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Amer Sports, Jack Wolfskin, Dakine

Das steckt hinter den Übernahmen


Jack Wolfskin wird Teil des Callaway-Portfolios
Jack Wolfskin wird Teil des Callaway-Portfolios

Chinesen greifen nach Amer Sports, Jack Wolfskin kommt unter das Dach von Callaway Golf, Dakine ist verkauft. Drei Nachrichten innerhalb weniger Tage, an denen sich die dynamische Konsolidierung der Branche ablesen lässt.

Amer Sports

Allen voran die avisierte Übernahme von Amer Sports (u.a. Peak Performance, Arc'teryx, Atomic, Salomon, Wilson) durch ein Investoren-Konsortium mit dem chinesischen Sport-Konzern Anta an der Spitze. Mit einem  Volumen von 4,6 Mrd. Euro wäre das der größte Sport-Deal der vergangenen Jahre. Wenn denn die Amer-Aktionäre das Übernahme-Angebot des Investoren-Konsortiums annehmen, das in etwa einer Woche konkretisiert werden soll. Ihnen werden 40 Euro je Aktie geboten, aktuell notiert die Aktie bei 38,45 Euro. Im Vergleich zum letzten Tageskurs vor Bekanntwerden des Übernahmeinteresses von Anta im September markiert dieses Angebot einen Zuschlag von 39%.

Amer Sports-CEO Heikki Takala betont die Chancen durch den Einstieg der Investoren, um, „unser starkes nachhaltiges profitables Wachstum fortzusetzen und unsere strategischen Prioritäten wie Bekleidung, D2C-Geschäft und China weiter zu beschleunigen“. Amer Sports soll eigenständig und vom bestehenden Management-Team weiter geführt werden.

Beim Umsatzniveau sind Anta und Amer auf Augenhöhe: Die Erlöse der Chinesen beliefen sich 2017 auf 2,65 Mrd. Dollar (2,29 Mrd. Euro), die Finnen setzten 2,69 Mrd. Euro um. Unterschiede gibt es jedoch bei der Profitabilität: Mit einem Gewinn von 491 Mio. Euro hat Anta deutlich mehr verdient als der Übernahmekandidat, der nur 93 Mio. Euro Nettogewinn erzielte. Das spiegelt sich auch im Börsenwert beider Unternehmen wider: Amer Sports ist 4,5 Mrd. Euro wert, Anta mehr als doppelt so viel.

Anta hat schon seit längerem ein Auge auf internationale Sportmarken geworfen. Neben der eigenen Brand Anta gehören auch Lizenzen von Fila und Descente zum Portfolio. Firmenchef Ding Shizhong kündigte Anfang des Jahres an: „Wir sind weiterhin auf der Suche nach internationalen High End-Sportswear-Brands mit hohem Wachstumspotenzial, um die Sportswear-Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen und um die Lücken zwischen den verschiedenen Marktsegmenten zu füllen.“ Für Amer Sports wiederum ist China – wie für alle großen Sport-Brands – eines der erklärten Wachstumsfelder. Seit 2010 stiegen die Jahresumsätze im Reich der Mitte von 13 Mio. Euro auf über 120 Mio. Euro.

Bis dato ist der Erfolg vieler Sport-Brands in China wohl vor allem auf das Interesse der Chinesen an internationalen Marken zurückzuführen, und noch nicht auf „echtes“ Sport-Interesse. Wenn das dazukommt, nicht zuletzt aufgrund der staatlichen Förderung, könnte das der gesamten Branche einen Riesen-Schub geben. Und sich die Übernahme eines vergleichsweise erschwinglichen internationalen Sport-Konzerns mit einer starken Performance-Ausrichtung doppelt auszahlen.

Jack Wolfskin

Auch bei Jack Wolfskin, die nach einer wahren Investoren-Odyssee der vergangenen Jahre nun für 418 Mio. Euro unter das Dach eines anderen Sport-Konzerns schlüpfen, betonen sowohl Übernehmer als auch Übernommener die Chancen, die sich für beide ergeben. „Wir freuen uns darauf, Teil des Portfolios aus Premium-Active-Lifestyle-Marken von Callaway zu werden. Callaway hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es in seine übernommenen Marken investiert, für Innovationen steht und weiß, wie man Marken weiter aufbauen kann“, so Jack Wolfskin-Chefin Melody Harris-Jensbach, die das Unternehmen weiter führen soll. 2019 wird sie besonders in die Steigerung der Markenbegehrlichkeit investieren. „Das soll vor allem über das Produkt passieren, aber auch über den weiteren Ausbau unserer Omnichannel-Aktivitäten“, erklärt Harris-Jensbach. Ein weiterer Fokus liege auf der Sustainability-Strategie.

Was die weitere Internationalisierung angeht, liegt ihr Hauptfokus - neben den Kernmärkten - auf der Entwicklung des Geschäfts in UK und China, großes Potenzial sieht sie perspektivisch auch in den USA. Das betont auch Chip Brewer, CEO von Callaway Golf. Beide Unternehmen würden sich nicht nur vom Angebots-Portfolio und saisonal optimal ergänzen, sondern auch, was die geografische Verbreitung angeht. Callaway hat Nachholbedarf in der DACH-Region und in China, kann aber andererseits Jack Wolfskin auf den Märkten Nordamerika, Japan und Korea unterstützen. Inwiefern aber Callaway-Kunden tatsächlich auch die richtigen Händler für Jack Wolfskin seien, müsse sich zeigen.Sourcing, Logistik und Distribution  – in diesen drei Feldern sieht Brewer klassischerweise Synergiepotenziale. Ein Beispiel: Bisher läuft die gesamte Europa-Distribution entweder direkt ab Fabrik oder über das Vertriebszentrum in UK. Künftig könne man auch das Jack Wolfskin-Vertriebszentrum in Hamburg nutzen.

Brewer hat bei der Entscheidung für Jack Wolfskin offenbar keine überzogenen Erwartungen zugrunde gelegt. Er rechnet für 2019 mit gleichbleibenden Umsätze und aufgrund höherer Investitionen sogar mit einem Rückgang des Ebitda. Dieses lag im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr 2017/18 (30. September) bei rund 42 Mio. Euro. Mit Umsatz-Wachstum im mittleren einstelligen Bereich rechnet Brewer ab 2020.

„Der Wettbewerb im Outdoor-Markt hat stark zugenommen“, betont Harris-Jensbach. „Nicht nur durch den Eintritt neuer internationaler Player, sondern auch durch die wachsende Bedeutung von Sport und Technologie im Modesektor. Außerdem wächst der Druck von Seiten der globalen Online-Unternehmen. Um langfristig in diesem Marktumfeld zu bestehen, muss man sich ständig weiterentwickeln und den Ansprüchen der Kunden bestmöglich gerecht werden.“ Eine jüngere Zielgruppe versucht Jack Wolfskin auch, über neue Marketingtools und Kommunikationskanäle anzusprechen. „Die Erschließung neuer Marktanteile in Europa und global eröffnet uns Zugang zu neuen Kunden und Zielgruppen.“

Dakine

Der neue Eigner des Rucksack- und Taschenspezialisten Dakine will die Aktivitäten unter dem Namen Dakine auszubauen. Man wolle die Marke neben dem aktuellen Kerngeschäft mit Rucksäcken und Taschen für Schnee-, Surf- und Radsport künftig in „aufregende, bisher unentdeckte Gewässer führen”, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Marquee Brands hat sämtliche Rechte an der Marke erworben. Gleichzeitig wurde ein langfristiges Lizenzabkommen mit dem Unternehmen JR286 getroffen, das das operative Dakine-Geschäft übernimmt.

Dakine ist nicht die erste Sports-Brand im Portfolio von Marquee Brands. Vor zwei Jahren übernahm der Investor bereits Body Glove. „Body Glove ist unsere erste Akquisition im Bereich Active und Outdoor, der ein Fokus für unsere Weiterentwicklung sein wird“, erklärte damals Zachary Sigel, Director of Marquee Brands. Marquee Brands erwirtschaftet einen Gruppenumsatz von rund 1,5 Mrd. US-Dollar (rund 1,3 Mrd. Euro). Zum Portfolio gehören außerdem die Labels Bruno Magli, Ben Sherman, BCBG Max Azria sowie BCBG Generation.



 

 

 

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