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Nach den ersten digitalen Salesmeetings

Kommt jetzt die digitale Order?

Schöffel

Schöffel, Vaude und Mammut ziehen nach den ersten digitalen Salesmeetings eine positive Bilanz. Auch wenn der persönliche Kontakt fehlt – das Format wird sich auch nach Corona nachhaltig verändern. Die Order auch.

Wer Unternehmer nach ihren Learnings aus der Corona-Krise fragt, bekommt von fast jedem zwei Punkte zu hören: Digitalisierung beschleunigen und intensiver kommunizieren. In diesen Tagen finden die ersten digitalen Salesmeetings statt. Und damit in vielen Unternehmen die ersten digitalen Veranstaltungen, bei denen bis zu mehreren Hundert Teilnehmern nicht nur Kollektionsinformationen vermittelt werden sollen, sondern auch Begeisterung, Inspiration und Motivation geweckt.

Für alle Unternehmen ist es ein neues Format, das innerhalb weniger Wochen entwickelt werden musste. Dabei fanden sie ganz unterschiedliche Lösungen: Schöffel etwa wählte als Setting das Augsburger Textil- und Industriemuseum und engagierte einen professionellen Moderator, der durch die Veranstaltung führte. Mammut baute drei Studios am Firmensitz in Seon auf, aus denen zu unterschiedlichen Zeiten für die Regionen EMEA, Nordamerika und Apac gesendet wurde. Und die Oberalp-Gruppe öffnete ihre Händler-Convention, die erstmals nur virtuell stattfand, ausdrücklich auch für Endverbraucher.

Und auch wenn Kernpunkt der Veranstaltungen die Produkte waren, so nahm etwa bei Schöffel auch das Thema Marke großen Raum ein. Marketingchef Reiner Gerstner erläuterte die überarbeitete CI, wie die Marke Schöffel verjüngt werden soll und warum der neue Claim „Don’t waste your time….“ englisch ist: „Manche Botschaften funktionieren nur auf Englisch – so wie ‚Ich bin raus‘ nur auf Deutsch funktioniert.

Schöffels digitales Salesmeeting 2020 im Video


Für die Vermittlung von Informationen – ob zum Produkt, zur Marke oder zur Vertriebsstrategie – eignet sich das digitale Format definitiv, darin sind sie die Verantwortlichen von Schöffel, Mammut und Vaude einig. „Der Informationstransfer war großartig“, so etwa Manfred Meindl, Marketingleiter bei Vaude. „Die Workshops haben sehr gut funktioniert, die Produktpräsentationen waren deutlich professioneller und dadurch, dass die Außendienstler sich die Videos jetzt auch immer wieder anschauen können, wird sogar mehr Information rübergebracht als im klassischen Salesmeeting.“

Räumliche Distanz kann Diskussione erleichtern

Mammut-Chef Oliver Pabst fand das Feedback der über 300 Teilnehmer aus der ganzen Welt „extrem interessant“: „Uns als Sender hat die Audienz gefehlt, klar. Für die Mitarbeiter an den Bildschirmen hatte dieses Format allerdings sogar etwas Intimeres, sie hatten das Gefühl, in der ersten Reihe zu sitzen. Und bei den Diskussionen konnte man beobachten, dass die räumliche Distanz es offenbar einigen Mitarbeitern leichter machte, sich aktiv zu beteiligen, so dass es zu wirklich sehr guten Diskussionen kam.“

Um neben der Informationsvermittlung auch in einem virtuellen Sales-Meeting zu inspirieren, motivieren und Emotionen rüberzubringen, setzte etwa Schöffel unter anderem auf Einspieler mit Athleten wie Gerlinde Kaltenbrunner und Roman Rohrmoser, die unter schwierigsten Corona-Voraussetzungen produziert wurden.

Digital-Inhalte sollen über die Events hinaus genutzt werden

So entstand wertvoller Content, den Schöffel nun weiter intensiv nutzen wird. Das produzierte Material ist modular aufgebaut und darauf ausgerichtet, sowohl die Sell-In-Phase des Vertriebs als auch die Sell-Out-Phase des digitalen und stationären Handels zu unterstützen. Großen Aufwand betrieb das Team, um eine Alternative für die Modenschau zu entwickeln – zumal für kommenden Sommer die erste Bike-Kollektion vorgestellt wird, für die es einen progressiven Rahmen zu finden galt. Das Ergebnis ist eine neue Form der Produktpräsentation in einer sieben Meter langen „White Box“, in der die Models die Kleidungsstücke in cleanem Ambiente inszeniert vorführen.

Dass allen Mitarbeitern solch hochwertiger Content schon zu diesem frühen Zeitpunkt zur Verfügung gestellt werden kann, ist auch aus Sicht von Manfred Meindl ein großer Pluspunkt, mit dem das Handicap des fehlenden persönlichen Austauschs zumindest etwas kompensiert werden kann.

„Das Digital Sales Meeting ist der logische nächste Schritt in der fortlaufenden Digitalisierung unseres Unternehmens“, so Peter Schöffel, geschäftsführender Gesellschafter bei Schöffel Sportbekleidung. „Mit den technologischen Fortschritten und auch Erfahrungen aus diesem Sales Meeting sind wir bestens aufgestellt für künftige Veranstaltungen dieser Art – ganz flexibel und vor allem nachhaltig.“

Der Showroom-Besuch bleibt nach wie vor als Option

Auch für Mammut-Chef Pabst war das digitale Salesmeeting ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen Form der Kommunikation mit den Mitarbeitern und mit den Kunden. „Die Taktung an Abstimmungsmeetings wird zunehmen. Die werden kürzer und effizienter.“


Kommt nach den digitalen Salesmeetings nun die digitale Order? „Wir glauben, dass kein digitales Tool das persönliche Gespräch mit dem Kunden ersetzen kann“, sagt Meindl. Doch die Anforderungen an das Unternehmen in der nun startenden Phase sind in dieser Saison hoch: „Denn spätestens mit der Absage der OutDoor in München war klar, dass wir sicherstellen müssen, uns flexibel über möglichst viele Wege zu präsentieren.“ Das digitale Order-Tool wurde den Mitarbeitern jetzt vorgestellt.

Auch bei Mammut wird der Besuch im Showroom, dort wo es möglich ist, weiter eine Option bleiben. „Aber unsere Kunden erwarten ausdrücklich von uns, dass wir fit sind für den digitalen Verkauf“, so Pabst. „Die schulen ihre Leute auch für die digitale Order. Da müssen dann natürlich auch Handgriffe wie Screen-Sharing sitzen.“

Da sein, wo die Kunden sind – eine Anforderung, der sich spätestens mit der nun startenden Orderrunde auch die Vertriebsteams der Industrie stellen müssen. „Den einen richtigen Weg gibt es nicht mehr“, so Meindl.
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