und das in einem Land, das 20 Millionen Einwohner weniger hat als Deutschland.
stats