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Interview mit Bernd Gundlach, Intersport Schwalmstadt

"Wenn's nicht regnet, tröpfelt es"

Bernd Gundlach
Bernd Gundlach, Inhaber Intersport Schwalmstadt: "Ich musste schon immer die Knöppe zusammenhalten"
Bernd Gundlach, Inhaber Intersport Schwalmstadt: "Ich musste schon immer die Knöppe zusammenhalten"

Knapp drei Wochen dauert der Lockdown nun schon. Besonders im umsatzstarken März eine Katastrophe für viele Händler. Um dennoch Ware abschleusen zu können, werden viele Händler kreativ und nutzen neue Absatzwege. So wie Bernd Gundlach, der ein Intersport-Geschäft im hessischen Schwalmstadt führt und seit Kurzem über Face-Time verkauft und die Ware mit einem Tuk Tuk ausliefert.

Schauplatz: Schwalmstadt. Ein kleines 20.000-Seelen-Städtchen in Nordhessen. Auch wenn der 800m² große Laden seit dem 18. März geschlossen ist, ist Bernd Gundlach, der den Store seit 27 Jahren führt, den ganzen Tag vor Ort. Unseren Anruf nimmt er daher auch prompt entgegen. Auffällig: seine positive Stimmung. Und das trotz monatlicher Kosten im fünfstelligen Bereich für laufenden Kosten wie Miete und Personal. Warum er guter Stimmung ist und er neuerdings oft mit dem Tuk Tuk unterwegs ist, erklärt er im Gespräch mit der TW.


TextilWirtschaft: Gut drei Wochen sind seit dem Lockdown ins Land gegangen. Wie ist die Lage bei Ihnen aktuell?
Bernd Gundlach: Wir sparen, wo wir können. Wir haben die Heizung im Laden ausgemacht und unsere 10 Mitarbeiter nach Hause geschickt. Wir haben Kurzarbeit beantragt, teilweise haben unsere Mitarbeiter auch Urlaub genommen, um die finanziellen Einbußen geringer zu halten. Wir telefonieren aber ein bis zweimal die Woche miteinander oder mailen im Team. Um den Laden kümmern sich meine Frau und ich. Ich bin den ganzen Tag im Laden, bearbeite die Bestellungen und liefere sie dann mit unserem Tuk Tuk aus.

Sie verkaufen bereits online über Sportmarken24Den lokalen Lieferservice bieten Sie zusätzlich seit dem Shutdown an. Bei Ihnen kann man telefonisch und über Facetime bestellen. Wie ist die Resonanz? 
Die Leute reagieren insgesamt sehr positiv. Vor allem über Facebook und Instagram, wo wir unseren Lieferservice bewerben, bekommen wir sehr gutes Feedback und halten Kontakt zu den Leuten. Vor allem Instagram ist ein sehr starkes Tool für uns.

Welche Artikel bestellen die Leute vor allem? 
Eigentlich alles, was man Zuhause machen kann, wenn man nicht mehr zum Sport gehen kann. Wir liefern Jogginghosen und Fitnessgeräte vom Springseil bis zu den Gewichten. Spiele wie z. B. Dartartikel und Fitnessmatten sind ebenfalls starke Themen. Wir liefern auch zu Auswahl. Was nicht passt, hole ich ein paar Tage später wieder ab.
Intersport Schwalmstadt verkauft über Face-Time und liefert mit dem Tuk Tuk
Intersport Schwalmstadt
Intersport Schwalmstadt verkauft über Face-Time und liefert mit dem Tuk Tuk
Wie viele Bestellungen haben Sie durchschnittlich pro Tag? Was ist ihr Lieferradius? 
Wir liefern im Umkreis von 15-20 km. Wie viele Bestellungen wir täglich haben, kann ich gar nicht sagen. Das ist unterschiedlich. Gestern (letzte Woche Donnerstag, Anm. der Red.) war ich zum Beispiel bis halb acht abends unterwegs und habe ausgeliefert. Es geht aber auch nicht nur darum, das eigene Geschäft zu stärken, sondern insgesamt näher zusammenzurücken. Letztens habe ich zum Beispiel Schwälmer Klöße für einen Gastronomiebetrieb ausgeliefert. In dieser Situation muss man sich gegenseitig unterstützen.

Was machen die Verkäufe unter dem Strich aus? Rentiert sich der Aufwand?
(Lacht) Es ist nicht die Welt, aber wir nehmen die Verkäufe mit. Bei uns sagen wir immer "Wenn es nicht regnet, tröpfelt es". Außerdem macht es Spaß, wir sind ja sowieso im Laden und halten darüber Kontakt zu den Leuten.

Wie wird bezahlt?
Wir liefern auf Rechnung, die kann überwiesen werden.

Wie sind Sie denn wirtschaftlich aufgestellt? Werden Sie ebenfalls wirtschaftliche Hilfen in Anspruch nehmen? 
Darauf stürzen sich ja jetzt alle, da wird jetzt erst einmal alles beantragt. Aber man muss sich doch die Entwicklung der Unternehmen anschauen. Bei vielen hat es doch vorher schon nicht gepasst. Klar, dass das jetzt schon gar nicht mehr funktioniert. Der Markt ist einfach gesättigt. Jeden Tag melden Unternehmen Insolvenz an. Wir haben in der Vergangenheit gesund gewirtschaftet. Für uns ist es erst einmal zu machen. Wir halten schon zwei, drei Monate durch. Ich habe ja auch eine soziale Verantwortung. Dann muss man mal an die Rücklagen gehen. Dafür sind die schließlich da.

Sie sind auffallend gut gelaunt. Machen Sie sich denn keine Sorgen?
Ich komme aus ganz kleinen Verhältnissen und musste immer die Knöppe zusammenhalten. Meine Eltern haben den Krieg erlebt, da ging es um Leben und Tod. Klar, wir erleben jetzt auch einen kleinen Krieg, aber wir stöhnen immer noch auf hohem Niveau. Ich wohne in einer Kleinstadt, ich kann rausgehen. Wir haben keine Ausgangssperre wie andere Länder. Und diese Zeit wird vorübergehen.

Wie bereiten Sie sich denn auf die Zeit nach Corona vor? Werden Sie reduzieren? 
Wir haben den ganzen Laden voller toller Ware. Das Wetter ist super, nicht zu heiß wie letztes Jahr, sondern richtig gutes Übergangswetter. Wir hätten richtig gut verkauft. Nun muss man abwarten, wann wir überhaupt wieder aufmachen können. Wir hoffen auf Ende April. Aber ich rechne schon damit, dass es eine Preisschlacht geben wird.

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