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Gore will klimaneutral werden

"Wir kommen sehr gut voran"

Gore
Ross MacLaine ist Sustainability Leader der Gore Fabrics Division: "Wir handeln jetzt."
Ross MacLaine ist Sustainability Leader der Gore Fabrics Division: "Wir handeln jetzt."

Der Funktionsspezialist Gore hat einen ehrgeizigen Nachhaltigkeits-Fahrplan für seine Fabrics-Division vorgelegt. Ein zentrales Element der Strategie ist das wissenschaftlich fundierte Ziel, die absoluten CO2-Emissionen bis 2030 signifikant zu reduzieren und auf Klimaneutralität bis 2050 hinzuarbeiten. Das ist aber nicht das einzige Thema, das Ross MacLaine, Sustainability Team Leader der Gore Fabrics Division, umtreibt.

Gore definiere mit dem neuen Sustainability Framework den Begriff "Performance" für sich neu, erklärt MacLaine. "Der Fokus liegt dabei auf Innovationen, die vom Prinzip der Nachhaltigkeit inspiriert sind und einen gesellschaftlichen Nutzen schaffen. Zudem werden wir weiter hart daran arbeiten, die Auswirkungen unserer Aktivitäten und Produkte auf die Umwelt zu minimieren." 


TextilWirtschaft:
Gore will bis 2050 klimaneutral werden. Damit liegen Sie zwar auf einer Linie mit vielen politisch formulierten Klimaschutzzielen, aber dennoch: Reicht das?
Ross MacLaine: Zunächst einmal engagieren wir uns sehr, wenn es darum geht, unseren Teil zum Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 beizutragen. Aber natürlich haben wir Zwischenziele definiert. Bis 2030 soll ein wesentlicher Beitrag in der Senkung unseres CO2-Fußabdrucks geleistet sein.

Konkret?
Ross MacLaine: Bis 2030 werden wir unternehmensweit unsere eigenen, standortbezogenen CO2-Emissionen um 60% reduzieren. Ein Ziel, das für uns als Textilproduzent anspruchsvoller ist als für Bekleidungshersteller oder Händler. Zumal wir dabei von absoluter Reduzierung sprechen, egal ob wir als Unternehmen in der Zukunft wachsen. Bei diesem Gore-weiten Ziel geht es zunächst einmal um die Emissionen, die wir direkt beeinflussen können, also den CO2-Ausstoß unserer Fabriken, unserer Büros usw. Innerhalb der Gore Fabrics-Division haben wir ein weiteres Ziel, hier geht es um alle produktbezogenen Emissionen. Also auch solche, die zum Beispiel bei Herstellung von Materialien entstehen, die wir zukaufen, aber auch solche, die beim Transport anfallen oder auch bei der späteren Reparatur. Hier wollen wir weitere 35% der Emissionen reduzieren – auch bis 2030.

Hier sind Sie auf die Kooperation Ihrer Partner angewiesen.
Nicht nur. Wir können allein durch die Wahl der Textilien Einfluss nehmen, die wir für unsere Produkte verwenden, zum Beispiel durch den Einsatz von recycelten Produkten. Wir haben sehr intensiv daran geforscht, welchen Fußabdruck bestimmte Textilien haben - so hat Polyester etwa einen besseren Fußabdruck als Nylon und wir versuchen, wo möglich, Nylon durch Polyester zu ersetzen. Gleiches gilt für Strick - wir überlegen also, wie wir mehr und mehr Strick einsetzen können. Über diese Wahl können wir einiges bewirken. Unsere Partner und ihre Emissionen können wir natürlich nicht kontrollieren, aber wir erarbeiten gemeinschaftliche Lösungen und Verbesserungen beim Produktdesign.

Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen, es muss sofort etwas geschehen?
Wir handeln jetzt. Und wir überwachen unsere Fortschritte kontinuierlich. Wir kommunizieren sehr transparent, was unsere Ziele sind und wie wir dort hinkommen wollen.

Bremst Corona Sie beim Thema Nachhaltigkeit aus?
Wir könnten die Veränderungen und Partnerschaften, die wir schon vor vielen Jahren zur Verringerung der Umweltlasten angestoßen haben, gar nicht herunterfahren. Nachhaltigkeit hat nach wie vor Priorität. Und wir sehen auch nicht, dass das bei unseren Partnern anders wäre. Wenn sich etwas verändert hat, dann eher, dass sich unser Fokus darauf sogar noch verstärkt.

Sind die Verbraucher bereit, für Nachhaltigkeit mehr zu zahlen?
Was unsere Klimaschutzziele angeht, glaube ich gar nicht, dass sich unsere Produkte verteuern. Und inwiefern neue, noch nachhaltigere Materialen, die wir jetzt entwickeln, das Produkt im Laden letzten Endes verteuern werden, ist schwierig zu beurteilen. Preise setzen sich aus so vielen verschiedenen Faktoren zusammen…

Wenn wir über Nachhaltigkeit bei Gore-Tex sprechen, müssen wir dann nicht in erster Linie über Chemikalien sprechen, über Themen wie PFC?
Natürlich ist auch das Teil unserer holistischen Betrachtungsweise – so wie unsere CO2-Ziele und viele andere Initiativen. Da ist nicht eines wichtiger als das andere, wir betrachten das ganzheitlich. Und wir kommen bei der Eliminierung von ökologisch bedenklichen PFCs bis 2023 sehr gut voran. Wir werden schon sehr bald erste Produkte präsentieren können, die über den gesamten Lebenszyklus komplett frei von ökologisch bedenklichen PFCs sind. Und dies selbst in unserer technisch anspruchsvollsten Kategorie Gore-Tex Pro.

Würden Sie sagen, dass Gore-Tex eine „grüne“ Marke ist?
Nachhaltigkeit geht nach unserem Verständnis weit über das Wort „grün“ hinaus. Es geht darum, das Richtige für den Menschen und die Umwelt zu tun. Es geht um die optimale Kombination von Nachhaltigkeit und Performance für den jeweiligen Einsatzzweck. Was Kunden von Gore erwarten können, ist ein wissenschaftlich fundierter Blick auf Daten und Fakten und darauf basierte Schritte. Gore ist eine nachhaltige Lösung, auf jeden Fall.

Ist Nachhaltigkeit ein Innovationshemmnis?
Auf keinen Fall. Nachhaltigkeit setzt den Rahmen für Innovation.

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