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Intersport-CEO Alexander von Preen zum Lockdown light

"Der Handel erfüllt jetzt eine ganz wichtige gesellschaftliche und soziale Funktion"

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Intersport-Chef Alexander von Preen: "Für ein Durchstarten nach dem Lockdown fehlt mir die Phantasie. Ich würde eher von einem Grundrauschen sprechen, das wir im November hoffentlich halten können und das im Dezember wieder stärker wird."
Intersport-Chef Alexander von Preen: "Für ein Durchstarten nach dem Lockdown fehlt mir die Phantasie. Ich würde eher von einem Grundrauschen sprechen, das wir im November hoffentlich halten können und das im Dezember wieder stärker wird."

Bislang kommt der Sporthandel glimpflicher durch die Krise als der Modehandel. Und er hat Hoffnung, dass der Sport auch in Zeiten des zweiten Lockdown für viele Menschen einen hohen Stellenwert hat. Wenn auch die Entwicklung der nächsten Monate völlig offen ist - Intersport-CEO Alexander von Preen bleibt zuversichtlich.

TextilWirtschaft: Wir stehen am Beginn eines zweiten, wenn auch „leichten“ Lockdowns. Was hören Sie von Ihren Händlern?
Alexander von Preen: Man merkte, dass die Stimmung der Verbraucher kippte seit vergangenem Donnerstag. Ob sich das fortsetzt, werden wir sehen. Wir haben allerdings die Hoffnung, dass die Kunden sich gerade in Zeiten des Lockdown mit stark eingeschränkten Freizeitaktivitäten auf das Thema Individualsport konzentrieren. Wir hatten schon vor dieser Ankündigung alles dafür getan, Fitness und Running auf die Fläche zu bringen. Alles, was da von der Industrie reinkam, ging sofort wieder raus an die Händler.

Welche Erwartungen haben Sie an die Wintersaison?
Das ist wie der Blick in die Glaskugel. Wenn der Winter kommt, werden wir profitieren. Das wird auch in diesem Jahr so sein. Unsere Händlerkollegen in den Alpen sind sehr gut vorbereitet, haben sehr gute Hygienekonzepte installiert. Außerdem testen wir in Österreich neben dem klassischen Rent-Geschäft den Verleih von Ski-Bekleidung. Wir hoffen auf jeden Fall, dass es Wintertourismus geben wird. Wenn wir uns jetzt alle ordentlich verhalten und das Infektionsgeschehen in den Griff kriegen, werden Menschen auch in diesem Winter in den Ski-Urlaub fahren.

Sehen die Sortimente heute anders aus als vor einem Jahr?
Wir haben früh Themen wie Schneeschuhwandern und Langlauf zusätzlich platziert, um eine Alpin-Alternative anzubieten – für ein „anderes“ Wintererlebnis. Außerdem gehen wir das Thema Neuheiten und Innovationen für den Winter etwas vorsichtiger an. Zum Teil notgedrungen, wo Ware gar nicht oder verspätet kommt. Zum Teil aber auch ganz bewusst angesichts der Unsicherheiten in diesem Corona-Winter, wir haben gemeinsam mit der Industrie Durchläufer definiert.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Branche im Dezember nach diesem Lockdown voll durchstarten wird?
Dafür fehlt mir, ehrlich gesagt, die Fantasie. Ich würde eher von einem Grundrauschen sprechen, das wir im November hoffentlich halten können und das im Dezember wieder stärker wird. Unsere Händler haben auf jeden Fall sehr gute Konzepte entwickelt, um im November und im Dezember Geschäfte machen zu können. Sie haben seit März, April wirklich sehr viel investiert, ihre Unternehmen super weiterentwickelt und sehr viel Verantwortung übernommen für ihre Mitarbeiter. Im Unterschied zum ersten Lockdown liegt diese Verantwortung jetzt allerdings voll bei ihnen. Und natürlich gibt es Ungewissheit darüber, wie man jetzt mit dem Personal umgeht, wie viel Umsatz überhaupt möglich ist und wie viele Mitarbeiter nötig sind.

Womit kann der Handel die Kunden jetzt in die Läden locken?
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Kunden es goutieren, dass wir weiterhin geöffnet haben. Damit erfüllen wir eine ganz wichtige gesellschaftliche und soziale Funktion, erbringen damit eine Leistung für die Allgemeinheit. Das werden wir auch marketingtechnisch pushen und den Kunden sagen: Wir sind für euch da. Jetzt geht es darum, den Kunden attraktive Einkaufserlebnisse zu bieten. Und glücklicherweise ist die 10m²-Regelung pro Kunde nicht so dramatisch.
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