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Frankfurter Laufshop-Inhaber trifft Amazon-Manager

„Auf Amazon verkaufen? Stand heute: Nein.“

Javorovic
Masken für die Kunden: Kurz nach der Wiedereröffnung des Frankfurter Laufshops nahm Jost Wiebelhaus am dritten Digital-Talk der Initiative Händler helfen Händlern teil.
Masken für die Kunden: Kurz nach der Wiedereröffnung des Frankfurter Laufshops nahm Jost Wiebelhaus am dritten Digital-Talk der Initiative Händler helfen Händlern teil.

In der dritten Auflage des Digital-Talks, den Marcus Diekmann als Kopf der Initiative Händler helfen Händlern organisiert hat, trafen zwei Welten aufeinander: Jost Wiebelhaus, Vollblut-Einzelhändler und fest in der Frankfurter Innenstadt und der hiesigen Running-Community verankert, und der langjährige Amazon Deutschland-Chef Ralf Kleber.

Die Gretchenfrage stellte Marcus Diekmann kurz vor Schluss: „Jost, wirst du auf Amazon verkaufen?“ Die klare Antwort von Jost Wiebelhaus, Inhaber des weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Frankfurter Laufshops: „Stand heute: nein.“

Die Argumente Klebers für einen Verkauf über den Marktplatz klingen schlüssig: „Warum sollte Jost Wiebelhaus seinen tollen Service nicht auch Kunden in Frankreich anbieten?“ Viele der deutschen Händler würden eine Präsenz auf dem Amazon-Marktplatz allein für den Export nutzen. 2018 lag allein der Auslandsumsatz der deutschen Partner bei 2,5 Mrd. Euro.


Für den Macher des Frankfurter Laufshops offenbar nicht überzeugend genug. „Wir sind ja gerade froh, dass wir viele Modelle führen können, die es nicht an jeder Ecke gibt.“ Wenn auch Amazon – Stand heute – keine Option ist für Wiebelhaus, sein Geschäftsmodell hat er in den vergangenen Wochen dennoch grundlegend hinterfragt. Denn bisher war Online für ihn überhaupt kein Thema.


Doch mit der Schließung des Ladens Mitte März sah die Welt dann doch anders aus. Einen Online-Shop gibt es zwar auch heute nicht, aber einen Sofort-Lieferservice per Kurier und vor allem eine Laufstilanalyse@home: Anhand eines kurzes Videos, auf dem man den Laufstil erkennen kann, sowie Fotos von der Fußform und einem der bisherigen Schuhe, die man per WhatsApp an das Team vom Laufshop schickt, gibt es eine telefonische Beratung und dann eine Empfehlung. „In der Regel haben wir dann auch nur ein Paar rausgeschickt.“ Mit extrem hoher Trefferquote: „Die Retourenquote liegt unter 10%.“ Dieses Erfolgsmodell will er nun weiterfahren. „Die Kunden werden das weiterhin nutzen wollen, so dass wir das auf jeden Fall parallel weiterlaufen lassen werden.“


Dieser Ansatz wiederum ist ganz im Sinne des Amazon-Managers Kleber: „Wann immer du mehrere Optionen für den Kunden hast: Erhalte die Vielfalt.“ Meistens sei die Frage gar nicht Entweder – Oder. Je mehr mögliche Touch Points zum Kunden, umso besser. „Du musst die Aufmerksamkeit des Kunden wecken. Und der ist nun mal die ganze Zeit am Smartphone. Also musst auch du da sein.“
Der schnelle Erfolg des neuen Laufshop-Services lag nicht zuletzt an den Social Media-Aktivitäten, die Wiebelhaus schon lange pflegt. Sein liebstes Medium? „Keine Frage: Instagram. Auf Facebook sind wir zwar schon sehr viel länger unterwegs, haben da auch super Live-Aktionen mit Promis wie Dieter Baumann und Achim Achilles gemacht. Aber Instagram ist einfach das interaktivste Medium.“

Materialien zur Wiederöffnung bekam Wiebelhaus von Sport2000. "Das haben die super gemacht."
Javorovic
Materialien zur Wiederöffnung bekam Wiebelhaus von Sport2000. "Das haben die super gemacht."

Die Wiedereröffnung am Montag war ein voller Erfolg für den rührigen Unternehmer: Er und sein Team hatten ab 10 Uhr gut zu tun. Maximal fünf Kunden dürfen nunmehr gleichzeitig in den 140m² großen Store. Die anderen müssen draußen warten. Und das tun sie auch. Die ersten standen schon vor Eröffnung Schlange. Erst am Wochenende hatte Wiebelhaus ein Tool zur Online-Terminvereinbarung auf seine Website gestellt. Und schon am Dienstag gab es für die ganze Woche keine freien Termine mehr.
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