Der größte Sportartikelkonzern der Welt hat an diesem Donnerstag ein neues Tool vorgestellt, das den Schuhkauf revolutionieren soll.

Shannon hat sich zum Laufen verabredet. Jetzt soll ein neuer Running-Schuh her. Per Nike-App wird sie schnell fündig: der Epic React soll es sein. Größe? Jetzt kommt Nike Fit ins Spiel: Auf Shannons Bildschirm poppt eine Frage auf. Ob sie mit Nike Fit ihre richtige Größe herausfinden möchte?

Shannon möchte. Und los geht’s. An eine Wand stellen, Bildschirm justieren, Füße mit dem Smartphone scannen. Fertig. Die Größe, die Shannon nun von Nike Fit vorgeschlagen wird, ist dabei keine statische Größe, sondern variiert, je nach Nike-Modell. Das Ergebnis der Messung wird in der App gespeichert.  Ein kleiner Schritt beim Online-Kauf. Ein großer für Nike.

Das Versprechen

„Mit Nike Fit lösen wir eines der größten Probleme der Kunden“, so Michael Martin, VP Nike Direct Products, Growth & Innovation: Schuhe, die nicht richtig passen. Und eines der größten Probleme der Anbieter: Immerhin werde fast jeder dritte Schuh, der online gekauft wird, aufgrund der falschen Größe zurückgeschickt. 

Auch beim Kauf im Nike-Store wird Nike Fit eingesetzt werden - eine Lösung, die Nike zufolge so exakte Ergebnisse liefert, das sie sogar in den Nike-Forschungseinrichtungen Laser-Scans ablöst. Die Retail-Lösung unterscheidet sich allerdings von dem Online-Tool. Um die Zeit  für das Justieren des Bildschirms einzusparen, stehen die Kunden während des Scans im Laden auf einer speziellen Matte. Das Ergebnis kann der Kunde, wenn gewünscht, mit seinem App-Profil verknüpfen.

Die Entwicklung

Ein Jahr lang hat Nike an Nike Fit gearbeitet. Maßgeblich entwickelt wurde die Lösung in Zusammenarbeit mit dem israelischen Start-up Invertex, das Nike vor einem Jahr übernommen hat. Getestet wurde sie in drei Nike-Stores in Nordamerika, in denen bereits mehr als 3500 Kunden gescannt wurden.

Die Technologie

Neben der Erfassung von 13 Messpunkten durch die Handykamera basiert Nike Fit auf „machine learning“ und KI: Das Ergebnis des Scans wird so mit der gesamten Nike-Produktpalette in allen Variationen und persönlichen Präferenzen verbunden.

Der Roll-out

Im Juli startet der Roll-out in Nordamerika mit einem Update der Nike-App und in den Nike-Stores. Im August fällt der Startschuss in Deutschland, außerdem in Großbritannien, Frankreich, in den Niederlanden, in Italien und Spanien.

Das Potenzial

Nike ist nicht der erste Anbieter, der Fuß-Scans per Smartphone ermöglicht. Die One Fid-App etwa kann schon seit vergangenem Jahr heruntergeladen werden. Der entscheidende Unterschied ist allerdings die Reichweite, die Nike Fit über die Integration in die Nike-App hat: Von Tag 1 an lässt sich das Potenzial mit aktuell 150 Millionen Nike Plus-Membern beziffern. Vor allem aber werden Nike die gewonnen Daten und Erkenntnisse dabei helfen, die Produktion zu optimieren. Und wenn auch individualisierte Sneaker-Produktion Zukunftsmusik bleibt, kommt Nike dieser Vision mit Nike Fit ein großes Stück näher.
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