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Neue Mitspieler in Heilbronn

Kommen und Gehen bei Intersport

11teamsports
Von dem neuen Mitspieler 11teamsports verspricht sich Intersport mehr Teamsport-Services für ihre Mitglieder.
Von dem neuen Mitspieler 11teamsports verspricht sich Intersport mehr Teamsport-Services für ihre Mitglieder.

Intersport-Vorstand Mathias Boenke steigt aus, Fußball-Marktführer 11teamsports steigt ein. Wichtige Weichen für die Stärkung der Marke Intersport wurden zuvor schon gestellt.

Intersport scheint nicht zur Ruhe zu kommen. Gerade erst hat sich die Führung in Heilbronn nach dem Ausscheiden von Finanzchef Hannes Rumer mit dem neuen CFO Thomas Storck verstärkt. Jetzt geht der nächste Vorstand: Mathias Boenke. Und die Komplettierung des Gremiums ist schon wieder passé. Seit knapp zwei Jahren ist Boenke für die Mitglieder im Verbund zuständig, über deren Tür das Intersport-Schild hängt, die so genannten CI-Mitglieder. Bis Ende September kommenden Jahres läuft sein Vertrag noch, nun hat der 54-Jährige den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er diesen nicht verlängern möchte.

Fast zeitgleich verkündet Intersport den Gewinn eines schlagkräftigen neuen Mitglieds für den Verbund: Mit 11teamsports wird der größte Teamsport-Spezialist Europas neuer Kooperationspartner. Gelandet hat diesen Coup Boenkes Vorstandskollege Frank Geisler, der für die Partner der Gruppe zuständig ist, die nicht unter dem Intersport-Banner am Markt auftreten: also Unternehmen wie SportScheck und Engelhorn Sports, Reischmann und Sporthaus Schuster, L&T und ab dem 1. Oktober auch 11teamsports.

Neuer CI-Vertrag definiert Rahmenbedingungen

Der Marken-Mensch Boenke hat sich entschieden, Intersport zu einem Zeitpunkt zu verlassen, an dem wichtige Weichen für die Stärkung der Marke Intersport gestellt sind. In den vergangenen Wochen haben alle Mitglieder einen neuen CI-Vertrag erhalten, der die Rahmenbedingungen für alle Läden unter der Marke Intersport definiert. Wie muss der Ladenbau aussehen? Wie viele digitale Elemente muss es am POS geben? Punkte, die in dem 15-seitigen Vertrag ebenso geregelt werden wie Warenwirtschaft, Kundenkarte, Return anywhere usw. Dazu gibt es ein so genanntes Profilierungshandbuch mit bildlicher Darstellung der Mindeststandards auf rund 60 Seiten.

„Die Inhalte dieses CI-Vertrages wurden in den vergangenen 24 Monaten intensiv mit den Leitern der Erfa-Gruppen erarbeitet“, sagt Intersport-CEO Alexander von Preen. „Und da sind alle Händler eingeladen, diesen Weg mit uns zu gehen. Wenn man diesen CI-Vertrag nicht unterschreiben möchte, heißt das nicht, dass man die Genossenschaft verlassen muss – allerdings kann man dann nicht mehr unter der Marke Intersport auftreten.“ Noch ein Jahr haben die Händler Zeit, sich zu entscheiden. „Je mehr Händler unterschreiben, desto besser für unsere Positionierung und die Flächenpräsenz der Marke Intersport im Markt.“

Keine Marke ohne Marketing

Wer unterschreibt, kann von der Marke Intersport profitieren. Das kann für den ein oder anderen allerdings teuer werden. „Wir setzen mit diesem neuen Vertrag aber lediglich ein Marken-Umfeld um, zu dem man sich als CI-Mitglied schon vor Jahren bekannt hat“, betont von Preen. „Für die Händler, die diese Rahmenbedingungen nicht gelebt haben, für die bedeutet das Investitionen.“ Finanziell sei das Gros der Mitglieder allerdings „momentan sehr gut aufgestellt“, so von Preen. „Unsere Händler zahlen zu 93 bis 98% im ersten Zahlungsziel. Auf dieser sehr validen Grundlage darf man von Stabilität und Solidität ausgehen.“

Verknüpft ist die Unterschrift darüber hinaus mit einer Marketingabgabe. „Die brauchen wir, um in die Dachmarke Intersport zu investieren – so wie wir das in Österreich etwa schon lange machen. Diese Marketingabgabe beläuft sich auf 0,3% vom Umsatz. Idealerweise entstehen für den Händler keine Kosten on top, sondern eine Verschiebung seines Marketingbudgets.“ Ein zentrales Thema sind auch die Eigenmarken des Verbunds, allen voran McKinley (Outdoor), Energetics (Training) und Pro Touch (Running und Teamsport). Auf bis zu 25 % soll der Anteil dieser Eigenmarken erhöht werden, derzeit liegt er im Schnitt bei 14 bis 15%.

Erstmals wird selektiver Vertrieb vertraglich geregelt

Vertraglich festgelegt werden erstmals auch Richtlinien zum selektiven Vertrieb – primär zum Schutz der Eigenmarken. Ein heikles Thema, bei dem nicht nur kartell- und genossenschaftsrechtliche Anforderungen, sondern auch die Satzung berücksichtigt werden musste. „Dieser Wunsch kam fast einstimmig aus der Händlerschaft“, so von Preen. Verankert werden diese Richtlinien in den neu formulierten Liefer- und Zahlungsbedingungen, die am 1. Januar 21 in Kraft treten. Ähnlich wie beim CI-Vertrag gibt es Style-Guides für eine angemessene Warenpräsentation am POS und im E-Com. „So können wir unsere Markenführungsstrategie ‚Best in Sports‘ über das Category Management umsetzen und dadurch weitere exklusive Artikel von der Industrie in das Marken- und Produkt-Portfolio aufnehmen.“

Eine Baustelle ist allerdings nach wie vor das Online-Geschäft. Auf der Intersport-Plattform sind mittlerweile über 400 Geschäfte als Verkäufer aktiv, etwa ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Zwar liegt der Fokus des Verbunds angesichts der Mitgliederstruktur klar auf dem Stationärgeschäft, aber auf Sichtbarkeit im Netz kann der größte Verbund im Sportfachhandel nicht verzichten. „Wir müssen im Verbund auf durchschnittlich 20 bis 25% Online-Anteil kommen, um eine veritable Positionierung in dem Umfeld zu haben. Der hiesige Markt wird durch ganz wenige Plattformen dominiert. Das gilt es aufzubrechen, damit man in Zukunft Intersport auch im Netz findet.“

Neue Services am POS durch 11teamsports-Partnerschaft

Wer Teamsport-Ausrüstung im Netz sucht, kommt an 11teamsports hingegen nicht vorbei. Mit diesem neuen Kooperationspartner holt sich Intersport den europaweiten Marktführer an Bord. Neben einem starken Online-Business betreibt dieser über 30 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz – nicht alle selbst, sondern auch durch Franchisenehmer.

Darüber hinaus ist 11teamsports Ausstatter bzw. Ausrüster zahlreicher Amateur- und Profi-Fußballvereine. Vor allem aber, und das macht den neuen Partner für die Intersport-Händler interessant, ist das Unternehmen Lizenz-Partner des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für den Bereich Name & Numbering. Alle Zahlen und Buchstaben, mit denen Trikots der deutschen Nationalelf beflockt werden, kommen von 11teamsports.

Sport2000 nimmt Ende der Partnerschaft sportlich

Des einen Freud ist des anderen Leid: Die Partnerschaft des Teamsport-Marktführers mit dem anderen großen Sporthandelsverbund Sport2000 endet am 30. September. In Mainhausen nimmt man es sportlich. „Wir sind stolz darauf, dass wir in den vielen Jahren der engen Partnerschaft einen Beitrag zu der positiven Entwicklung von 11teamsports leisten konnten“, so Geschäftsführer Hans-Hermann Deters. „Mit dieser erfolgreichen Entwicklung ging allerdings auch eine zunehmende dominante Marktführerschaft eines Händlers innerhalb der Sport2000-Gruppe einher, die aus vielen unabhängigen, inhabergeführten Unternehmen im Teamsport-Bereich besteht.“ Darunter Flaggschiffe wie Sport Pasch, Sporthaus Gösch, Teamsport Philipp, Cawila, Sport Böckmann, Sport Klahsen, aber auch die Signa Sports United-Tochter Outfitter.

Mitgliederentwicklung bei Sport2000 und Intersport

Was die Entwicklung der Mitgliedszahlen angeht, hatte Mainhausen in den vergangenen Jahren die Nase vorn. Intersport konnte zwar die Zahl der Verkaufsstellen von rund 1350 auf 1500 steigern. Erzielt wurde dieses Wachstum über eine Filialisierung der Mitglieder. Deren Zahl ist jedoch rückläufig: Sie ist in den vergangenen Jahren um 10% auf rund 900 gesunken.

Sport 2000 hingegen konnte von 2014 bis 2019 insgesamt 222 neue Partnerunternehmen gewinnen. Ende 2019 zählte Sport2000 genau 1027 Händler mit 1555 Verkaufsstellen. Damit einher ging eine deutliche Erhöhung des Zentralregulierungs-Umsatzes: Dieser konnte seit 2013 um 75% gesteigert werden, alleine 2019 um 12%.

Davon entfällt ein größerer Teil als bei Intersport auf die Online-Player. Im vergangenen Jahr konnte etwa der Bergsport-Spezialist Bergzeit als neuer Partner gewonnen werden, daneben sind Unternehmen wie 43einhalb, OrangeJungle und Keller Sports dabei.

Größter Teamsport-Partner ist nach der Trennung von 11teamsports die Signa Sports United-Tochter Outfitter. Auch andere Unternehmen von Signa Sports United zählen zum Kreis der Sport2000-Partnerunternehmen, neben Stylefile ist das vor allem das Flaggschiff Internetstores. Die fahrrad.de-Mutter erzielte 2019 einen Umsatz von 373 Mio. Euro.



„Durch die internationale Aufstellung im Länderverbund der Intersport bietet sich für uns die tolle Chance, unseren Expansionsgedanken noch besser und schneller über die bereits neun bespielten Märkte zu erweitern“, erklärt 11teamsports-Geschäftsführer Dennis Schröder. Mit einem Umsatz von 11,9 Mrd. Euro und rund 5500 Läden in 43 Ländern ist Intersport einer der größten Sporthändler der Welt. Stillstand kann man ihm nicht vorwerfen.

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