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Fanatics-Manager Joachim Hilke über den Deal mit Paris Saint Germain

"Wir werden die Online-Umsätze verdreifachen"

Fanatics
Der frühere HSV-Manager Joachim Hilke soll das internationale Fanatics-Geschäft aufbauen.
Der frühere HSV-Manager Joachim Hilke soll das internationale Fanatics-Geschäft aufbauen.

Fanatics kommt in Europa voran: Der amerikanische Lizenz-Gigant hat einen Zehnjahres-Vertrag mit dem Fußball-Klub Paris Saint Germain (PDG) abgeschlossen. Der Deal soll das Merchandising-Geschäft der Franzosen zu einem der größten der Welt machen. Fanatics-Manager Joachim Hilke spricht im TW-Interview über Marken, Merchandising und Mega-Deals. 

PSG wiederum will durch die weitere Professionalisierung des Merchandising-Geschäfts eine noch viel stärkere globale Marke werden - die Vorzeichen stehen gut. Schon heute ist der Pariser Klub wohl der Fußball-Verein, dem das am besten gelungen ist. Spätestens seit der Zusammenarbeit mit der Nike-Brand Jordan sind Trikot & Co der Pariser absolut straßentauglich.


TextilWirtschaft: Was haben Sie gedacht, als Sie gehört haben, dass Sport Münzinger schließt? Wer kann vom Geschäft mit Fußball-Fans überhaupt noch profitieren?
Joachim Hilke: Wenn so ein Traditionshaus schließt, ist das natürlich bedauerlich. Aber die Probleme, vor denen der Handel steht, betreffen ja nicht nur Münzinger. Das ist eine Entwicklung, die nicht erst jetzt in Gang gesetzt wurde, sondern allenfalls beschleunigt. Das Geschäft wollen die Marken - und die Vereine - zunehmend selbst machen.


Sie haben mit Paris Saint Germain jetzt einen Mega-Deal abschließen können. Was ist Ihr Part?
Fanatics übernimmt exklusiv das gesamte E-Com-Business für PSG und wird gleichzeitig zum Master-Lizenznehmer für das gesamtes Merchandising-Portfolio. Unsere Stärke ist das Online-Geschäft, und wir rollen unsere sehr erfolgreiche amerikanische Plattform jetzt international aus. Wir rechnen mit einer Verdreifachung der PSG Online-Umsätze innerhalb der nächsten drei Jahre.



Zu Lasten der Umsätze, die im stationären Retail mit PSG-Trikots gemacht werden.
Es wird einen Shift zum Online-Geschäft geben, ja.



Wie hat es PSG geschafft, zu einer globalen Lifestyle-Marke zu werden?
Ich erlebe PSG als einen Klub mit einem sehr klaren Markenverständnis, das weit über die reine Performance auf dem Platz hinausgeht. Der Klub arbeitet mit High End-Fashion-Designern zusammen, verbindet sich mit begehrten Marken – ob das im Einzelfall immer alles profitabel ist, vermag ich nicht zu sagen, aber es zahlt unfassbar auf die Marke ein.



Welche Rolle spielt die Stadt?
Eine ganz wichtige. Man braucht einen Standort mit internationaler Strahlkraft. Es braucht aber auch die Bereitschaft eines Klubs, aktiv an seiner Marke zu arbeiten. Dazu sind etwa Klubs in Deutschland bisher nur bedingt bereit. Vergleichen Sie mal das PSG-Logo heute mit früheren: Den Name Paris und den Eifelturm so prominent ins Logo aufzunehmen, war sicher eine sehr gute Entscheidung.



Welcher deutsche Klub hätte aus Ihrer Sicht ein solches Potenzial?
Ich sehe hier Hertha BSC. Wenn man hier dazu bereit ist, mit seiner Marke wirklich auch ein internationales Publikum anzusprechen und über lokale Ansprachen hinausgeht. Aber eine Marke aufzubauen, ist eine schwierige Aufgabe, die sehr konsequentes Handeln erfordert - gerade im Fußballumfeld, das permanent unter der Beobachtung unterschiedlichster Stakeholder steht.

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