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Neues Store-Konzept in Berlin

Globetrotter definiert das Erlebnis neu

Globetrotter
Wo ab September Globetrotter stehen soll, steht heute noch das Logo des Vormieters SportScheck.
Wo ab September Globetrotter stehen soll, steht heute noch das Logo des Vormieters SportScheck.

Was macht Globetrotter aus? Was macht einen Erlebnis-Store aus? Was macht Innovation aus? Diese Fragen waren der Ausgangspunkt für die Entwicklung des neuen Store-Konzeptes des Hamburger Outdoor-Händlers, das bald in Berlin Premiere feiert.

Antworten, die Globetrotter vergangenes Jahr bereits für kleinere City-Filialen gefunden hat, werden nun auch auf große Erlebnis-Häuser übersetzt. „Kältekammer und Windkanal sind nicht mehr die Allzweck-Erlebnis-Waffe“, so COO Johannes Jurecka. „Diese Themen sind nicht mehr wirklich relevant für die Kunden, und sie sorgen kaum mehr für Bindung im Laden.“ Im Fokus der Retail-Tochter des Fenix-Konzerns stehen jetzt weniger spektakuläre Elemente, die aber für mehr Aufenthaltsqualität, Austausch und Nachhaltigkeit sorgen sollen: Clubhütte, Werkstatt, Café und neuem Innovation-Lab. „Wir erfinden uns neu.“

Premiere in Berlin: Globettrotters neues Konzept für Erlebnis-Filialen

Innovation-Lab als Ausstellungs und Arbeitsfläche

„Globetrotter ist seit dem ersten Tag Innovationstreiber“, betont Jurecka. Diesen Innovationsgeist gelte es heute weiterzudenken und weiterzuleben, ergänzt Geschäftsführer Andreas Bartmann. „Im Innovation Lab können Kunden bei uns jetzt nicht nur sehen, welche neuen Entwicklungen der Outdoor-Markt zu bieten hat und wie neues Equipment entsteht. Sondern sie können bei uns den Ort besuchen, an dem Outdoor-Innovationen unmittelbar entstehen – und daran mitwirken.“

Hier sollen künftig innovative Marken, Produkte und Kicksstarter-Projekte vor- und ausgestellt werden. Genutzt werden könne es als Ausstellungs- aber auch als Arbeitsfläche. Dazu sei man etwa auch mit der Messemachern der Ispo im Gespräch, die Gründer und neue Brands auf unterschiedlichste Weise unterstützen.

Also kein Pop up-Konzept als Retail Media-Baustein, wie es der Vormieter SportScheck seinen Partnern in den Filialen anbietet.  „Im Idealfall präsentiert sich im Innovations-Lab auch mal ein cooler Nischen-Anbieter, der erste Gehversuche auf dem deutschen Markt machen will und einen jüngeren Kunden in den Laden zieht.“ Bei aller Größe gelte es, Dinge auszuprobieren.  Zum Start ist etwa eine Ausstellung geplant über die Meilensteine der Outdoor-Industrie und ihrer Innovationen.

In Berlin musste ein neuer Standort her

Umgesetzt wird das neue Store-Konzept erstmals in Berlin-Steglitz. Hier ist Globetrotter seit vielen Jahren schon vertreten, zieht nun aber ein paar Hundert Meter weiter an die Schlossstraße. Ende September soll die neue Filiale eröffnen. Derzeit läuft auf der Fläche noch der Räumungsverkauf des Vormieters SportScheck, der sich damit nach zehn Jahren aus Steglitz verabschiedet. Mit der neuen Immobilie verbessert sich Globetrotter von der Lage, dafür wird die Fläche etwas kompakter. Zwar ist die Verkaufsfläche mit 3000m² vergleichbar, doch nun verteilt sie sich nicht mehr auf eine, sondern auf vier Etagen.

 „Wir waren sehr zufrieden mit unserem bisherigen Standort, das Berliner Haus ist eine der erfolgreichsten Filialen, nicht nur was Umsatz und Flächenproduktivität angeht“, so COO Johannes Jurecka. „Doch aufgrund baulicher Veränderungen waren wir gezwungen, uns nach Alternativen umzusehen.“

Wie viel in die neue Filiale investiert wird, verrät Jurecka nicht. Das Investitionsvolumen sei trotz der aktuellen Situation nicht heruntergeschraubt worden, war allerdings auch schon zuvor „mit sparsamer Hand“ bemessen. „Erstens: Alles muss sich rechnen. Zweitens: Wir denken langfristig. Der Store soll nicht in drei Jahren wieder umgebaut werden.“  

Aufbau eines skalierbaren Business-Modells

„Im Erdgeschoss werden wir mit unserer Kernkompetenz Hartware signalisieren, dass wir ein Outdoor-Laden sind. Aber das ist natürlich auch der richtige Ort für unsere Shops von Patagonia und Fjällräven. Schließlich wollen wir die Strahlkraft dieser Marken nicht verheimlichen.“ Globetrotter hat eine sehr breite Zielgruppe. „Das gilt zwar auch für den Outdoor-Bereich insgesamt, aber wir haben hier durch unsere lange Historie einen sehr spannenden Mix. Wir sprechen also immer mit einem Laden ganz unterschiedliche Zielkunden an.“

Es geht ausdrücklich nicht mehr darum, sich mit jedem Laden neu zu erfinden. Der Aufbau von Strukturen für ein skalierbares Businessmodell stand schon beim Roll-out der kompakten City-Stores im Fokus. Nicht mehr im Fokus steht auch das Thema Digitalisierung im Ladenbau – dabei nahm die Berliner Filiale bei der Eröffnung im Jahr 2002 hier eine Vorreiterrolle ein: Die Möglichkeit, an Terminals ins Netz zu gehen war vor 18 Jahren noch keineswegs selbstverständlich.

Mittlerweile verfolgt Globetrotter beim Einsatz digitaler Medien im Ladenbau einen „dezenten Ansatz“, wie es Jurecka formuliert. „Wir haben festgestellt, dass unsere Kunden die Beratung von Mensch zu Mensch sehr zu schätzen wissen. Deshalb haben wir keine Verkaufsterminals in unseren Stores. Unsere Verkäufer sind mit Sales Tablets ausgestattet, mit denen wir auf das gesamte Globetrotter-Sortiment und auf alle Globetrotter-Serviceleistungen zugreifen können.“  In den Bereichen wie zum Beispiel Wayfinder oder Kampagnen-Modulen werde Digital Signage integriert, um die Vorteile dieser Medien entsprechend nutzen zu können. Und natürlich gebe es nach wie vor W-Lan für die Kunden.

Mit dem aktuellen Geschäft ist Jurecka noch nicht wirklich zufrieden. „Noch liegen wir signifikant unter Vorjahr. Das hat zum Teil mit Kapazitätsgrenzen zu tun, die es uns nicht erlauben, an den Umsatz vom Vorjahr anzuküpfen. Wir sind also zufrieden, was die Rettung des Ergebnisses betrifft, sind aber noch weit weg vom Normalbetrieb. Ich hoffe, dass es die nächsten Wochen Richtung Normalisierung geht. “ Der neue Laden in Berlin soll im Herbst ein Schritt in Richtung neuer Globetrotter-Realität sein.

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