Intersport Krumholz-Chef Oliver Krumholz spricht im TW-Interview über die größten Herausforderungen, vor denen sein Unternehmen und die Intersport stehen.

TextilWirtschaft: Unser letztes Gespräch liegt einige Jahre zurück, es fand anlässlich des großen Umbaus Ihres Haupthauses in Mülheim-Kärlich 2013 statt. Haben Sie rückblickend die Weichen richtig gestellt?
Oliver Krumholz: In groben Zügen ja. Was aber das Online-Business angeht, da würden wir heute das ein oder andere anders machen. Da haben wir Lehrgeld zahlen müssen, wie viele andere auch. Und es stellt uns auch heute noch vor Herausforderungen. Denn der Online-Handel erfordert völlig andere Prozesse, ein komplett verändertes Denken. Und natürlich haben sich auch der stationäre Handel und die Erwartungen der Kunden drastisch verändert.


Können Sie das konkretisieren?
Der Kunde sucht einen Schuh bei uns, wir haben ihn nicht da. Früher hatte er kein Problem damit, auch mal zehn Tage zu warten, bis er ihn bei uns abholen konnte. Heute ist das undenkbar.


Heute können Sie über die Online-Plattform der Intersport auf den Schuh zugreifen, wenn ein anderer angeschlossener Händler ihn vorrätig hat. Sie sind seit Anfang des Jahres mit einem Teil Ihres Sortiments auf dieser Plattform vertreten. Sind Sie zufrieden?
Ja, wir sind positiv überrascht – zumal diese Plattform ja noch gar nicht offensiv beworben wird. Wir sind bislang mit dem Sport- und mit dem Outdoor-Haus in Mülheim-Kärlich dabei, verschicken an einem Montag schon mal 50 bis 80 Pakete, die über die Plattform bestellt wurden – von anderen Händlern oder von Kunden über intersport.de. Und auch an einem normalen Wochentag gehen 20 bis 30 Pakete raus.


Wieso sind nicht alle Ihre Häuser angeschlossen?
Aktuell haben wir noch nicht die Möglichkeit, von allen Häusern aus Ware direkt zum Kunden zu schicken. Aber grundsätzlich ist das Prinzip der Regalverlängerung, das hinter der Plattform steht, gerade für kleinere Häuser interessant und eine reelle Chance, um gegen Amazon zu bestehen.




Sie haben vor einigen Wochen das Haus in Bad Neuenahr-Ahrweiler nach Umbau wiedereröffnet – kurz bevor die Intersport mit ihrem neuen Ladenbau-Konzept soweit war. Wollten oder konnten Sie nicht warten?
Tatsächlich waren wir schon relativ weit mit der Planung, als klar war, dass das neue Ladenbaukonzept für die „rote“ Intersport-Welt kommen würde. Das konnten wir dann nicht mehr eins zu eins umsetzen. Viele zentrale Aspekte haben wir aber übernommen, allen voran das Thema Gender Split, das wir komplett durchziehen. Außerdem haben wir die einzelnen Kategorien zusammengefasst und die jeweilige Bildsprache angepasst. Wir haben stark ins Visual Merchandising investiert, vor allem bei der Präsentation von Schuhen. Und wir haben die Kasse ins Zentrum gerückt. Die Implementierung des neuen Intersport-Ladenbaus ist aber nur aufgeschoben. Wir bauen ja im Prinzip andauernd um.


Welche Umbauten stehen demnächst an?
Im kommenden Jahr keiner, da wir im Oktober 2019 unser neues Warenwirtschaftssystem einführen. Aber 2020/21 dann wieder in unserem Haupthaus. Bis dahin wird auch die Intersport wertvolle Erfahrungen gesammelt haben. Wir alle im Verbund haben eine ganz zentrale Aufgabe: Wir müssen dafür sorgen, dass der Kunde von der Marke Intersport ein einheitliches Bild hat. Das muss jünger werden als es heute ist, vor allem aber muss es verlässlich sein. Dabei sind wir Händler vor Ort das Gesicht der Intersport. Gelungene Beispiele gibt es etwa im Lebensmitteleinzelhandel. Die Marke Rewe ist für die Kunden berechenbar. Gleichzeitig gibt es spezialisierte Rewe-Märkte, die zum Beispiel für ein besonders kompetentes Spirituosen-Sortiment stehen.


Verlässlich und berechenbar für die Kunden, aber auch für die Lieferanten, oder?
Unbedingt. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Intersport für viele Lieferanten ein eher komplizierter Partner ist. Ganz simpel gesagt: Wenn Zalando einen exklusiven Schuh möchte, müssen die Einkäufer keine Ordermesse abwarten, um ihre Bestellmenge zu ermitteln. Und es gibt auch nur eine Lieferadresse: das Zentrallager. Wir haben 1500 Türen.


Die wirklich angesagten Sneaker bleiben Ihnen aber ja ohnehin verwehrt...
In Mülheim-Kärlich befindet sich das deutschlandweit größte Fachmarktgebiet. Und es gibt keinen einzigen Verkaufspunkt von Adidas Originals. Gleichzeitig sollen wir die jüngere Klientel abholen. Da frage ich mich, womit? Wir haben wirklich einen sehr guten Draht zu unseren Lieferanten. Aber es gibt Dinge, die verstehe ich einfach nicht. So zum Beispiel auch, dass Sportmarken in ihrem Online-Shop Ware zu Preisen raushauen, die unter unseren EKs liegen.


Adidas Originals verkaufen Sie zwar nicht in Ihren Sporthäusern, Sie betreiben aber einen Franchise-Store im Forum Mittelrhein in Koblenz. Welche Erfahrungen machen Sie dort? Hat das Sneaker-Business seinen Zenit überschritten?
Mit der Frequenz im Center sind wir nicht zufrieden, mit Kennzahlen wie Conversion Rate und Umsatz pro Kunde durchaus. Wir spüren aber, dass das Sneaker-Geschäft herausfordernder wird. Wir verzeichnen bei Textil überproportionales Wachstum, können aber das abflauende Sneaker-Business damit aktuell nicht auffangen. Und dass wir selbst hier nicht alle Adidas Originals-Modelle anbieten dürfen – das versteht der Kunde überhaupt nicht.


Haben Sie mit Intersport Krumholz weitere Expansionspläne?
Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Häusern, werden uns aber in Zukunft wohl etwas aus der direkten Region hinaus bewegen müssen. Ob dann immer „Intersport Krumholz“ an der Tür stehen muss, oder auch mal nur „Intersport“, wird sich zeigen. Grundsätzlich aber steht fest: Noch zählen wir mit einer Verkaufsfläche von 7000m² zu den Großen. Wenn sich aber der Trend fortsetzt, sind wir irgendwann im Vergleich zu den anderen Marktteilnehmern nur noch ein Kleiner. Wir sind also zu weiterem Wachstum verdammt.



Intersport Krumholz
  • Das Familienunternehmen ist mit fünf Sporthäusern in Neuwied, Mayen, Mülheim-Kärlich (2) und Bad Neuenahr-Ahrweiler vertreten.
  • In Koblenz betreibt Krumholz darüber hinaus einen Adidas Originals-Store.
  • Die Gesamtverkaufsfläche beträgt rund 7.000 Quadratmeter.
  • Schon Anfang der 90er Jahre sicherte sich das Unternehmen die Domain www.sporthaus.de, unter der heute der Webshop zu erreichen ist.
  • Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1949.
  • Geleitet wird Intersport Krumholz von Oliver Krumholz und Frank Bahr.
  • Oliver Krumholz ist Mitglied im Intersport-Aufsichtsrat.
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