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Integration in das Omnichannel-Angebot geplant

Was wird aus SportScheck?

Sportscheck

Das Gerücht kursierte schon lange, jetzt ist es Fakt: Die Otto Group verkauft den Sportfilialisten SportScheck an Galeria Karstadt Kaufhof. Mit dieser Übernahme will Galeria einen „extrem starken innerstädtischen Omnichannel-Händler formen“ und das erklärte Wachstumssegment Sport massiv verstärken.

Zu den aktuell 32 Karstadt Sports-Filialen, zwei Karstadt Sports-Outlets und den Sportabteilungen von Karstadt und Kaufhof kommen nun 17 SportScheck-Häuser hinzu, dazu das wachsende Online-Geschäft der bisherigen Otto-Gesellschaft. Laut Otto soll der Sporthändler, der seit 1991 zur Hamburger Gesellschaft gehört, „in das Omnichannel-Angebot von Galeria Karstadt Kaufhof integriert werden“.

Diese Formulierungen legen nahe, dass das Unternehmen auf Dauer nicht an zwei Markennamen festhalten wird. Und es ist eher unwahrscheinlich, dass der Name SportScheck verschwinden wird. Schließlich hat die Neuerwerbung den besseren Namen und deutlich mehr Omnichannel-Kompetenz als Karstadt Sports. Und genau die will Galeria Karstadt Kaufhof-CEO Fanderl im gesamten Konzern fördern.

Über wie viele Filialen dieser „innerstädtische Omnichannel-Händler“ dann letzten Endes verfügen wird, steht in den Sternen. Schon innerhalb des Warenhaus-Bereiches ist nach wie vor nicht klar, wie Galeria auf Dauer an Orten agieren will, an denen es sowohl Karstadt- als auch Kaufhof-Filialen gibt. Diese Frage stellt sich für die Sport-Sparte nun für Berlin, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart. Es wäre keine Überraschung, wenn schwächere Standorte mit Ablauf der Mietverträge geschlossen würden, um eine Dauer-Kannibalisierung zu verhindern. Das gilt allerdings nicht nur für die SportScheck-Standorte, an denen auch Karstadt Sports vertreten ist. SportScheck-Filialen gibt es außerdem in Aachen, Augsburg, Bielefeld, Leipzig, Magdeburg, Mönchengladbach und Nürnberg.


Die Bereinigung des Filialnetzes ist bei SportScheck ohnehin im Gange: Dieses Jahr wurde der Laden in Braunschweig geschlossen, vergangenes Jahr die Filiale in Reutlingen. Auf dem Prüfstand steht jede Filiale, wie SportScheck-Chef Markus Rech schon mehrfach betont hat. Das heißt allerdings nicht, dass an zukunftsträchtigen Standorten nicht investiert würde. Erst in diesem Jahr wurde die Filiale in Hamburg komplett umgebaut, 2018 der Laden in Köln. Und besonders diese beiden Läden entwickeln sich aktuell „sehr positiv“, sagt SportScheck-Einkaufschefin Anna Rusche.

Die Otto Group hatte in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, Off- und Onlinehandel bei SportScheck enger zu verzahnen und aus der Kundschaft eine große Community zu machen, einen Treffpunkt für das Erlebnis Sport. Das Ergebnis von SportScheck blieb jedoch über Jahre negativ. Was die Rückkehr in die Gewinnzone angeht, ist Markus Rech realistisch. Wie er dem Handelsblatt gegenüber erklärt, ist das mit organischem Wachstum nicht machbar, solange die laufenden Mietverträge und „Vereinbarungen für die Liefer-Infrastruktur“ bestehen. Deren Laufzeit liege im Schnitt bei vier Jahren.

Mehr Karstadt-Spirit für SportScheck?

Mit der SportScheck-Übernahme erwirbt die Warenhaus-Sparte von Signa vor allem SportSchecks Kundenreichweite und Markenbekanntheit, die in der Vergangenheit teuer mit Katalogen erkauft wurde. „Unser Sportgeschäft wird mit dem Geschäft von SportScheck seine bestehende Kundenbasis erheblich erweitern. Dazu gehören die jährlich rund 10 Millionen Besucher in den 17 innerstädtischen SportScheck-Filialen, 2,4 Millionen Kunden im Onlinehandel und 85.000 Teilnehmer an SportScheck-Events“, erklärt Fanderl.


Wie die Integration von SportScheck aussehen soll, dazu erfährt man aus der Galeria-Zentrale in Essen nichts. Wer aber in den vergangenen Monaten das Zusammenwachsen von Karstadt und Kaufhof beobachtet hat, wird erwarten, dass – wie zuvor schon Kaufhof - auch SportScheck im Wesentlichen nach Karstadt-Kriterien in den Konzern integriert werden wird. Denn bei den Warenhäusern dominiert die Karstadt-Farbe Blau wesentliche Bereiche des Doppelkonzerns, etwa Management oder IT.


Galeria-CEO Stephan Fanderl ist als rigoroser Sanierer bekannt, der schlanke, klare, kostengünstige Strukturen mag. Daraus könnte man spekulieren, dass mittelfristig auch die bisherigen Betriebsteile von SportScheck aus der Essener Konzern-Zentrale heraus gesteuert werden – zumal Galeria den Sport-Einkauf gerade ins Warenhausgeschäft reintegriert hat. Unwahrscheinlich, dass SportScheck etwa beim Einkauf eine Sonderrolle bekommt.

Ihre mit dem Zukauf weiter erhöhte Marktpräsenz und Einkaufsmacht dürfte den Sportlern aus Essen zwar auf der einen Seite bessere Einkaufskonditionen bringen, auf der anderen aber auch das gesteigerte Interesse der Wettbewerbsschützer. Schon beim Zusammengehen von Karstadt und Kaufhof hatte das Bundeskartellamt angekündigt, sich die Folgen der Fusion für die Lieferanten genauer ansehen zu wollen – weil Karstadt damals auch über Intersport einkaufte.


Das tut der Konzern inzwischen nicht mehr. SportScheck hingegen ist für Intersport ein wichtiges Mitglied mit hohem Einkaufsvolumen. Das soll nach dem Willen der Intersport-Führung auch so bleiben. „SportScheck ist Mitglied der Intersport. Dies ist unabhängig von einem Eigentümerwechsel. Die Vorteile unseres Verbandes gelten im kompetitiven Marktumfeld unabhängig vom Eigentümer“, betont Intersport-COO Frank Geisler. „Sobald die Übernahme rechtskräftig ist, werden wir uns mit den neuen Eigentümern an einen Tisch setzen und die Strategien übereinander legen. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserer Best in Sports-Strategie überzeugen werden.“

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