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L&T kooperiert mit E-Sport-Factory

"Wir wollen zurück zum Erlebnis"

L&T
L&T-Geschäftsführer Thomas Ganter und Event-Chefin Stefanie Wendlinger
L&T-Geschäftsführer Thomas Ganter und Event-Chefin Stefanie Wendlinger

E-Sport – die nächste große Welle? Bei L&T eröffnet heute auf der abgedeckten Hasewelle eine Gaming-Arena. Was verspricht sich das Unternehmen davon? Das erklären Geschäftsführer Thomas Ganter und Event-Chefin Stefanie Wendlinger im TW-Interview.

Osnabrück ist nicht nur Heimatstadt des größten norddeutschen Modehauses L&T, sondern auch der ersten deutschen E-Sport-Factory – hier werden hochkarätige Turniere ausgetragen, aber hier wird auch hart trainiert. Jetzt hat L&T diese Profis ins Sporthaus geholt. Zweieinhalb Wochen heißt es Gaming total. Damit wollen die L&T-Macher nicht nur die jungen Gamer ins Haus locken, sondern auch deren Eltern überzeugen.


TextilWirtschaft: Surfen ist im Moment nicht erlaubt – dafür wird seit heute auf der abgedeckten Hasewelle gezockt. Passt das ins Sporthaus?
Stefanie Wendlinger: Man kann natürlich darüber diskutieren, inwiefern Videospieler Sportler sind. Das fragen sich vor allem deren Eltern. Auf dem Level, auf dem das in der E-Sport-Factory betrieben wird, ist das definitiv Sport – inklusive Mental- und Fitness-Coaching. Aber so wird das Thema heute ja gar nicht transportiert. Genau das zu ändern, hat sich die E-Sport-Factory auf die Fahne geschrieben. Immerhin ist das ein Leistungszentrum, wie es deutschlandweit kein zweites gibt. Weltklasseathleten kommen zur Vorbereitung nach Osnabrück.
Thomas Ganter: Wir haben letztes Jahr bei Citadium in Paris so eine Fläche gesehen. Also bei einem Young Fashion-Händler, der für Mode und für Sport steht. Die haben das richtig prominent im Erdgeschoss präsentiert, das fanden wir superspannend.


Was bieten Sie auf der Fläche an?
Wendlinger: Alles rund um E-Sport. Es gibt Gaming-Plätze und Renn-Simulator zum Zocken – natürlich nur jugendfreie Spiele. Samstags werden richtige Turniere ausgetragen, wenn alles klappt, können die Jugendlichen dabei sogar gegen Profis vom VfL Osnabrück antreten. Außerdem gibt es Merch-Kollektionen, die sonst im Handel gar nicht erhältlich sind, sondern nur bei den Teams selbst.
Ganter: Und die Möglichkeit, sich die ganze Gaming-Hardware vor Ort mal anzuschauen, diese sehr coolen, transparenten und farbig leuchtenden Rechner und Tastaturen in allen Farben – und auch zu kaufen. Das gibt es ansonsten im Prinzip nur online. Das ist das Angebot für die Zielgruppe der Gamer selbst.

L&T kooperiert mit E-Sport-Factory
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L&T kooperiert mit E-Sport-Factory

Und für die Eltern?
Für die gibt es Informationen. Zum Beispiel eine Abendveranstaltung mit einem Moderator, der selbst als Jugendlicher zum E-Sport kam, und der ganz konkrete Tipps und Hinweise gibt, etwa zum Thema Medienkonsum und Suchtprävention. Es werden aber auch immer Leute von der E-Sport-Factory auf der Fläche sein, die Fragen der Eltern beantworten können. Wir wollen also wirklich die ganze Familie ansprechen – wie man es von einem demokratischen Haus wie L&T erwarten darf.


Was versprechen Sie sich von dieser Aktion? Umsatz wohl kaum, oder?
Nein, darum geht es nicht. Wir wollen unserem Anspruch als Erlebnishaus so schnell wie möglich wieder gerecht werden. Ursprünglich hatten wir die Aktion für Herbst geplant. Aber da wir momentan die Welle nicht betreiben dürfen, haben wir das Thema jetzt nach vorne gezogen – pünktlich zum Ferienstart in Niedersachsen.


Wie bewerben Sie die Aktion?
Wendlinger: Wir nutzen unsere Social Media-Kanäle, die E-Sport-Factory ihre. Wir sind am Freitag zum Beispiel mit Stories auf Instagram gestartet, und das Interesse war vom Start weg sehr hoch.


Das Event läuft jetzt für zweieinhalb Wochen. Gibt es schon Pläne, das Thema E-Sport danach vielleicht auch im Haus zu integrieren?
Ganter: Nein. Denn auch wenn E-Sport mittlerweile eine riesige Branche ist – der Umsatz geht bis dato komplett am Handel vorbei. Ja, wir hätten Interesse, aber noch ist das Ganze für uns schwierig zu monetarisieren. Allein schon die Trikots, die man jetzt bei uns kaufen kann: Die gibt es gar nicht im Wholesale. Da ist die Branche noch nicht so weit.


Sie hoffen, bald wieder die echte Welle einschalten zu dürfen. Wenn Sie auf die vergangenen zwei Jahre zurückblicken: Hat sich die Investition gelohnt?
Die Welle hat ja mehrere Funktionen. Zum einen soll sie Spaß machen. Das macht sie. Und auch ihre Marketing-Funktion erfüllt sie definitiv. Sie ist ja fast schon ein Symbol geworden für das Thema Erlebnis-Shopping. Und was die laufenden Kosten angeht: Mittlerweile schaffen wir es, die Welle kostenneutral zu betreiben.


Würden Sie es wieder tun?
Auf jeden Fall würden wir eine solche Investition wieder wagen – aber vielleicht würde es heute keine Welle werden, sondern etwas anderes. Wir probieren gerne Sachen aus. Und für solche spielerischen Dinge werden wir sicher auch noch mehr Quadratmeter freimachen. Denn ich weiß nicht, ob wir unser großes Haus auch in Zukunft wirklich weiter komplett mit Ware befüllen werden. Die Kunden sollen gerne ihre Zeit bei uns verbringen, mit Shoppen, Essen, Trinken und mit Spielen.


Haben Sie schon konkrete Pläne?
Nein, konkret ist noch gar nichts. Aber wer weiß, vielleicht wird es in drei, vier Jahren eine tausend Quadratmeter große Gaming-Arena bei uns geben? Ein anderes Konzept, das wir spannend finden, ist zum Beispiel B8ta aus den USA, wo die Kunden wie in einem Showroom vor allem elektronische Geräte ausprobieren und dann bestellen können. Das macht einfach Spaß. Ich habe da direkt eine elektrische Zahnbürste gekauft, die ich nicht brauche, mein Kollege einen Ring zum Pulsmessen. Wenn da jemand käme mit der Expertise, so ein Sortiment zusammenzustellen, dann könnten wir uns den zum Beispiel als Untermieter vorstellen.

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