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Intersport auf dem Weg zur Plattform

„Stationär die Nummer eins”

Intersport
Intersport Deutschland-Chef Alexander von Preen: "Wir müssen uns fragen, wie wir unsere Mitglieder erfolgreich machen können. Welche Aufgaben können wir für sie übernehmen?"
Intersport Deutschland-Chef Alexander von Preen: "Wir müssen uns fragen, wie wir unsere Mitglieder erfolgreich machen können. Welche Aufgaben können wir für sie übernehmen?"

Sechs Monate nach Amtsantritt zieht die neue Intersport-Führung eine erste Bilanz. Vieles wurde auf den Weg gebracht: neue Dienstleistungen, neue Vertriebskanäle, neue Kampagnen. Denn die Vision der großen Plattform mit allen erdenklichen Angeboten rund um Sport wird nur dann Realität werden können, wenn die Händler bis dahin in ihrem Tagesgeschäft erfolgreicher werden.

Am 1. November 2023 wird abgerechnet. Bis zu diesem Tag soll Alexander von Preens Vision realisiert sein: der Umbau von Intersport zu einer kundengetriebenen Händlerorganisation – mit Omnichannel-Ansatz. „Das ist durchaus ein sportliches Ziel“, betont der Vorstandschef der größten Verbundgruppe im deutschen Sporthandel. Zu tun hat er in den kommenden viereinhalb Jahren mehr als genug.

Neue Rolle für die Zentrale

Der frühere Kienbaum-Berater steht seit einem guten halben Jahr an der Intersport-Spitze, sein Vorgänger Kim Roether hatte diesen Posten im Juni 2018 geräumt. Eine Entscheidung, die zum damaligen Zeitpunkt überraschend kam. Doch die Tatsache, dass die Intersport-Mitglieder dem früheren CEO auf der Generalversammlung im März dieses Jahres die Entlastung verweigerten, zeichnet ein wenig harmonisches Bild von Intersport-Mitgliedern und früherer Führung. „Wenn es mal eine Entfremdung gab, dann müssen wir sehen, dass wir jetzt wieder zusammenfinden und Intersport erfolgreich in die Zukunft führen.“

So diplomatisch klingt das bei Alexander von Preen, der ganz bewusst die Nähe zu den Mitgliedern sucht. Diesen fühlt er sich verpflichtet, schließlich sind sie als Eigentümer der genossenschaftlich organisierten Intersport seine Arbeitgeber. „Wir in den Servicezentralen in Heilbronn und in Wels müssen unsere Rolle verändern. Wir müssen uns fragen, wie wir unsere Mitglieder erfolgreich machen können. Welche Aufgaben können wir für sie übernehmen?“ Das Ziel: Die Händler sollen profitabler werden. Konkret steht eine durchschnittliche Brutto-Rendite von 8% auf der Agenda, um die Investitionsfähigkeit des einzelnen Unternehmers für die Zukunft zu sichern.


Was die Umsatzentwicklung der Mitglieder angeht, wird Alexander von Preen zum Halbjahr eine erfreulichere Bilanz ziehen können als er es im Februar für das vergangene Geschäftsjahr tun musste. 3% haben die deutschen Intersport-Händler 2018 an Umsatz eingebüßt. In den ersten vier Monaten 2019 konnten sie 4% zulegen. Ein Plus, das aber allein schon aufgrund der WM im vergangenen Jahr wohl nicht zu halten sein wird. Für das Gesamtjahr geht die Intersport-Führung von einer Spanne von 0 bis 2% aus.

Neue Services für die Mitglieder

Eine Antwort der Zentrale in Heilbronn ist das Thema Category Management, für das ein eigenes Ressort geschaffen wurde. „Wir bieten den Händlern entsprechende Leistungen an und stellen Betriebstypen vor, von denen wir sicher sind, dass sie erfolgreich am Markt zu positionieren sind“, so von Preen. Mit fokussierteren Sortimenten, ergänzt um individualisierte Bausteine. „Wir stellen fest, dass dieses Angebot auf sehr fruchtbaren Boden fällt, konnten erste Piloten initiieren.“


Der Erfolg der neuen Organisation lässt sich auch am Beispiel E-Scooter ablesen, so von Preen. Erst Mitte Mai hatte der Bundesrat die Zulassung von E-Scootern im Straßenverkehr beschlossen, schon jetzt wurden sie auf der aktuellen Intersport-Ordermesse präsentiert. „Category Management sei Dank – so etwas wäre früher bei Intersport gar nicht denkbar gewesen.“ Ein anderes Projekt, das sich aktuell in der Pilotphase befindet, ist das Thema Personalrekrutierung. Eine neue Dienstleistung, die den Mitgliedern im Juli offiziell vorgestellt wird.

Neue Distributionskanäle

Auch was das Online-Business der Intersport bzw. ihrer Händler betrifft, werden in Heilbronn unterschiedlichste Felder beackert. Kern ist nach wie vor die so genannte Kooperative Händlerplattform (KHP), auf die mittlerweile rund 270 Händler mit ihrem Sortiment aufgeschaltet sind. Diese wurde zum Jahresbeginn umgestellt auf ein Drop-Shipment-Modell, was das Handling für die Mitglieder vereinfacht.


„Wir sind jetzt in der Situation, dass erstmalig in diesem Geschäftsjahr die jährlichen Investitionen durch die Erträge, die in der Gesamtgruppe durch unsere KHP erzielt werden, ausgeglichen werden. Das ist eine sehr schöne Entwicklung, auf der wir aufbauen können und müssen. Wir sind aber noch lange nicht da, wo wir hin wollen“, so von Preen. Zumal man auch bei Intersport davon ausgeht, langfristig 40% des Geschäfts online zu machen. Mit ein Grund, sich auch für Drittplattformen zu öffnen, in einem ersten Schritt geht es konkret um Amazon. „Wir unterstützen unsere Händler, um diese Vertriebskanäle nutzen zu können.“ Von Preen kündigt darüber hinaus einen weiteren Vertriebskanal an: „Wir werden unseren Händlern die Möglichkeit geben, ihre Altware abzuschleusen.“

Neue Kampagnen und neue Angebote

Online bzw. Omnichannel wird zweifellos immer wichtiger, doch für den Chef steht auch fest: „Stationär wollen und werden wir die Nummer eins sein.“ Wer an Sport denkt, soll an Intersport denken. Dazu soll auch das 360 Grad-Marketing, das jetzt intensiv angegangen wird, seinen Teil beitragen. Anfang 2020 wird Intersport erstmals TV-Werbung schalten. Vor allem aber sollen Kooperationen mit Partnern wie Lauf-Veranstaltern und Touren-Anbietern oder Betriebssport-Angebote dazu dienen, Intersport als „Best in Sports“-Adresse bei den Kunden zu verankern. „Das geht über das klassische ‚Ich verkauf dir mit dem Skihelm noch eine Versicherung‘ hinaus – was natürlich der richtige Weg ist. Aber das machen wir schon.“


Schrittweise sollen neue Bereiche erschlossen werden, die den Händlern zusätzliche Einkünfte bringen und für Awareness bei den Kunden sorgen sollen. Denkbar sind vielfältigste Angebots-Bausteine. Mit ein Grund für den Zeithorizont, den sich die Intersport-Führung für den Umbau gibt. Allein schon die Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems, ebenfalls ein Angebot an die Mitglieder, ist ein Mammut-Projekt.

Alte Sorgenkinder

Ein anderer Punkt auf von Preens Agenda ist das Thema eigener Retail, sprich das insolvente Tochterunternehmen Voswinkel. „Wir haben die Möglichkeit gefunden, Voswinkel über das Schutzschirmverfahren in eine Sanierung zu bringen. Unser Wunsch ist natürlich, dass nach Abschluss des Insolvenzverfahrens – voraussichtlich im Oktober – ein gesundes Unternehmen dasteht, das im Intersport-Verbund verbleibt.“ Macht denn eigener Retail für eine Organisation wie der Intersport überhaupt Sinn? „Ich habe mich immer so positioniert, dass wir eine Händlerorganisation sind. Und ich glaube nicht, dass eine zentrale Dienstleistungsorganisation den Anspruch haben sollte, ein besserer Händler zu sein. Wir haben selbstständige Händler da draußen, die machen einen super Job. Die müssen wir unterstützen.“ Seit Mittwoch steht Voswinkel nun offiziell zum Verkauf. Bis zum 17. Juli können Interessenten nun qualifizierte Angebote für den Erwerb des Unternehmens abgeben – ob im Ganzen oder von Teilen, sprich Filialen.

Intersport Klose in Velbert: Fläche verdoppelt, Sortiment fokussiert

„Wer Bock hat, kann jetzt richtig was machen“

Einen besseren Botschafter als Arnd Klose kann sich die Zentrale kaum wünschen. Im Mai ist Intersport Klose in die neu eröffnete Stadtgalerie Velbert umgezogen und hat im Zuge dessen seine Fläche auf 1000m² verdoppelt. Gleichzeitig hat Klose sein Sortiment deutlich fokussiert, konzentriert sich nun auf Outdoor, Running, Multisport und Bademode. Schon vor dem Umzug hatte Klose ausprobiert, „ein paar Dinge wegzulassen“. Mit Erfolg. „Die Zahlen haben mich überzeugt.“ Davon will er auch andere Intersportler überzeugen. Er spürt eine Aufbruchstimmung. „Wer Bock hat, kann jetzt richtig was machen.“

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