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TW-Interview mit Globetrotter-COO Johannes Jurecka

"Online reißt es nicht raus"

Jan Brandes
"Wir haben das große Glück, Teil eines starken Konzerns zu sein, der in den vergangen Jahren sehr solide gewirtschaftet hat", so Globetrotter-COO Johannes Jurecka.
"Wir haben das große Glück, Teil eines starken Konzerns zu sein, der in den vergangen Jahren sehr solide gewirtschaftet hat", so Globetrotter-COO Johannes Jurecka.

Der Outdoor-Spezialist Globetrotter fährt die Filialen wieder hoch. Auch einige der großen Erlebnis-Häuser, allerdings abgespeckt auf 800m². COO Johannes Jurecka über die ersten Tage nach dem Lockdown und die Perspektive für die Zeit danach.

TextilWirtschaft: Wie organisieren Sie die Eröffnung Ihrer großen Häuser? Wie stellen Sie das Sortiment auf 800m² zusammen?
Johannes Jurecka:
Wir versuchen natürlich, die zum jetzigen Zeitpunkt wichtigen Warengruppen im Ansatz zu zeigen und für ein frisches, farbiges Bild auf der Fläche zu sorgen. Vor allem aber werden wir mit Springern arbeiten, die den Kunden die gewünschten Produkte von der Fläche holen können, das ist immerhin ein Vorteil, den wir in den großen Häusern haben. Und unsere Kunden wissen ja zum Teil schon sehr genau, was sie suchen.

Sind denn die ersten Tage nach dem Lockdown im Ansatz vergleichbar zum Vorjahr?
Nein, überhaupt nicht. Wir verkleinern ja nicht nur Flächen, wir haben auch angepasste Öffnungszeiten von 12 bis 18 Uhr. Die Frequenz lag in den ersten beiden Tagen bei minus 60 bis 80%, wobei man dabei natürlich auch noch die Osterverschiebung berücksichtigen muss. Positiv ist allerdings die wirklich sehr hohe Conversion-Rate von über 50%. Die Kunden, die kommen, kaufen. Und sie kaufen häufig sogar mehr als geplant – vielleicht auch im Hinblick darauf, dass aus der großen Urlaubsreise im Sommer wohl nichts werden wird.

Ist das Einhalten der Schutzmaßnahmen, vor allem der Abstandsregelungen, problematisch?
Überhaupt nicht. Die Kunden sind sehr entspannt und diszipliniert, da gibt es bisher keine Komplikationen. Es bilden sich auch keine Schlangen vor den Läden. In unserer kleinsten Filiale in Ulm mit gerade einmal 200m² mussten ein paar Kunden kurz vor der Tür warten, das war es aber auch schon. Unsere Mitarbeiter können wir mit Masken versorgen, die unsere Konzernschwester Hanwag herstellt. Und seit Mittwoch haben wir auch Masken in den Filialen, die wir unseren Kunden zur Verfügung stellen können.

Wie lief das Online-Geschäft in den vergangenen Wochen?
Das hat jetzt in den vergangenen drei, vier Wochen sehr deutlich angezogen, und wir liegen online weit über Vorjahr und weit über Plan. Aber bei einem Stationäranteil von 75% reißt es selbst ein dreistelliges Online-Plus nicht raus.

Und die großen Herausforderungen an die Liquidität kommen ja erst noch, spätestens mit der Order für nächstes Frühjahr…
Was den Herbst angeht, sind wir seit Wochen in Gesprächen mit der Industrie. Da machen wir gute Erfahrungen, da sind aber die Vereinbarungen von Lieferant zu Lieferant ganz unterschiedlich. Wir müssen jetzt aber vor allem schauen, wie wir die Saison retten können. Die Frühjahrsware haben wir komplett reingenommen, mit der müssen wir arbeiten. Da unterliegt natürlich jede Nachorder einer sehr strengen Kontrolle. Und was machen wir mit der Ware, die wir nicht verkaufen können? Kann man die einlagern für nächstes Frühjahr? Wie viel kann man überhaupt einlagern? Das wird die große Frage.

Einige Lieferanten wie Salewa, Ortovox und La Sportiva haben bereits angekündigt, für Frühjahr 21 keine neue Kollektion bzw. eine sehr konzentrierte anzubieten. Haben Sie da keine Angst vor fehlender Innovation für nächstes Jahr?
Die Branche darf sich nichts vormachen, der Innovationsgrad ist in den vergangenen Jahren sehr gering geworden. Wenn nun also die Kollektionen insgesamt kleiner werden und sich die Anbieter auf wirkliche Neuheiten konzentrieren können, kommt uns das sehr entgegen. Und wenn im Zuge dessen das blaue T-Shirt in diesem Jahr nicht reduziert werden muss, weil es im nächsten Jahr genauso wieder angeboten wird, dann würde uns das natürlich sehr helfen. Insofern ist dieser von einigen Lieferanten schon angekündigte Schritt ein richtiger für alle in der Branche. Aber wir müssen realistisch bleiben. Die große Unbekannte bei diesem Modell lautet: Wie viel wird dadurch tatsächlich verhindert?

Mit McTrek fiel der erste Outdoor-Filialist der Krise zum Opfer. Wie ernst ist die Lage bei Ihnen?
Wir haben das große Glück, Teil eines starken Konzerns zu sein, der in den vergangen Jahren sehr solide gewirtschaftet hat. Das bringt uns in die Situation, dass wir selbst Projekte, wie den Umzug und die Neukonzeption eines Globetrotter Erlebnisstores weiterverfolgen können.

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