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Ist das der Start der nächsten Pleite-Welle?

Sporthaus Saemann ist insolvent

imago images / Ralph Peters
Dramatische Umsatzeinbrüche führten dazu, dass das Sporthaus Saemann am letzten Öffnungstag des Jahres Insolvenz anmelden musste.
Dramatische Umsatzeinbrüche führten dazu, dass das Sporthaus Saemann am letzten Öffnungstag des Jahres Insolvenz anmelden musste.

Der letzte Öffnungstag des Jahres war für das Sporthaus Saemann der schwärzeste: Das traditionsreiche Unternehmen hat am Dienstag beim Amtsgericht Heilbronn Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Grund für den Schritt war nicht allein die Corona-Krise.

Zu dem seit 1898 bestehenden Heilbronner Unternehmen gehören der Intersport Profimarkt am Europaplatz und Saemann Sportkultur in der Kaiserstraße sowie Golfshops in Friedrichsruhe, Liebenstein und Bad Rappenau. Das Unternehmen beschäftigt 38 Mitarbeiter.


Wie Sporthaus Saemann mitteilt, sei man schon im Geschäftsjahr 2017/18 in schwieriges Fahrwasser geraten. Eine fast 20 Monate dauernde Baustelle am Europaplatz habe für Umsatzeinbrüche von mehr als 1,5 Mio. Euro gesorgt. Die zusätzlichen massiven Umsatzausfälle während und nach dem ersten harten Shutdown im Frühjahr sowie dramatische Umsatzausfälle seit Anfang Oktober 2020 durch den Lockdown light von insgesamt weiteren 2 Mio. Euro, hätten eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens schwierig gemacht.

„Durch das bisher völlig ausgebliebene und wahrscheinlich komplett ausbleibende Geschäft mit Wintersportartikeln, dieses stellt in normalen Jahren einen Großteil des Umsatzes dar, waren und sind die Umsätze in diesen Warengruppen nahe null. Der jetzt nochmalige harte Lockdown mitten im Weihnachtsgeschäft bis weit in den Januar hinein, in den normalerweise stärksten Wochen des ganzen Jahres, verschärfte die Lage nochmals maximal“, heißt es weiter.

Von der Hausbank in Aussicht gestellte, dringend benötigte Liquiditätshilfen, welche an ein erfolgtes Sanierungsgutachten mit dokumentierter positiver Fortführungsprognose gekoppelt waren, seien trotz zweifach bescheinigter positiver Fortführungsprognose überraschenderweise doch nicht gewährt worden. Dies führte letztlich zur Zahlungsunfähigkeit.

„Ein Geschäft mit 122-jähriger Tradition, als eines der letzten verbliebenen familiengeführten Unternehmen in Heilbronn, aufgrund von nicht durch uns zu beeinflussenden Faktoren wie Baustellen und Corona-Pandemie schließen zu müssen, schmerzt mich sehr“, sagt Thomas Gauß. „Vor allem auch im Hinblick auf unsere tolles Team, welches auch in schwierigen Zeiten immer einen herausragenden Job gemacht hat.“

Gauß, der seit 2009 Vorsitzender der Stadtinitiative ist, wird dieses Amt, sowie das Amt des Vizepräsidenten der IHK Heilbronn-Franken, mit sofortiger Wirkung niederlegen.

Saemann war im Jahr 1956 Gründungshaus der Intersport. Intersport-Chef Alexander von Preen hat Sorge, dass dieser Insolvenz weitere folgen. „Bislang liegt die Zahl der Insolvenzen aufgrund der Corona-Pandemie im niedrigen einstelligen Bereich und nicht über dem Niveau der Vorjahre. Es ist aber nicht auszuschließen, dass aufgrund der aktuellen Lage, vor allem wenn die derzeit verfügten Geschäftsschließungen weiter anhalten oder sogar verlängert werden und dadurch das Wintergeschäft weitgehend ausfallen sollte, auch die Zahl der Insolvenzen ansteigen kann.“

Wenn ein Händler in die Insolvenz gehen müssten, dann sei das immer „ein trauriges Ereignis“ für die Genossenschaft. „Wenn das hier in Heilbronn am Hauptsitz der Genossenschaft passiert, dann hat dies sicher eine besondere Bedeutung. Jedoch sind unsere Genossen alles selbstständige Händler mit komplett eigenständiger unternehmerischer Verantwortung.“

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