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On gewinnt Partner zur Entwicklung von Schaumstoff aus Kohlenstoff-Emissionen

So wird aus klimaschädlichen Emissionen ein Schuh

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Alle Sohlen von On-Schuhen, die derzeit aus EVA bestehen, sollen durch solche ersetzt werden, die mit der neuen Technologie Clean Cloud entstehen.
Alle Sohlen von On-Schuhen, die derzeit aus EVA bestehen, sollen durch solche ersetzt werden, die mit der neuen Technologie Clean Cloud entstehen.

Der Schweizer Laufschuh-Hersteller On arbeitet an einem Schaummaterial, das auf Kohlenstoff-Emissionen als Rohstoff basiert. Ein genaues Datum für den ersten Schuh mit der Clean Cloud-Technologie gibt es noch nicht. Übergeordnetes Ziel ist es, diese für das gesamte Sortiment der Cloud-Modelle von On einzusetzen und die Abkehr von erdölbasierten Ressourcen einzuleiten.

"Wir haben vor etwa vier Jahren angefangen, uns mit der Frage zu befassen, ob es möglich ist, aus Kohlenstoff-Emissionen Schuhe herzustellen", berichtet On-Co-Founder Caspar Coppetti. "Daraus entstand ein Forschungsprojekt mit einem deutschen Start-up und verschiedenen Experten, und wir kamen zu der Antwort: Ja, theoretisch ist das möglich."

Nun hat On einen langfristigen Vertrag mit zwei Unternehmen geschlossen, die im Bereich Biochemie und Kunststoffentwicklung tätig sind: Lanzatech und Borealis.

Lanzatech hat eine Technologie entwickelt, die Kohlenmonoxid aus Industrieabgasen abfängt, bevor es in die Atmosphäre gelangt. "Das ist ein eleganter Weg", so Coppetti, "denn anders als bei anderen Technologien wird nicht CO2 aus der Luft abgesaugt, sondern Kohlenmonoxid aufgefangen, bevor es zu CO2 wird."

Das sei energiesparender als der erste Ansatz, aus der Atmosphäre abgesaugtes CO2 – sogenanntes sequestriertes CO2 – für die Schuh-Produktion weiterzuverwerten. "Das ist eine Win-Win-Situation: Wir fangen Emissionen auf, bevor sie unsere Atmosphäre verschmutzen, und entfernen uns gleichzeitig von fossilen Rohstoffen."

So wird ein Schuh aus klimaschädlichen Emissionen.
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So wird ein Schuh aus klimaschädlichen Emissionen.

Gleichzeitig muss das Ganze natürlich wirtschaftlich sein. "Wir glauben daran, dass es das sein wird", sagt Coppetti. "Noch ist Erdöl recht günstig. Wir sind aber sicher, dass in Zukunft neue rohölbasierte Materialien sehr viel teurer werden."

Wie die Abgase zu Schaumstoff werden

Bakterien fermentieren diese kohlenstoffreichen Abgase, etwa von Stahlwerken, zu flüssigem Ethanol. Dieser Prozess ähnelt dem Gärungsprozess bei der Produktion von Alkohol. Dieses Ethanol wird dann dehydriert, um Ethylen zu erzeugen. Dieses Ethylen wird dann von Borealis zu EVA (Ethylen-Vinylacetat-Copolymer) verarbeitet, einem Material aus dem On – und andere – Schaumstoff für Schuhsohlen herstellen. Dieser EVA-Schaum könnte, so On, künftig auch für andere Teile des Schuhs und auch für andere Produkte verwendet werden. 

"Borealis ist begeistert, Teil dieser zukunftsorientierten Bemühungen zu sein, sich für ein nachhaltigeres Leben neu zu erfinden", sagt Lucrèce Foufopoulos, Borealis Executive Vice President Polyolefins, Innovation & Circular Economy Solutions. "Im Kern geht es dabei um die Schaffung von Kreislaufwirtschaft für Kohlenstoff. Wir werden uns von fossilen Brennstoffen abkoppeln und durch Design, Technologie und Zusammenarbeit Alternativen finden. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren Partnern den Einsatz von Polyolefinen auf CO2-Basis zu erforschen, um den CO2-Fußabdruck deutlich zu reduzieren."

Auch Jennifer Holmgren, CEO von Lanzatech, betont das Potenzial der neuen Partnerschaft: "Wir zeigen der Welt, was möglich ist, wenn wir die Art und Weise, wie wir Kohlenstoff gewinnen, nutzen und entsorgen, neu überdenken. Wir sind überzeugt, dass – indem wir Umweltverschmutzung in Produkte umwandeln – eines Tages alles in unserem täglichen Leben aus recyceltem Kohlenstoff bestehen wird. Wir freuen uns, gemeinsam mit On und Borealis diese Reise anzutreten, um die Kohlenstoffkurve zu senken, unseren Himmel blau zu halten und eine nachhaltige Zukunft für alle zu schaffen."

Gewonnene Rohstoffe werden bereits kommerziell genutzt

Die erste kommerzielle Gasfermentationsanlage von Lanzatech hat rund 100 Mio. Liter Ethanol produziert, was einer Einsparung von über 130.000 Tonnen CO2 in der Atmosphäre entspricht. Mittlerweile sind bereits mehrere Anlagen in Betrieb und weitere in Planung.

Die Einsatzmöglichkeiten für Rohstoffe, die aus Kohlenstoffemissionen gewonnen werden, sind vielfältig: Im Oktober 2018 fand mit dem Partner Virgin Atlantic bereits der erste kommerzielle Flug statt, bei dem eine Mischung aus dem aus Stahlhütten-Emissionen gewonnenen Treibstoff eingesetzt wurde.

Auch Unilever ist Partner von Lanzatech. In diesen Tagen wird bei der Drogeriemarktkette dm erstmals Waschmittel der Marke Coral mit recyceltem CO2 erhältlich sein. Und auch in der Sportbranche gibt es mit Lululemon seit kurzem einen Partner, mit dem gemeinsam an einer Faser aus recyceltem Kohlenstoff gearbeitet wird.
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