TW Sports
Initiative des Online-Händlers Bergzeit

Stichwort Sustainability: Der Kunde will es einfach

Bergzeit
Um dem Kunden einen möglichst komfortablen Überblick zu bieten, setzt der Online-Händler Bergzeit auf eine differenzierte Nachhaltigkeits-Kategorisierung.
Um dem Kunden einen möglichst komfortablen Überblick zu bieten, setzt der Online-Händler Bergzeit auf eine differenzierte Nachhaltigkeits-Kategorisierung.

Nachhaltig ist nicht gleich nachhaltig. Der Online-Händler Bergzeit will mit seiner neuen Initiative Klarheit schaffen. Und Mehrwert für Kunden und Marken bieten.

Hauptsache raus – die wochenlangen Einschränkungen des alltäglichen Lebens haben diesen Wunsch bei vielen Menschen verstärkt. Davon profitiert auch der Online-Spezialist Bergzeit. Nachdem der Umsatz Mitte März mit Beginn des Shutdown kurzzeitig weggebrochen war, erholte sich das Geschäft schnell und sorgte in den Monaten April und Mai für außergewöhnlich gute Umsätze – trotz Schließung der beiden stationären Bergzeit-Filialen.

Außergewöhnlich gute Umsätze in einer Zeit, in der es bei Bergzeit ohnehin viel zu tun gab. Anfang Mai präsentierte der Bergsport-Spezialist seine neue Nachhaltigkeitsinitiative. Etwa ein Jahr Arbeit steckt in dem Projekt, das den Verbrauchern einen detaillierten Marktüberblick über die Möglichkeiten nachhaltigen Einkaufens geben soll.

Im Rahmen der neuen Strategie wird bei der Erfassung jedes Produkts darauf geachtet, ob es in das MUT-Nachhaltigkeitsraster passt: Erfüllt das Produkt bestimmte Kriterien und entspricht damit besonderen sozialen (Mensch), ökologischen (Umwelt) und/oder tierwohlbezogenen (Tier) Anforderungen?


Diese Katalogisierung der Produkte war – und ist – extrem aufwendig, berichtet Sustainability Managerin Sarah Lenz. Die Lieferanten schicken zwar die Daten, eingepflegt werden sie aber von der Bergzeit-Produktredaktion. Mit welchen offiziellen Siegeln ist der Lieferant bzw. das Produkt versehen? Ist es PFC-frei? Wurde es klimaneutral produziert? Stammt die verwendete Wolle von Tieren aus artgerechter Haltung? Und und und. Im besten Fall gibt es einfache Antworten auf komplexe Fragen.

Überblick über die aktuell erfassten Siegel:

Siegel in der Kategorie Mensch:
Fair Wear Foundation (FWF)
Fairtrade
GOTS
Grüner Knopf

Siegel in der Kategorie Umwelt:
Bio-Baumwolle
Bluesign
BPA-frei hergestellt
Outdoor-Produkte mit recycelten Materialien
GOTS
Grüner Knopf
Klimaneutral
Lyocell Tencel
Oeko-Tex 100
PFC-frei hergestellte Imprägnierungen
PVC-frei hergestellte Outdoor-Materialien
Umweltfreundliches Leder

Siegel in der Kategorie Tier:
Daune aus artgerechter Haltung
Responsible Down Standard
Responsible Wool Standard
Vegan hergestellt
Wolle aus artgerechter Haltung

Und so positiv die Reaktionen der Lieferanten auch waren, als Bergzeit ihnen die Initiative vorgestellt hat, so konstatiert Bergzeit-Geschäftsführer Martin Stolzenberger: „Alles was mit Product Content zu tun hat, ist sehr aufwendig von den Marken zu bekommen. Leider sind nach wie vor nur sehr wenige Anbieter darauf eingestellt, Daten in dem richtigen Format zu liefern.“ Vielversprechend laufe die Arbeit mit Loadbee an, der Plattform für Content Syndication. Ein glücklicher Zufall, dass die Loadbee-Einführung in eine Zeit fiel, in der Bergzeit noch mehr Produktinformationen seiner Lieferanten abfragt.

Bergzeit-Geschäftsführer Martin Stolzenberger: „Wir arbeiten sehr stark an Bergzeit als Marke. Wir tun deutlich mehr als das reine Verkaufen von Produkten. Und mit unserem Zugang zu den Kunden sind wir auch eine gute Marketing-Plattform für die Marken. ich bin sicher, dass wir da einen ganz guten Weg eingeschlagen haben, um einen Mehrwert zu bieten.“
Bergzeit
Bergzeit-Geschäftsführer Martin Stolzenberger: „Wir arbeiten sehr stark an Bergzeit als Marke. Wir tun deutlich mehr als das reine Verkaufen von Produkten. Und mit unserem Zugang zu den Kunden sind wir auch eine gute Marketing-Plattform für die Marken. ich bin sicher, dass wir da einen ganz guten Weg eingeschlagen haben, um einen Mehrwert zu bieten.“

„Wir wollten nicht einfach nur das Siegel 'nachhaltig' verleihen – eine Herangehensweise, mit der andere Händler durchaus erfolgreich sind – sondern auf Produktebene erläutern, in welcher Hinsicht dieses Produkt besonders nachhaltig ist“, so Lenz. „Nachhaltig ist nicht gleich nachhaltig. Leute legen auf unterschiedliche Dinge wert“, ergänzt Stolzenberger. „Deswegen gibt es bei uns keine No-Go-Kriterien. Zumindest Stand heute nicht.“ Heißt konkret: Eine Jacke mit PFC-freier Membrane erhält das Siegel „PFC-frei“. Das heißt allerdings nicht, dass eine Jacke mit PFC-Membrane nach Bergzeit-Kriterien nicht nachhaltig sein kann.

Die Entscheidung, wie nachhaltig zum Beispiel eine Patagonia-Jacke mit PFC-Membran ist, wird dem Kunden überlassen. „Unsere MUT-Kategorisierung bietet ja gerade den Vorteil, dass der Kunde auf der Produktdetailseite sieht, warum ein Produkt in der jeweiligen Kategorie aufgeführt wird“, so Lenz. „Aber natürlich ist das auch immer wieder eine Gratwanderung.“

Bislang fallen im Gespräch mit Stolzenberger und Lenz zum Thema Nachhaltigkeit immer wieder die Namen Vaude und Patagonia. „Aber die Herausforderung ist es ja gerade, neben diesen Vorzeigemarken auch die ganzen kleinen zu clustern und denen mehr Sichtbarkeit zu geben.“ Daneben gehe es durchaus auch darum, den Marken einen Ansporn zu geben, aktiver zu werden in Richtung Nachhaltigkeit, so Stolzenberger über die neue Initiative, die für das Unternehmen ein Baustein der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie ist.

Und natürlich beobachtet er Initiativen anderer Händler sehr aufmerksam. Beispiel Zalando. Hier hat man sich zum Ziel gesetzt, die ethischen Standards bis 2023 schrittweise zu erhöhen und nur mit Partnern zusammenzuarbeiten, die diese erfüllen. Kann sich Stolzenberger vorstellen, Produkte, die durch das MUT-Raster fallen, irgendwann einmal auszulisten? „Das ist momentan nicht geplant.“ Der Bergzeit-Chef spricht nicht gerne von „Auslisten“ und betont erneut, dass man die Entscheidung dem Kunden überlasse. „Aber wir arbeiten durchaus daran, dass auch wir das in Zukunft umsetzen könnten.“

Er geht allerdings nicht davon aus, dass die Kunden bereit sind, für nachhaltige Produkte mehr zu zahlen. Was heißt das? „Dass wir von unseren Lieferanten verlangen, marktkonforme Preislagen anzubieten. Unsere Aufgabe ist es dann, ein hochwertiges Umfeld zu bieten, so dass diese Preise auch erzielt werden können.“ Tendenziell hätten die Marken, denen man mit dem Thema Nachhaltigkeit mehr Sichtbarkeit geben könne, ein besseres Vertriebsmodell und ermöglichten es dem Händler, weniger in den Preiskampf zu gehen. Eine Strategie für nachhaltigen Erfolg.
Bergzeit in Zahlen
- Zahl der Produkte im Shop: etwa 40.000
- Anteil der Produkte mit MUT-Kennzeichnung: 30%
- Zahl der Lieferanten: rund 500
- Umsatz im Geschäftsjahr 2019/20 (28. 2.): 82 Mio. Euro (+23% im Vergleich zum VJ)
- Der Jahresüberschuss wurde "deutlich verbessert", er lag 2018/19 bei 549.000 Euro 
- Umsatzprognose laufendes Geschäftsjahr: Geplant ist ein Plus von mehr als 20%. In den aufgelaufenen Monaten liege man über Plan.
- Über 500.000 Kunden aus 23 Ländern
- 12 Mio. Seitenaufrufe / 2,6 Mio. Besucher pro Monat
- Bergzeit wurde 1999 von Klaus Lehner als Tourenportal gegründet. Seit 2012 gehört das Unternehmen zur Südtiroler Sportler AG, die wiederum Teil der Oberrauch-Gruppe ist.
stats