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Sport 2000-Geschäftsführer Markus Hupach über Kommunikation und Kreativität

"Wenn wir daraus nichts lernen, dann haben wir was falsch gemacht"

Sport2000
"Zu viel Kommunikation gibt es in diesen Zeiten kaum", sagt Sport2000-Geschäftsführer Markus Hupach.
"Zu viel Kommunikation gibt es in diesen Zeiten kaum", sagt Sport2000-Geschäftsführer Markus Hupach.

Die TW hat Macher aus der Branche gefragt, welche Schlüsse sie aus der Corona-Krise ziehen, wie sie den Restart gestalten und wie ihre Vision für 2021 aussieht. Welche Learnings zieht Sport2000-Geschäftsführer Markus Hupach aus der Krise?

1. Its all about communication, communication, communication!

Das Krisenmanagement hat uns gezeigt, dass man geographisch sehr weit voneinander entfernt sein kann und im Thema doch so nah ist. Eine sehr enge und transparente Kommunikation ist das A und O, um eine maximale Nähe zu unseren Mitarbeitern zu leben. Wir in der Geschäftsführung haben von Tag eins an mit mehreren virtuellen täglichen Stand ups, regelmäßigen Task Forces (Video-Meetings) und „daily dose“-Videobotschaften „fast schon überkommuniziert“, um den Mitarbeitern zu signalisieren, dass wir für jeden da sind, nah dran sind an jedem einzelnen und auf Sorgen, Fragen, Ideen bestmöglich eingehen zu können. Das werden wir auch weiterhin aufrecht erhalten, denn wir spüren den Mehrwert und den Wunsch bei den Teams. Zu viel Kommunikation gibt es kaum in diesen Zeiten.


Wir müssen Ängste wahrnehmen, empathisch sein und vom Homoffice aus den Mitarbeitern erklären, was gerade alles passiert. Und sie natürlich überzeugen: Wir kriegen das gemeinsam hin! Und wir sehen, dass das Einbeziehen aller, das Übergeben von Themen und Verantwortung funktioniert und definitiv die Zukunft bestimmt.

Sehr spannend ist der Spagat zwischen aktuellem Krisenmanagement, strategischer Planung und der Führung der Teams. Der Umgang mit einer solchen surrealen Situation steht so in keinem Lehrbuch. Aber wenn wir sehen, wie unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über sich hinauswachsen, bestätigt uns das darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

2. Mut zu schnellen Entscheidungen geht vor Perfektion

Mit unserer Sport-Plattform sind wir ein bis zwei Wochen früher gestartet, als wir es unter normalen Umständen getan hätten. Und wir stellen fest: Man muss nicht warten, bis ein Thema zu 100% steht, bis man es teilt. 90% reichen auch. Diese 10% bis zur Perfektion sind oft ein sehr mühsamer, langwieriger Prozess. Da können wir sehr viel von der New Economy lernen.

Und das Ergebnis hat uns begeistert. Das Interesse der Händler am Onboarding ist sehr groß – und auch die Industrie hat großes Interesse, sehr präsent zu sein, Content zu liefern, Aktionen anzustoßen oder auch über neue Tools nachzudenken. Fehler/Bugs werden verziehen – im Moment. Ich hoffe, dass das so bleibt.

Schneller werden müssen wir auch in unseren Prozessen – die qualitativen Merkmale werden Schlankheit, Schnelligkeit, Produktivität und Effizienz sein. Im Jahr 2020 darf es eigentlich nicht mehr sein, dass uns Daten/Anfragen/Orders per Fax übermittelt werden. Da wird es nun darauf ankommen, wie wir alle auf diese neue Zeitreise mitnehmen. Und die wird wohl schneller sein, als ursprünglich geplant.

3. Digital – auch die letzten Zweifler dürfen jetzt eines Besseren belehrt sein

Wie wichtig eine digitale Infrastruktur ist, die digitale Transformation, das haben wir alle 100.000 mal gehört. Manchmal bedarf es dieses Extra-Kicks. Jetzt war es quasi von Tag eins an möglich – alle waren offen und bereit und haben es einfach zugelassen und ausprobiert. Die digitale Infrastruktur hat von Tag 1 an funktioniert, oft war learning by doing angesagt.

Und selbst wichtige Beiratssitzungen haben in virtueller Form stattgefunden. Das hat alles hervorragend geklappt.

Natürlich gab es gerade im Marketing aufgrund der ungewohnten Krisensituation einen stark spürbaren Schub Richtung digital – viele unserer Händler nutzen unser Angebot nun sehr viel stärker und spüren den Mehrwert dieser zusätzlichen Maßnahmen.

Ich bin der größte Fan eines optimierten, effizienten Go to market-Prozesses. Einen Reinverkaufsprozess wie vor 30 Jahren können wir uns nicht mehr leisten. Hier eine Pre-pre-Line, da noch eine Messe, und noch eine weitere, wo ich mir alles noch einmal anschaue, dann noch ein Termin im Showroom – das wird sich ändern (müssen). Es wird schlanker, schneller, effizienter und vor allem auch kostenbewusster. Viele dieser Meetings und Prozesse werden wir digitalisieren. Auch was die digitale Darstellung von Mustern und Produkten angeht – das wird auch bei uns kommen, ob wir das wollen oder nicht. Und bei all der Digitalisierung leisten wir unsererseits auch noch einen kleinen ökologischen Beitrag zur Reduzierung der CO2- Emissionen.


Erster harter Prüfstein wird unsere nächste Ordermesse sein, die wir, basierend auf den uns aktuell vorliegenden Informationen, voll digital abhalten werden (müssen).
Wir werden in vielen Bereichen Investitionen überdenken, was die weitere Digitalisierung angeht, werden wir das Gaspedal treten.

4. Kreativität, Unternehmertum und Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Noch ein Learning: Oftmals muss man dicke Bretter bohren. Da gibt es Themen, die sind kompliziert, vielschichtig und nicht so einfach lösbar. Da macht sich Hartnäckigkeit und Ideenreichtum bezahlt. Etwa wie in der aktuellen Situation: Wir müssen immer wieder bei der Politik an den richtigen Stellen vorstellig werden, um auf die schwierige Situation für unsere Sportfachhändler aufmerksam zu machen. Finanzielle Hilfe, welche schnell und unbürokratisch an den richtigen Stellen zur richtigen Zeit ankommt, ist oberste Prämisse. Das dauert oft, ist mühselig, trifft dann aber auf fruchtbaren Boden. Aber noch kommt die Liquidität leider nach wie vor nicht schnell genug bei den Betroffenen an.


Unsere Unternehmer im Verbund haben umgehend in der Krise die Ärmel hochgekrempelt und an Ideen gearbeitet, wie sie dem Konsumenten nach wie vor nah sein können. Da war die Idee, die Umsetzung und das Ergebnis. Hat das Eine nicht geklappt, wurde etwas Neues getestet oder best pratice vom Kollegen angewendet.


Und die Offenheit vieler (sei es Händler, Industriepartner oder Abteilungen im Konzern) an einer Sache zu arbeiten, da alle das gleiche Problem haben, und nach Lösungen suchen, hat mich sehr berührt. Diese „Totschlag-Argumente“ waren auf einmal, wie weggefegt.

5. Bei aller Begeisterung fürs Tun zahlt sich robustes Kalkulieren aus

Bei all meiner Begeisterung für schnelle, neue Ideen und Lösungen: In guten Zeiten sehr genau zu planen und zu kalkulieren zahlt sich aus. Ich bin positiv überrascht, wie robust unsere Händler aufgestellt sind, die Mehrheit hat noch keinen Kredit aufnehmen müssen.

6. Solidarität und Partnerschaft

In der Krise zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen, sagte einst Helmut Schmidt. Dies kann ich aktuell absolut bestätigen und ich bin überwältigt, welche Zusammenarbeit, welche Partnerschaft und Solidarität in diesen Tagen möglich ist. Die Zusammenarbeit mit unseren Industriepartnern ist durchweg sehr, sehr positiv.

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