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Oliver Pabst zu Outdoor-Boom und Online-Shift

"Unsere Saison startet ohnehin später als in der Mode"

Franziska Krug
Mammut-Chef Oliver Pabst glaubt an eine rosige Zukunft für die Outdoor-Branche.
Mammut-Chef Oliver Pabst glaubt an eine rosige Zukunft für die Outdoor-Branche.

Mammut-Chef Oliver Pabst ist zuversichtlich. Er geht davon aus, dass seine Kunden von einer hohen Kundennachfrage nach dem Lockdown profitieren werden. Trotz Online-Shift glaubt er an die Zukunft des stationären Handels.

TextilWirtschaft: In Ihrem Heimatmarkt, der Schweiz, sind die Läden seit Anfang März wieder geöffnet. Wie läuft es?
Oliver Pabst: Die Kunden kommen, und sie kaufen. Zum Teil sehen wir eine Überkompensation – ich spreche da aber ausdrücklich über unser Outdoor-Segment. Die Menschen haben das Bedürfnis, die Natur und die Berge zu erleben.

Sie haben also, anders als viele in der Mode, keine Sorge, dass das Frühjahr gelaufen sein könnte?
Nein. Zumal unsere Saison später startet als in der Mode. Wir sind davon überzeugt, dass die Kundennachfrage nach dem Lockdown generell hoch sein wird. Davon werden vor allem Running, Bike und Outdoor profitieren. Diese Entwicklung zeigt sich bereits jetzt bei den Pure Onlinern.

Haben Sie denn Ihre Ware komplett ausgeliefert?
Ja. Der Handel ist vorbereitet, die Flächen sind startklar. In unseren eigenen Läden sind wir vorbereitet: Die Tools zur Termin-Vereinbarung sind aufgesetzt, sodass unsere Kunden sowohl Termine für Click & Collect als auch für Produkt-Videoberatungen aus dem Store buchen können. Mit Click & Meet können Kunden seit Montag wieder in unseren Läden einkaufen.

Keine Warenberge aus dem Winter?
Nein, bei uns nicht – das gilt, denke ich, für die meisten Outdoor-Spezialisten. Und die Ware, die jetzt bei den Händlern liegt, wird im Sale abfließen. Unsere Abverkaufsquoten waren auf einem guten Niveau, das gilt auch für den deutschen Markt.

Trotz geschlossener Läden seit Mitte Dezember?
Ja. Zum einen haben wir frühzeitig geschaut, wie sich die Bestandssituation entwickelt. Wir haben Ware zurückgenommen und in andere Kanäle gegeben, die von der Schließung nicht betroffen waren, sprich Online. Wir stellen fest, dass viele von unseren Partnern, die primär stationär verkaufen, unglaublich kreativ sind. Etwa 800 unserer Kunden sind vom aktuellen Lockdown betroffen. Eine ordentliche Anzahl derer schöpft heute ihre Möglichkeiten optimal aus. Sehr gut gemacht hat das etwa Pesko (Lenzerheide) hier in der Schweiz. Sie haben ihren Kunden im Lockdown mit Windowshopping und Call & Collect einen ausgezeichneten Service geboten. In der Mode ist meiner Meinung nach Nicole Mohrmann aus München ein sehr gutes Beispiel. Sie zeigt auf ihrem Insta-Account, worum es geht: nah beim Kunden bleiben und ihn inspirieren. Das kann Digitalisierung leisten.

Was denken Sie, wie nachhaltig ist der Shift Richtung Online – auch nach dem Lockdown?
Ich schätze, dass Online durch Corona nachhaltig ca. 10 Prozentpunkte gewinnen wird. Ich glaube aber weiter an den stationären Handel. Dafür muss dieser Anlässe und außergewöhnliche Erlebnisse für die Kunden schaffen. Die Menschen brauchen Gründe, um in den Laden zu kommen – sie suchen Erlebnisse und wollen andere Menschen treffen. Davon bin ich überzeugt.
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