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Deutschlands erfolgreichste Fitness-Influencerin Pamela Reif im Gespräch

"Auf Social Media fehlt oft der Mehrwert"

Pamela Reif

Als wir vor einigen Tagen miteinander sprachen, hatte Pamela Reif auf ihrem Instagram-Kanal noch 4,6 Millionen Follower. Diese Woche sind es bereits 5 Millionen. Denn die Fitfluencerin, die vor allem auf Ganzjahresverträge mit Labels wie Puma, Technogym, Foodist, NA-KD und Douglas setzt, kann mit ihren Home-Workouts derzeit extreme Erfolge verzeichnen.

Im Interview mit der TextilWirtschaft spricht die 23-Jährige darüber, inwiefern sich ihre Arbeit durch die Pandemie verändert. Aber auch ihren neuen Podcast „Schaumermal”, kollektives Schwitzen und wie sie ganz ohne Mitarbeiter auskommt.

TextilWirtschaft: Bemerken Sie Auswirkungen der Krise auf Ihre Kooperationen? 
Pamela Reif: Ich bin davon bisher ziemlich verschont geblieben. Ein paar Reisen wurden abgesagt oder in Online-Meetings verlagert. Ansonsten merke ich es im Fashion-Bereich etwas, dort habe ich selbst einige Kooperationen verschoben. Die Leute brauchen gerade einfach weniger Mode, da wir viel Zuhause sind. Ich habe in der Zeit lediglich einen NA-KD Haul gemacht, der ähnlich erfolgreich war wie die bisherigen. Meine Kooperationspartner sind generell etwas vorsichtiger geworden und haben mich häufig nach meiner Einschätzung gefragt − ob ich zum Beispiel denke, dass wir negatives Feedback bekommen würden, wenn wir jetzt bestimmte Inhalte umsetzen. Da ich bisher aber keinerlei negative Rückmeldungen bekommen habe, konnte ich guten Gewissens das Meiste wie gehabt fortführen.

Und im Engagement?
Auf Social Media ist natürlich ein unglaublicher Ansturm zu beobachten, da die Leute gerade mehr Zeit haben und die Sozialen Netzwerke in gewisser Weise der Zeitvertreib unserer Altersgruppe sind. Ich denke, ich war bei meinen Followern mit den Workout-Videos schon lange präsent im Kopf, viele von ihnen haben sie hin und wieder bereits genutzt. Dadurch, dass die Fitnesstudios jetzt geschlossen sind und man sich nur noch begrenzt im Freien aufhalten kann, kommt aber eine unglaubliche Dynamik in das Home-Workout-Thema. 

Inwiefern?
Die Nutzerzahlen auf Youtube steigen stark an. In 48 Stunden werden die Workout-Videos über 4 Millionen Mal aufgerufen und pro Stunde von bis zu 300.000 Trainierenden absolviert. Das sind die Spitzenzahlen – und bedeutet natürlich einen starken Anstieg für mich. Auch auf Instagram, wo die Inhalte nicht nur sportbezogen sind, merke ich, dass die Beiträge öfter geklickt werden. Die Leute interagieren mehr, schreiben mir mehr Nachrichten, hinterlassen mehr Kommentare, geben mehr Likes.

Pamela Reif auf Youtube



Home-Workouts bieten Sie ja bereits an. Weshalb haben Sie sich dazu entschieden, nun auch mit Live-Videos zu starten?
Die Idee hatte eigentlich meine Mutter. Sie meinte zu mir, es wäre ja wesentlich motivierender, wenn man weiß, wie viele User gleichzeitig zusammen schwitzen. Das haben wir dann auch recht spontan und schnell umgesetzt. Im Prinzip ist das die gleiche Idee wie bei einem Workout-Date mit Freunden: Man ist zu einer festen Zeit verabredet, kann es weder verschieben noch pausieren. Ein weiterer Unterschied ist auch, dass ich in diesen Videos spreche.

Haben Sie vorher nicht gesprochen?
Ich glaube, das war bisher ein ungeplantes Erfolgsgeheimins meines Kanals. Wenn du nicht sprichst, sind die User auch nicht so schnell genervt von deiner Stimme, wenn sie das Video zum zehnten Mal machen und die Ansagen schon auswendig kennen. In den Live-Videos erkläre ich die Übungen im Detail und motiviere die Zuschauer währenddessen. Das bringt ein bisschen frischen Wind in die Workout-Videos.

Haben Sie eigentlich Mitarbeiter?
Ich habe keine Angestellten. Mein Vater macht die Buchhaltung, meine Mutter und mein Bruder machen Bilder von mir. Mein Bruder hilft mir außerdem bei der technischen und kreativen Umsetzung der Projekte. Zum Beispiel ist er für das Hochladen der Youtube-Videos, die Einblendungen darin oder auch die GIFs, die wir gemacht haben, verantwortlich. 

Weshalb die Entscheidung, auf Youtube live zu gehen – und nicht etwa auf Instagram? 
Normalerweise zeigen wir die Live-Videos auf Youtube. Vor einigen Tagen mussten wir spontan auf Instagram ausweichen, weil wir Probleme mit der Live-Funktion hatten. Auf Youtube verzeichnen wir sonst 20.000 bis 30.000 Viewer, bei Instagram waren es dann zwischen 15.000 und 20.000, also etwas weniger. Letztlich finde ich die Live-Workouts auf Youtube aber besser. Denn auf Instagram sind keine Einblendungen, wie etwa Timer, möglich – und durch das Hochformat verdecken die Kommentare einen Teil des Bildes. 

Pamela Reif auf Instagram



Können Sie über die Live-Schaltungen hinaus einen Engagement-Anstieg verzeichnen? 
Auf Youtube habe ich in den letzten 30 Tagen 560.000 Abonnenten hinzugewonnen. Auf Instagram waren es 380.000, momentan sind es am Tag im Schnitt 17.000. Das ist auf jeden Fall den Workouts, in Kombination mit den Plänen, zu verdanken.

Können Sie die Pläne näher erläutern?
Mit den kostenlosen Trainings-Plänen bin ich ebenfalls in der Corona-Zeit gestartet. Jede Woche poste ich ein neues Template mit einem 7 Tages-Workout-Plan. Darauf sind für jeden Tag der Woche mehrere meiner Youtube-Videos abgebildet, die hintereinander absolviert ein Workout ergeben. Den Plan gibt es in drei Varianten, zwischen 30 und 45 Minuten, auch für Beginner und Fortgeschrittene. Am Tag, nachdem ich den ersten Plan veröffentlicht habe, hat der Ansturm eingesetzt. Dadurch, dass die Follower hinter jeden der Tage ein Häkchen setzen können, wenn sie die Workouts absolviert haben, gibt es super viele Reposts davon. Mein Postfach explodiert regelrecht dadurch.

Welche ist die wichtigste Social Media-Plattform für Sie? 
Normalerweise hätte ich immer gesagt, dass es Instagram ist. Aber gerade kann ich auf Youtube einfach einen ungeheuren Mehrwert liefern. Und auf Social Media fehlt oft der Mehrwert. Deshalb empfinde ich Youtube in der aktuellen Situation als wichtiger für mich. Zumal es kostenlos ist, was ich oft als positives Feedback zu hören bekomme.

Bemerken Sie lokal starke Zuwächse? Was Regionen oder gar Länder angeht? 
Das ist schwierig nachzuvollziehen. Denn ein Anstieg von 380.000 Followern ist im Vergleich zu 5 Millionen relativ klein, deshalb verändern sich die Prozentzahlen kaum. Was ich aber an den Nachrichten merke, ist, dass es deutlich internationaler wird, da auch Youtube für mich eine eher internationale Plattform ist und die Follower von dort auf Instagram weiterklicken, um sich zum Beispiel die Workout-Pläne herunterzuladen. Bisher war ich immer überzeugt, dass meine deutsche Community auf Instagram sehr stark ist, und habe demnach viel Deutsch gesprochen. Aber da ich in den Nachrichten und Kommentaren jetzt verstärkt internationale Follower wahrnehme, versuche ich, deutlich mehr Englisch zu sprechen.

Pamela Reif
  • 23 Jahre
  • 2012: Start mit Instagram als erstem Kanal
  • 2020: Accounts auf Instagram, Youtube, Facebook, Tik Tok, Spotify
  • Follower: 5 Mio. auf Instagram, 2,31 Mio. auf Youtube
Buch-Veröffentlichungen:
  • Strong and Beautiful (2017)
  • You deserve this (2019) - 135.000 verkaufte Exemplare
Kooperationspartner: 
  • Sport: Puma, Technogym 
  • Food: Hej Nussriegel, Foodist, Justspices, The Rainforest Company (2019: 1.007.586 verkaufe Acai-Pürres & –Bowls)
  • Fashion: NA-KD, Calzedonia 
  • Beauty / Hair: Douglas, GHD
  • Musik: Warner Music Germany
Stand: 04/2020


Welche sind die Top-Länder? 
Auf Youtube kommen die meisten Follower aus Deutschland und den USA. Auch auf Instagram ist die Reihenfolge Deutschland, USA, Großbritannien, Italien. Das war im Groben aber schon immer so.

Viele starten ja gerade mit TikTok.
Ich habe vor einigen Tagen meinen TikTok-Account gestartet. Das steht für mich zwar nicht im Fokus, ist aber ein cooles Projekt. Im Vergleich zu den anderen Plattformen, auf denen ich präsent bin, muss der Content dort nicht so professionell sein. Man kann es einfach aus Spaß machen, der Inhalt kann auch richtig amüsant und blöd sein. Ich finde es erfrischend, dass die Leute sich dort nicht ganz so ernst nehmen, wie sie es sonst tun. Das macht den Charme von TikTok aus.

Und bei den Live-Videos tragen Sie Puma bzw. Ihre eigene Kollektion? Oder auch mal etwas anderes? 
Ich bin das DACH-Gesicht von Puma im Sport-Style-Bereich und seit über 3 Jahren exklusiv mit ihnen unter Vertrag. Man wird mich also nicht in einem Adidas-Schuh sehen. Die nächste PamelaXPuma-Kollektion kommt im Herbst heraus, daher trage ich aktuell die Styles, die Puma gerade lanciert.

Bekommen Sie Feedback von Puma, dass sich das positiv auf sie auswirkt?
Wir sind im ständigen Austausch. Puma legt natürlich gerade den Fokus auf Online-Handel, da das zurzeit der einzige Verkaufsweg ist – und sie wissen, dass über Kanäle wie mich momentan auch viel passieren kann. Ich habe bisher zwar keine Puma-Outifts direkt verlinkt oder eine Rabattaktion gestartet. Aber die Sichtbarkeit ist für die Marke natürlich stark erhöht, wenn mein Fitnesscontent stärker geklickt wird. Von daher sind sie dem Ganzen gegenüber sehr positiv gestimmt. Aber wir haben entschieden, es eher auf Brand Building und erhöhter Sichtbarkeit beruhen zu lassen – und diese Dynamik nicht über irgendwelche Aktionen in eine Verkaufsmaschine umzuwandeln.

Pamela Reifs Foodaccount auf Instagram



Sind demnächst anderweitige gemeinsame Aktionen geplant? 
Wir wollen künftig parallel zu den Workouts Puma-Outfits verlosen. Das ist eine schöne Variante, da das Unternehmen so ein positives Gefühl bei den Followern hervorruft. Diese sind happy, weil sie nicht zum Kaufen aufgefordert werden, sondern etwas geschenkt bekommen. Und trotzdem ist die Brand sichtbar für meine ganze Reichweite, auch wenn schlussendlich nur 10 Follower beschenkt werden. So halten sich auch die Ausgaben für den Partner in Grenzen. Und das alles ist in sensiblen Zeiten wie diesen gut umzusetzen, ohne dass man negative Kritik riskiert. 

Haben Sie noch andere Sport-Kooperationspartner? 
Ich erstelle gerade ein eigenes Home-Gym, das von Technogym ausgestattet wird. Dementsprechend war ich bei ihnen in Italien, habe mir die Produktion angeschaut und den Followern das Label vorgestellt. Aber die Kooperation ist nicht so präsent auf meinem Kanal wie z.B. Puma. Zumal das eine Kooperation in einer anderen Größenordnung ist.

Ändert sich auch die Art der Anfragen – ist zum Beispiel mehr Home-Content gefragt, melden sich andere potentielle Partner als sonst? 
Da merke ich keine grundlegenden Veränderungen. Aber das liegt auch daran, dass ich nur langfristige Partner, also Jahresverträge, habe. Und da wir im April sind, stehen diese Verträge alle soweit und der Umfang ist schon festgelegt. Vielleicht schieben wir mal ein Posting hin und her oder überlegen uns ein anderes Thema, aber es ist nicht so, dass die Partner etwas ganz anders angehen möchten oder ähnliches.

Haben Sie Kooperationen, die man nicht auf den ersten Blick wahrnimmt? 
Eine Kooperation, die ich gerne mag, weil sie besonders unauffällig ist, ist die mit Warner Music Germany. Die Lieder, die man im Hintergrund meiner Standard-Workouts hört, kommen von Warner Music. Das betitel ich zwar überall, es fällt dem User aber kaum auf. Er freut sich lediglich über gute Musik, da ich sonst GEMA-freie Songs verwende.

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Gibt es, abgesehen vom Sport, andere Bereiche, die deutlich erfolgreicher sind? 
Was ich definitiv merke, ist, dass Food Content – wie gesunde Snacks oder Zutaten, die man sich zum Kochen nach Hause bestellen kann – unfassbar gut ankommt und weitaus besser performt als sonst. Auch die Food-Kooperationspartner haben bestätigt, dass Postings noch einmal wesentlich besser in Swipe-ups, Klicks und Verkäufe konvertieren als üblich. 

Haben Sie ein Beispiel?
Ich habe von der Geschäftsführerin von The Rainforest Company das Feedback bekommen, dass die Abverkaufszahlen der Açaí-Pürees momentan sehr gut sind. Nicht nur, weil alles, was im Supermarkt steht, gerade gut läuft, sondern auch, weil es sich um ein Tiefkühlprodukt handelt, das sich lange lagern lässt. Wir setzen gerade alles daran, möglichst bald einen neuen Açaí-Container aus Brasilien zu bekommen. Denn so schnell mussten wir noch nie einen neuen nachbestellen.

Um welche Form der Zusammenarbeit handelt es sich bei den Açaí-Pürees und -Bowls? 
Ich bin seit dem Launch des Produkts mit der Macherin im Gespräch gewesen. Und daher ist das in dem Sinne keine klassische Kooperation. Ich bin das Gesicht des Produkts und werde auch am Umsatz beteiligt. Ähnlich, wie bei einer Puma-Kollektion, die ich mitdesigne und vermarkte.

Und über den Followeranstieg können Sie letztlich höhere Einnahmen erzielen?
Aktuell noch nicht, denn die Gagen meiner Jahresverträge sind ja bereits festgelegt. Ich kann dann im nächsten Jahr oder bei neuen Kooperationen bessere Zahlen vorweisen und somit höhere Preise ansetzen. Ich habe momentan einen Followeranstieg, den ich sonst in einem Jahr verzeichne. Normalerweise habe ich im Monat zwischen 20.000 und 50.000 neue Follower, im März waren es 300.000. Das macht also einen großen Unterschied für mich.

Pamela Reif auf Facebook



Bieten Sie noch weitere Services? Oder haben Sie Ihren Content irgendwie verändert?
Der Fokus liegt schon ganz klar auf den Workout-Videos. Da haben wir auch die Frequenz deutlich erhöht. Sonst laden wir alle zwei Wochen ein neues hoch, jetzt kommt mindestens eines in der Woche, plus die Live-Workouts, die dauerhaft gespeichert werden. Also bis zu vier pro Woche. Was jetzt unabhängig von Corona herauskam, ist der Podcast, den ich gemeinsam mit meinem Bruder aufnehme. Das war schon länger geplant, passt aber ganz gut, weil die Leute jetzt mehr Zeit haben, zuzuhören. 

Was war die Motivation dahinter?
Mit dem Podcast wollten wir den Followern die Möglichkeit geben, uns besser kennenzulernen. Denn auf Instagram ist alles, obwohl man viel teilt, immer nur ein Ausschnitt, da man nicht ganz so lang am Stück sprechen kann. Eine Instagram-Story hat eben nur 15 Sekunden und wenn sie zu viele Sequenzen hat, wischt man weiter, weil es zu lange dauert. Der Podcast ist auch sehr gut angelaufen. Wir hatten damit gerechnet, dass nur die engsten der engsten Follower zuhören. Aber wir hatten in den ersten 4 Tagen schon 300.000 Zuhörer. Letztlich war das also gar nicht nur für einen so kleinen, ausgewählten Kreis interessant wie anfangs gedacht.

Abschließend: Wenn man derzeit viel am Schreibtisch im Homeoffice sitzt – gibt es so etwas wie die Top 3 Übungen für einen krummen Rücken? 
Heute Abend mache ich ein Upper Body-Liveworkout auf Youtube, das schließt den Rücken ein. Ansonsten ist mein 10 Minuten-Upper Body Workout dafür bestens geeignet.

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