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Prestige-Projekt wird eingestellt

Adidas schließt Speedfactories


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Adidas schließt die Speedfactories in Ansbach und Atlanta
Adidas schließt die Speedfactories in Ansbach und Atlanta

Schlussstrich nach vier Jahren: Adidas schließt seine Speedfactories in Ansbach und Atlanta. Die Produktion wird bis spätestens April 2020 eingestellt. Mittel und Kapazitäten werde das Unternehmen in Zukunft „noch stärker auf die Modernisierung der übrigen Zulieferbetriebe und den Einsatz von 4D-Technologie bei der Schuhproduktion konzentrieren“, gab der Herzogenauracher Sportartikelhersteller bekannt.

Das Entwickeln, Verbessern und Testen neuer Fertigungsprozesse soll künftig in der Adidas-Produktionsstätte in Scheinfeld erfolgen, im sogenannten adiLab. „Innovationen, sei es in der Fertigung oder bei Produkten, wird es bei Adidas also natürlich weiterhin geben“, so eine Sprecherin.

Mehr Produkte mit kurzer Fertigungszeit geplant

Der Impact der Technologien, die seit Ende 2015 in den Speedfactories entwickelt wurden, wird indes sogar vergrößert: Sie sollen ab Ende dieses Jahres bei zwei Zulieferbetrieben in Asien eingesetzt werden. Welche Stückzahlen Adidas damit anpeilt, bleibt offen. „Die Erhöhung der Produktionskapazitäten quantifizieren wir aktuell nicht“, heißt es auf Anfrage. „Eine Produktion von mehr als 500.000 Paar in jeder Speedfactory war unser Ziel, und auch in Zukunft wollen wir den Anteil der Produkte mit kurzer Fertigungszeit stetig erhöhen.“ „Kurze Fertigungszeit“ heißt bei Modellen aus der Speedfactory offiziell eine von 18 auf zwei Wochen reduzierte Produktionszeit.

Verlagerung der Produktion aus Asien war nie das Ziel

Die Fertigungskapazitäten in den beiden Speedfactories waren mit jeweils einer halben Million Paar sehr begrenzt – Adidas ließ 2018 rund 409 Millionen Paar Schuhe fertigen (inklusive Reebok). 97% der Schuhe werden in Asien produziert, Vietnam ist mit 42% wichtigstes Beschaffungsland.

Der Adidas Futurecraft M.F.G. (Made for Germany) ist der erste Schuh, der in der Ansbacher Speedfactory produziert wurde.
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Der Adidas Futurecraft M.F.G. (Made for Germany) ist der erste Schuh, der in der Ansbacher Speedfactory produziert wurde.
Es waren eher Medien- als Unternehmensvertreter, die den neuen Fertigungsstätten in Deutschland und den USA eine mögliche Pionierfunktion für neue Produktionsstandorte zuschrieben. Massenproduktion nach Deutschland oder die USA zu  verlagern war nie Ziel des Projekts.

Großprojekt AM4-Laufschuh-Serie

Den ersten Schuh, der in der Speedfactory in Ansbach gefertigt wurde, präsentierte Adidas im September 2016: den Adidas Futurecraft M.F.G. (Made for Germany). Ein Jahr später folgte der Startschuss für das Adidas Made for-Großprojekt, die Laufschuhserie AM4. Der erste Schuh der AM4-Serie war speziell auf die Bedürfnisse der Läufer in Englands Hauptstadt angepasst. Im gleichen Jahr folgte das maßgeschneiderte Modell für Paris, 2018 weitere für Los Angeles, New York, Tokio und Shanghai. Daneben wurden zusätzliche AM4-Modelle anlässlich besonderer Sport- und Kulturveranstaltungen entwickelt, unter anderem der AM4NHL zu Ehren des Eishockey-Teams Washington Capitals, Gewinner des Stanley Cup 2018. 

Adidas: Die ersten Schuhe aus der Speedfactory

Der Vertrieb der limitierten Serien lief vor allem über Adidas-Kanäle. Einzig bei Foot Locker gibt es schon seit Beginn dieses Jahres regelmäßige Speedfactory-Releases.

Durch das Einbeziehen asiatischer Partnerbetriebe sollen die Prozesse nun nicht mehr nur für Laufschuhe zum Einsatz kommen, sondern auch für Modelle anderer Produktkategorien.

Ausweitung auf Lifestyle-Segment

Allerdings haben auch einige der jüngsten Produkte schon nicht mehr nur den performance-orientierten Läufer im Visier: Foot Locker bietet aktuell exklusive Speedfactory-Modelle für Fans der Marvel-Comic-Helden Spiderman, Nick Fury, Captain Marvel und Thanos sowie eine Game of Thrones-Edition. Seit Samstag ist mit dem AM4 Team Vitality auch ein Modell für E-Sports-Enthusiasten erhältlich – sowohl bei Foot Locker als auch im Online-Shop von Adidas. Das Design des Sneakers ist angelehnt an das Logo des französischen E-Sports-Teams.

Martin Shankland ist seit März im Adidas-Vorstand und zuständig für Global Operations. Er will die Produktionskapazitäten der Zulieferbetriebe "flexibler und wirtschaftlicher" nutzen.
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Martin Shankland ist seit März im Adidas-Vorstand und zuständig für Global Operations. Er will die Produktionskapazitäten der Zulieferbetriebe "flexibler und wirtschaftlicher" nutzen.
„Die Speedfactories haben wesentlich dazu beigetragen, unsere Fertigungsinnovation und -fähigkeit zu fördern. Durch verkürzte Entwicklungs- und Produktionsvorlaufzeiten haben wir für ausgewählte Kunden kurzfristig individuelle und anlassbezogene Produkte entwickelt“, sagt Martin Shankland, im Adidas-Vorstand verantwortlich für Global Operations. „Durch diese Erkenntnisse und den Einsatz der neuen Produktionstechnologien und Prozesse in unseren bestehenden Zulieferbetrieben können wir jetzt Produktionskapazitäten flexibler und wirtschaftlicher nutzen und gleichzeitig das Sortiment an Produkten mit kurzer Fertigungszeit schneller ausweiten.“



Die Zusammenarbeit mit dem Betreiber der Speedfactories Oechsler soll fortgesetzt werden, zum Beispiel bei der Produktion von Boost-Sohlen und Sohlen für Fußballschuhe sowie beim Druck von 4D-Sohlen. „Auch wenn wir die Beweggründe von Adidas verstehen, die Speedfactory-Produktion bei Oechsler einzustellen, bedauern wir diese Entscheidung sehr“, so Claudius Kozlik, Vorstandsvorsitzender von Oechsler.

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