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Ungewisse Zukunft der Otto-Tochter

SportScheck: Verkauf rückt offenbar näher


Sportscheck
Wohin führt der Weg von SportScheck in Zukunft? Anzeichen für einen Inhaberwechsel mehren sich.
Wohin führt der Weg von SportScheck in Zukunft? Anzeichen für einen Inhaberwechsel mehren sich.

Über die Zukunft von SportScheck wird nicht erst seit gestern spekuliert. Aktuell werden die Gerüchte um einen möglichen Verkauf der verlustbringenden Otto-Tochter allerdings befeuert durch Berichte im Manager Magazin und im Hamburger Abendblatt.

Was ist neu? Wie das Manager Magazin schreibt, gingen die Verhandlungen bereits in die Schlussrunde. Initiiert worden seien sie von Sven Seidel, der 18 Monate lang im Otto-Vorstand für Multichannel-Retail verantwortlich war. In dieser Funktion hatte Seidel, der Otto allerdings verlässt, ein Hauptaugenmerk auf der Sport-Tochter. Mag sein, dass dem früheren Lidl-Chef Seidel die Geduld für den nach wie vor nicht abgeschlossenen Umbau von SportScheck fehlte.

Neu − wenn auch nicht überraschend − ist auch der Name des vermeintlichen Verhandlungspartners: Signa Retail. Signa kommentiert die Gerüchte nicht. Auch die Otto Group äußert sich wie gewöhnlich nicht zu Marktgerüchten. Nur so viel: „Dass SportScheck derzeit am Markt zu kämpfen hat und noch rote Zahlen schreibt, ist bekannt. Zu einer seriösen Unternehmensführung gehört aus Sicht der Otto Group deshalb immer auch die Prüfung verschiedener Optionen im Hinblick auf eine strategische, zukunftsgerichtete Weiterentwicklung des Businessmodells”, sagt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der TW. „Als Otto Group befinden wir uns deshalb ständig in Gesprächen, auch mit Marktpartnern.”

In den nächsten Jahren will die Gruppe vor allem in die „Konzerngesellschaften mit besonders vielversprechenden Wachstums- und Ertragsperspektiven” investieren. Die sogenannten Fokus-Unternehmen sind About You, Otto.de, Bonprix, Crate and Barrel, die Mytoys-Gruppe, die Witt-Gruppe sowie im Segment Service Hermes Europe und im Segment Finanzdienstleistungen die EOS Gruppe.

Diese Unternehmen stehen für rund 80% der Konzernumsätze und konnten im zurückliegenden Geschäftsjahr in Summe den Umsatz um 6,1% steigern. „Dies zeigt, dass wir unseren Investitionsschwerpunkt richtig gelegt haben und mit den Fokusunternehmen sowohl ein überdurchschnittliches Wachstum erzielen als auch zukünftig wieder eine bessere Rendite erwirtschaften”, sagte Vorstandschef Alexander Birken bei der Präsentation der Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr.

Ein Verkauf an Signa wäre plausibel

SportScheck gehört nicht zu Ottos Fokus-Unternehmen. Ein Verkauf an Signa ist durchaus denkbar. Der Aufbau von Signa Sports United zur größten Online-Plattform für Sport ist erklärtes Ziel, das zuletzt erst wieder mit dem Kauf des Multichannel-Anbieters Tennis Pro bekräftigt wurde. In diesem Zuge kündigte Signa Sports United weitere Akquisitionen an. Das Unternehmen befinde sich in „fortgeschrittenen Gesprächen mit anderen Unternehmen.”

Signa Sports United ist europaweit aktiv und fokussiert sich auf die Kategorien Bike, Tennis, Outdoor, Teamsport und Athleisure. Zum E-Commerce-Anbieter gehören Händler wie Fahrrad.de, Bikester, Campz und Addnature, Tennis-Point, Outfitter und Stylefile. Dass allerdings der Radius auch auf Regionen außerhalb Europas ausgeweitet werden soll, zeigte sich spätestens Ende 2018 mit der strategischen Partnerschaft mit zwei asiatischen Handelsriesen Aeon und Central Group.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2017/18 (30. September) hat der Berliner Online-Shop-Betreiber nach eigenen Angaben einen profitablen Umsatz von 442 Mio. Euro erwirtschaftet. Im laufenden Geschäftsjahr falle das organische Umsatzwachstum bei „stabilen Margen hoch zweistellig” aus. Zu Signa Retail gehört neben Signa Sports United mit den Online-Spezialisten-Formaten auch Karstadt Sports. Am 28. September eröffnet dieses Signa-Format allein fünf neue Filialen, vier davon in früheren Häusern der einstigen Kaufhof-Tochter Sportarena.

Interessant könnte der Multichannel-Anbieter SportScheck mit seinen aktuell 17 Filialen vor allem aufgrund des Plattform-Ansatzes sein, den SportScheck-Chef Markus Rech seit seinem Amtsantritt konsequent verfolgt. Der trägt erste Früchte: Zwar schreibt SportScheck noch immer rote Zahlen und musste 2018 Umsatzeinbußen verzeichnen (minus 2% auf 280 Mio. Euro), doch das Online-Business wächst. Ebenso wie die Zahl der Partner, mit denen SportScheck sein Angebot rund um das Ökosystem Sport ausbaut. Vor allem die Integration der Erlebnis-Plattform Fitfox könnte SportScheck aus Signa-Sicht zu einer interessanten und komplementären Ergänzung des bisherigen Portfolios machen.
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