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Keine Dividende für Aktionäre, keine Boni für die Führung

Adidas sichert sich Milliarden-KfW-Kredit

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"Wir tun unser Möglichstes, um das langfristige Wohlergehen von Adidas, unseren 60.000 Mitarbeitern sowie unseren Partnern sicherzustellen und setzen bereits zahlreiche Maßnahmen um", betont Adidas-CEO Kasper Rorsted.
"Wir tun unser Möglichstes, um das langfristige Wohlergehen von Adidas, unseren 60.000 Mitarbeitern sowie unseren Partnern sicherzustellen und setzen bereits zahlreiche Maßnahmen um", betont Adidas-CEO Kasper Rorsted.

Drei Milliarden Euro – mit einem KfW-Kredit in dieser Höhe will Adidas die finanzielle Flexibilität des Unternehmens sichern. Zur Überbrückung der Ausnahmesituation will die Nummer Zwei der Welt einen so genannten revolvierenden Konsortialkredit "zu marktüblichen Konditionen" abschließen, bei dem sich der Risikoanteil der staatlichen Förderbank KfW auf 80% des Finanzierungsbetrags beläuft.

"Die aktuelle Situation stellt sogar gesunde Unternehmen vor ernsthafte Herausforderungen. Wir möchten der Regierung für ihr schnelles und umfassendes Handeln als Reaktion auf diese beispiellose globale Krise danken", sagt Adidas-CEO Kasper Rorsted. "Wir tun unser Möglichstes, um das langfristige Wohlergehen von Adidas, unseren 60.000 Mitarbeitern sowie unseren Partnern sicherzustellen und setzen bereits zahlreiche Maßnahmen um. Diese Maßnahmen beinhalten die strikte Kontrolle aller Kosten und des kurzfristigen Betriebskapitals, die Kürzung der Managementbezüge, den Stopp des Aktienrückkaufprogramms sowie die Aussetzung von Dividendenzahlungen. Darüber hinaus ist jedoch der Zugang zu zusätzlicher Liquidität notwendig, um diese Krise zu bewältigen. Die in Anspruch genommenen Teile des Kredits zahlen wir inklusive Zinsen und Gebühren so schnell wie möglich zurück."

Neben der Darlehenszusage in Höhe von 2,4 Mrd. Euro seitens der KfW hat ein Konsortium von Partnerbanken ein Darlehen in Höhe von weiteren 600 Mio. Euro zugesichert. Das Konsortium besteht aus UniCredit, Bank of America, Citibank, Deutsche Bank, HSBC, Mizuho Bank und Standard Chartered Bank. Die Kreditvereinbarung hat eine Laufzeit von 15 Monaten. Das Unternehmen kann den Kredit jederzeit vorzeitig kündigen.

Die Inanspruchnahme dieses Konsortialkredits führe nicht zu einer Staatsbeteiligung, wie das Unternehmen betont, das vor kurzem erst von Politikern harsch kritisiert worden war. Auslöser war der bekannt gewordene Mietzahlungs-Stopp, den Adidas allerdings schnell wieder zurückgenommen hat.
Auch Puma braucht trotz eines Rekordjahres im Rücken frisches Geld. "Wir reduzieren die Kosten und den Geldabfluss, wo immer möglich, und ergreifen Maßnahmen zur Sicherung zusätzlicher Finanzierung, um gemeinsam mit unseren Partnern die Wertschöpfungskette in dieser Zeit aufrechtzuerhalten", erklärte das Unternehmen bereits Anfang April. "Dazu arbeiten wir mit unserem Bankkonsortium zusammen, das uns zusätzliche Finanzierung bereitstellt. Dieses Konsortium greift wiederum in der jetzigen Marktsituation auf die KfW zurück, um mehr Liquidität bereitstellen zu können." Wie eine Sprecherin betont, gehe es bei dieser Beteiligung der KfW nicht um Kredite zur Sonderkonditionen. "Es geht hier um Liquidität zu marktüblichen Finanzierungskonditionen." Über die Höhe des Kreditbedarfs macht Puma keine Angaben. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge gehe es um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Wie Adidas mitteilt, gehört zu den Bedingungen des Konsortialkredits unter anderem die De-Facto-Aussetzung von Dividendenzahlungen über die Laufzeit der Kreditvereinbarung. Zudem hat der Vorstand jüngst entschieden, das Aktienrückkauf-Programm zu stoppen sowie auf die eigenen kurz- und langfristigen Boni, die insgesamt zwei Drittel der Jahreszielvergütung ausmachen, für das Jahr 2020 zu verzichten. Ebenso wird für die weiteren Führungskräfte des Unternehmens die langfristige Bonuskomponente für das laufende Geschäftsjahr entfallen. All dies stehe im Einklang mit dem Liquiditätsmanagement von Adidas im derzeitigen Umfeld.


Neben dem deutlichen Rückgang von Umsatz und Gewinn seit Ende Januar in China sowie seit Ende Februar in Japan und Südkorea hat Adidas seit Mitte März auch in den meisten anderen Teilen der Welt gravierende Auswirkungen auf Umsatz und Cashflow-Generierung verzeichnet. Infolge der rasanten Ausbreitung des Coronavirus weltweit sind seit vier Wochen fast alle eigenen sowie partnerbetriebenen Stores in Europa, Nordamerika, Lateinamerika, den Schwellenländern und Russland/GUS sowie in weiten Teilen der Region Asien-Pazifik vorübergehend geschlossen. Infolgedessen sind die stationären Groß- und Einzelhandelsaktivitäten in diesen Märkten, die sonst 60% des Geschäfts des Unternehmens ausmachen, zum vollständigen Erliegen gekommen.


Angesichts dieser schwerwiegenden Folgen hat das Unternehmen in Deutschland eine Vereinbarung mit den lokalen Betriebsräten hinsichtlich einer Arbeitszeitreduzierung für einige Mitarbeitergruppen getroffen. Die Vereinbarung sieht unter anderem Kurzarbeit für 1200 Mitarbeiter vor.

Welche Auswirkungen die Coronavirus-Pandemie auf die ersten drei Monate des laufenden Geschäftsjahres hatte, wird Adidas am 27. April bekanntgeben und damit früher als ursprünglich geplant.
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