Erst Unruhe und reichlich Bewegung im Personalkarussell. Jetzt kehrt wieder Optimismus ein. Ein erfolgreiches Abschlussquartal markiert die Stärke des Sport-Riesen Nike. Ausruhen kann sich der Weltmarktführer aber nicht.

„Ich bin zuversichtlich, dass dieses Quartal ein Katalysator für unser weiteres Wachstum sein wird.” Mit diesen Worten schloss Nike-Chef Mark Parker seine Ausführungen bei der jüngsten Analysten-Telefonkonferenz zu den Zahlen für das vierte Quartal 2017/18 (31. Mai).


Zuversicht deshalb, weil gerade dieses Quartal zeigt, dass Parkers Strategie Früchte trägt. Und er sich messen lassen kann am Erfolg der Maßnahmen, die er im vergangenen Herbst auf dem Investorentag verkündete – damals noch gemeinsam mit Trevor Edwards, der eigentlich Parkers Nachfolge hätte antreten sollen. Das Beben, das seither Nikes Chef-Etagen erschütterte und zu zahlreichen Manager-Abgängen führte – mit Trevor Edwards an der Spitze – scheint verebbt, zumindest, was das Medien-Interesse angeht. Den guten Zahlen sei Dank.

In den letzten drei Monaten des Geschäftsjahres 2017/18 hat Nike 9,79 Mrd. US-Dollar (8,41 Mrd. Euro) erlöst. Das sind 13% mehr als im Vorjahr. Positiv entwickelten sich in diesem Quartal auch die Erträge. Das Nettoergebnis legte um 13% auf 1,14 Mrd. Dollar zu, vor Steuern lag das Plus bei 4%.
Nike und Adidas liefern sich einen harten Wettbewerb im Sportmarkt. Die Marke mit dem Swoosh hat dabei noch einen guten Abstand zum Verfolger.
TW-Grafik: Heumann / Quelle: Unternehmen
Nike und Adidas liefern sich einen harten Wettbewerb im Sportmarkt. Die Marke mit dem Swoosh hat dabei noch einen guten Abstand zum Verfolger.

„Die jüngsten Ergebnisse bestätigen, warum wir so begeistert sind, was das Potenzial unserer Consumer Direct-Offensive angeht”, so Parker. Denn kein Verkaufskanal wächst so schnell wie der digitale: plus 34% im letzten Quartal. Im Herbst hatte er angekündigt, dass der Online-Anteil am Umsatz – nicht nur über nike.com, sondern insgesamt – von knapp 15% im Jahr 2018 in fünf Jahren auf über 30% gesteigert werden soll.


„Triple Double”, so der Titel der Strategie, die vergangenes Jahr vorgestellt und auf dem Investorentag näher erläutert wurde: 2x Direct, 2x Speed, 2x Innovation. Konkret: Die Zahl der direkten Verbindungen mit den Kunden soll verdoppelt werden und die Produktionszeiten halbiert. Innovationen sollen für mehr als die Hälfte des Umsatzwachstums sorgen.


Vor allem beim Launch neuer Produkte sind die direkten Verbindungen zu den Konsumenten entscheidend. Auch dabei kommt Nike offenbar gut voran. Beispiel Nike React: Schon heute sei der Epic React die Nummer Zwei bei den Performance-Laufschuhen oberhalb der Preisgrenze von 125 Dollar. Erfolgreich war auch die jüngste Pegasus-Einführung. Nie zuvor gab es für ein Pegasus-Modell in der ersten Saison so viele Bestellungen wie für den neuen Peg35. Auch die Pipeline für das neue Jahr sei gut gefüllt, etwa mit dem Peg Turbo mit ZoomX-Dämpfung. Eine weitere Rekordmarke markierte der Launch des Air Max 270, die erfolgreichste Air Max-Einführung aller Zeiten. Und die erste Innovation, die speziell für die Lifestyle-Sparte entwickelt wurde, nicht für den Performance-Part. Die weitere Integration von Nike React, auch für ikonische Modelle der Marke Jordan, soll 2019 für weiteres Wachstum der Sportswear-Sparte sorgen.
Under Armour und Puma liegen mit einigem Abstand hinter Nike und Adidas.
TW-Grafik: Heumann / Quelle: Unternehmen
Under Armour und Puma liegen mit einigem Abstand hinter Nike und Adidas.

Ebenfalls im Fokus steht das Geschäft mit den Frauen. Bei der Bekleidung sollen etwa saisonale „head-to-toe”-Kapseln für Wachstum sorgen. Außerdem verspricht Parker für die zweite Jahreshälfte weitere Flyknit-Innovationen speziell für Bekleidung. Ohnehin eine Sparte, die sich zuletzt dynamischer entwickelt hat als das Schuh-Business.

Mit einem währungsbereinigten Wachstum von 9% hat Apparel im vergangenen Jahr die 10 Mrd. Dollar-Grenze geknackt. Doch die angekündigten neuen Shopping-Erlebnisse mit Facebook und anderen Social Media-Plattformen und die großen Erwartungen, mit denen Nike vor allem die SNKR-App vorantreiben will, werden wohl vor allem wieder das Sneaker-Business befeuern.


In einem Nebensatz kam Parker dann auf eine spannende Eröffnung zu sprechen: Noch in diesem Monat eröffnet in Los Angeles der erste Nike Live-Store. „Ein kleiner, datengetriebener Laden, dessen Sortiment von den Käufen der Konsumenten in der näheren Umgebung beeinflusst wird.” Weitere Eröffnungen des Formats sollen folgen.


Der Swoosh bleibt in Schwung: Bisher war Nike von einem Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich für das laufende Geschäftsjahr ausgegangen. Jetzt ist ein hohes einstelliges Wachstum geplant.
Mehr News zu Nike
Personalie

Neuer Nachhaltigkeits-Chef bei Nike

Nike hat einen neuen Nachhaltigkeits-Chef: Am 5. September tritt Noel Kinder die Nachfolge von Hannah Jones als Chief Sustainability Officer an.

Quartalsbilanz des Sportartikel-Konzerns

Nike: starkes Quartal, Gewinn im Gesamtjahr halbiert

Nike kann auch ein erfolgreiches viertes Quartal zurückblicken.
Kooperationen

Nike holt sich doppelte Fußball-Inspiration

Nike-Fußball-Kooperationen