Es war ein Riesen-Aufreger, als im Oktober 2013 die Pläne zur Schließung der Karstadt-Filiale in der Stuttgarter Innenstadt bekannt wurden. Bis zum endgültigen Aus vergingen dann noch anderthalb Jahre, in denen die Belegschaft bisweilen wieder auf den Fortbestand der Filiale hoffte. Doch seit Mai 2015 ist Karstadt an der Königstraße 27 Vergangenheit. Und Stuttgart die einzige deutsche Metropole ohne Karstadt-Filiale.

Bis bekannt wurde, was Signa – gleichermaßen Eigentümer der Immobilie wie von Karstadt Warenhaus und Karstadt Sports – mit dem Gebäude vorhat, verging fast ein weiteres Jahr. Im April 2016 verkaufte die Gruppe das Objekt an die Union Investment Real Estate. Dieser Abschluss markierte den ersten so genannten Forward-Purchase-Deal von Signa, denn der Verkauf wurde vor Beginn der Revitalisierung und während der Vermietungsphase realisiert. Der Großteil der rund 17.700m² Einzelhandelsfläche war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits vermietet, allen voran an Primark als Ankermieter mit 11.750m² Gesamtfläche. Bis zum Abschluss des Projekts im November 2017 blieb Signa als Projektentwicklerin an Bord.



Mittlerweile ist die Mietfläche – bis auf eine Bürofläche – komplett vermietet, neben Primark sind dm, Lush und Vodafone eingezogen. Mit der Eröffnung von Karstadt Sports im Oktober 2018 ist nun auch Signa wieder mit von der Partie, jetzt allerdings als Mieter. Die Sport-Tochter der Signa Retail-Gruppe ist nun sogar zwei Mal an der Stuttgarter Haupteinkaufsmeile vertreten. An dem bisherigen Standort in der Nähe des Hauptbahnhofs betreibt Karstadt Sports ein Outlet.

Die neue Filiale Königstraße 27 ist zwar mit 3650m² Mietfläche auf drei Etagen deutlich kleiner als die frühere, hat aber aus Kundensicht eine Aufwertung erfahren. „Hier fließt vieles von dem ein, was wir beispielsweise in Rosenheim – die Filiale dort wurde 2017 komplett umgebaut – schon gelernt haben“, so Karstadt Sports-Chef Thomas Wanke, der, wie nun bekannt wurde, weiter aufrückt und seinen Job als Sports-CEO an seinen bisherigen Einkaufschef Jens Dunkel übergibt.

Empfangen werden die Kunden von Sneakern und anderen Lifestyle-Angeboten sowie Accessoires im Eingangsbereich. Aktuell ist hier auch eine Puma-Hyrox-Sonderfläche platziert. Anlässlich des Fitness-Wettkampf-Events Hyrox, das am 15. Dezember auf dem Stuttgarter Messegelände stattfindet, präsentiert Puma Bekleidung, Equipment und Schuhe, die geeignet sind für diesen Wettkampf, der Running- und Workout-Einheiten kombiniert. In den Laden hinein ziehen die Lichtinstallationen, die Teil der halboffenen Deckenkonstruktion sind.

Die einzelnen Sportwelten werden nach Geschlechtern getrennt präsentiert. „Ladenbaulich bietet sich dadurch die Chance, diese Bereiche speziell zu gestalten und sortimentübergreifende Stimmungsinseln zu erschaffen“, so Wanke. Der Ladenbau für die Frauenwelt im EG ist leichter und heller gestaltet, im Gegensatz zu der performance-orientierteren Gestaltung der Männerwelt im 2. OG. Der Inszenierung von Highlights wird mehr Gewicht gegeben. Bade/Beach-Umkleiden, in denen das Licht passend zur Bademode eingestellt werden kann, gehören genauso zum Service wie der Testparcours für Wanderschuhe und die Torwand in der Teamsport-Abteilung.

Der neue Laden in Stuttgart ist aber nur eine der Bühnen, auf denen Karstadt Sports sein Verständnis vom Sporthandel der Zukunft präsentiert. Denn auch die Integration von Online-Playern in die Warenhausflächen, die laut Karstadt-COO Claudia Reinery ganz oben auf der To-Do-Liste steht, wird bereits im Kleinen geprobt: Vor rund einem halben Jahr holte Karstadt Sports Signas Online-Töchter fahrrad.de und Tennis-Point auf die Fläche, genauer in die Filiale in Berlin-Steglitz.

Wanke betont die Bedeutung von Sport für die durch den Zusammenschluss mit Kaufhof entstandene Department Store Group. Mehr Effizienz, mehr Tempo und weniger Kosten verspricht er sich nicht zuletzt von der Übernahme zentraler Aufgaben durch die Warenhaus-Zentrale. Und zwar nicht nur in der Verwaltung, sondern auch im Einkauf. Den Sport-Einkauf übernimmt künftig Karstadt Warenhaus, gebündelt für die 28 Häuser von Karstadt Sports sowie für die Sportabteilungen von Karstadt – und zusätzlich für die von Kaufhof.
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