Im Jahr 2014 lancierte Dominik Benner die Plattform Schuhe24.de, der heute 170 Schuhhändler mit 850 Läden in Deutschland angeschlossen sind und ihr Sortiment so einem breiten Publikum im Netz zugänglich machen können. Das Konzept ist schnell wachsend. Dieses Jahr sollen sich die Umsätze, die die Händler auf der Plattform erzielen, auf rund 50 Mio. Euro fast verdoppeln.

Inzwischen wurde das Vertriebsmodell mit Sportmarken24.de auch auf den Sportfachhandel übertragen. Benners Frau Valeska, die zuvor zehn Jahre lang als Unternehmensberaterin gearbeitet hat, führt das Unternehmen mit Intersport-Fachhändler Joachim Kiegele, der die Idee dazu hatte. 100 Filialen sind bereits bei der seit Februar bestehenden Plattform aktiv, Tendenz auch hier: stark wachsend. Es gibt Wartelisten für interessierte Händler; das Team leiht sich Personal bei Schuhe24 aus.

TextilWirtschaft: Frau Benner, wie entstand Sportmarken24.de?
Valeska Benner: Joachim Kiegele, ein Intersport-Händler mit sechs Filialen im Rhein-Main-Gebiet betrieb zunächst das Online-Geschäft selbst und stieß an seine Grenzen. Auf der anderen Seite haben mich auf Basis von Schuhe24 auch Sporthändler angesprochen, ob es für sie eine Möglichkeit gibt, bei uns mitzumachen. So haben wir gemeinsam eine neue Plattform entwickelt, die im Frühjahr live gegangen ist. Zwar betreibt auch der Intersportverband eine eigene Plattform, aber der verkauft nicht über andere Internet-Kanäle wie wir es tun, z.B. über Mirapodo, Klingel, Amazon, Ebay usw. Das heißt, unser Sortiment ist auch über andere Online-Shops und Plattformen erhältlich.



Joachim Kiegele
Benner Holding
Joachim Kiegele


Das Versprechen lautet: Wir verkaufen auf so vielen Shops und Kanälen, wie es für einen einzelnen Händler gar nicht möglich ist. Für mich ist das auch eine neue Welt. Jahrelang habe ich Konzerne beraten, wie sie ihre Prozesse optimieren können, jetzt arbeite ich in einem Start-up und entwickle die Prozesse selbst. Zurzeit arbeiten wir noch von einer Intersport-Filiale aus, ganz Start-up like.

E-Commerce

Schuhe24.de expandiert in den Sport- und Modemarkt

Über 100 Händler sind bei dem im Februar gestarteten Portal angebunden.


Welche Voraussetzungen muss ein Händler erfüllen, um angeschlossen zu werden?
Ein gängiges Warenwirtschaftssystem ist notwendig. Ansonsten sind wir offen für jeden, auch verbundunabhängig. Wir wollten niedrige Eintrittsbarrieren. Allerdings ist die Nachfrage groß, und es kann je nach Warenwirtschaftssystem einige Wochen dauern, bis das Sortiment bei uns aufgespielt ist. Deshalb haben wir inzwischen Wartelisten. Für manche Händler ist das absolutes Neuland. Es gibt etliche, die noch nie ein Paket verschickt haben und etwas aufgeregt sind. Die betreuen wir dann besonders.

Wie funktioniert das System?
Wir kümmern uns um die gesamte Abwicklung und die Inhalte des Shops. Das heißt, wir stellen die Fotos ein, fotografieren auch selbst, schreiben die Produkt-Infos, betreiben den Kundenservice, kümmern uns um die Retouren. Geht eine Bestellung im Shop oder über eine andere Plattform ein, vergeben wir den Auftrag an die Filiale mit dem höchsten Bestand für das Produkt. Bei gleichen Mengen, entscheidet das Zufallsprinzip. Der Bestand aktualisiert sich dann in Echtzeit. Der Händler bekommt von uns die Versanddokumente sowie Versandaufkleber mittels eines Tools und verschickt die Ware via DHL an den Kunden. Er erhält schließlich den Umsatz abzüglich der Plattformgebühren, Versandkosten und Provision für uns. Inzwischen machen die Händler so 10 bis 30% ihres Umsatzes mit uns.

100 Händler sind schon bei Sportmarken24 angeschlossen.
Screenshot sportmarken24.de
100 Händler sind schon bei Sportmarken24 angeschlossen.


Wie hoch ist die Provision?
Sie beträgt 1,50 Euro für Artikel unter 30 Euro VK und 3,50 Euro für die über 30 Euro.


Und wie ist das bei Bestellungen über andere Plattformen? Bekommt zum Beispiel Karstadt eine Provision von Ihnen, wenn über dessen E-Shop eine Bestellung eingeht?
Alle Verkäufer, also auch wir, müssen auf den Plattformen Gebühren zahlen. Diese betragen je nach Plattform zwischen 15% und 18% des Umsatzes. Wir berechnen den Händlern pauschal 15% des Umsatzes als Plattformgebühr und reichen somit diese Kosten weiter. Wichtig ist für mich, dass der Händler unter dem Strich nach Abzug aller Kosten, also auch anteiliger Personalkosten und Verpackungsmaterial, noch etwas an dem Geschäft verdient. Im Durchschnitt ist die Rendite mit unseren Online-Verkäufen höher als die im Ladengeschäft. Wir sagen deswegen häufig, Online ist die günstigste Filiale, die man eröffnen kann.

Legen Sie eigentlich die VK-Preise der Produkte fest?
Ja, die Preisgestaltung übernehmen wir. Der Händler übermittelt uns den EAN-Code, ihren Größenverlauf und auch den UVP. An dem orientieren wir uns. Außerdem schauen wir auch immer auf die Abverkaufszahlen und suchen uns unsere eigenen Preislogiken. Zum Glück gibt es im Sport zumeist keine Saisons in dem Sinne wie bei der Mode. Reduziert haben wir ziemlich zügig z.B. die DFB-Trikots. Andere Produkte, die der Händler vielleicht schon reduziert hatte, verkaufen wir dann wieder zu Normalpreisen. Gerade wenn ein Händler bei uns startet, gehen seine Altbestände gut bei uns.

Warum das?
Viele Produkte aus früheren Saisons gibt es nicht mehr überall, Kunden suchen gezielt danach und werden nun durch unsere Plattform und die transparenten Bestände vieler kleiner Händler fündig.


Ein leidiges Thema sind die Retouren. Wie hoch ist die Quote bei Ihnen?
Sie war noch nie höher als 40%, eher 20 bis 30%. Will ein Kunde retournieren, bekommt er das Versandetikett, und das Paket geht an den jeweiligen Händler zurück. Auch das ist ein Lernprozess: Die Händler dürfen eine Retoure nicht als beleidigend wahrnehmen. Im Grunde sind jedoch alle froh, dass wir das Handling übernehmen und auch Kundenanfragen bearbeiten, die kontinuierlich bei uns einlaufen.


Was ist gerade der Renner bei Sportmarken24.de?
Adiletten laufen derzeit rauf und runter. Aber auch spezielle Radunterhosen sowie Wanderstöcke und natürlich Laufschuhe der bekannten Marken.


Wie viele Produkte und Labels gibt es im Shop?
Wir haben in Summe über 80.000 Artikel von mehr als 600 Herstellern, die wir online verkaufen.


Stichwort selektiver Vertrieb. Wie kompliziert machen die verschiedenen Vorgaben mancher Sportmarken Ihr Business?
Wir stehen in Kontakt mit den Anbietern und wissen, welche Produkte wo verkauft werden dürfen. Manche Labels wollen gar nicht online sein, andere wollen nur Produkte aus vorigen Saisons verkaufen oder nur bei Amazon, aber nicht bei Ebay präsent sein. Aber eigentlich haben wir kaum Probleme mit diesem Thema. Von den meisten Markenanbietern können wir die gesamten Bestände bei uns ausspielen.


Was machen Sie anders als Schuhe24.de?
Sportmarken24 ist eigenständig und hat ganz andere Prozesse, sowohl bei Händlern als auch bei Kunden. Wir haben direkt ein dezentrales Versand-Tool eingeführt, das bei Schuhe24 erst vor dem Rollout steht. Es ist an den Händler-PC angeschlossen und zeigt uns immer den aktuellen Status eines Bestellvorganges. Wenn sich bei einem Händler 24 Stunden nach der Order immer noch nichts getan hat, erkundigen wir uns bei dem Händler, wo das Problem liegt. Kann ein Händler trotz Bestand im System nicht liefern, vergeben wir den Auftrag weiter an den nächsten Händler. Auch bei Anbindungsprozessen sind wir anders aufgestellt, da die Warenwirtschaften anders gestaltet sind im Sportbereich und die Schnittstellen anders arbeiten.
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