Adidas legt vor allem beim Gewinn weiter kräftig zu. Um satte 19% konnte der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen im dritten Quartal gesteigert werden. Infolgedessen erhöht der Sportartikelkonzern seine Prognose für das Geschäftsjahr 2018: Die Herzogenauracher rechnen damit, dass der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen 1,66 Mrd. bis 1,72 Mrd. Euro erreichen wird. Das entspricht einer Steigerung um 16 bis 20%. Bisher war das Unternehmen von einer Steigerung um 13 bis 17% ausgegangen.

Gleichzeitig werden das geplante Umsatzwachstum präzisiert und die bisherigen Erwartungen etwas gedämpft. Adidas geht davon aus, den währungsbereinigten Umsatz 2018 zwischen 8 und 9% steigern zu können. Bisher waren etwa 10% prognostiziert worden. Grund ist das niedriger als ursprünglich erwartete Wachstum in Westeuropa. Im dritten Quartal verbucht Adidas hier sogar ein Umsatzminus von 1%.



Das Geschäft auf dem Heimatmarkt wieder auf Spur zu bringen, wird keine leichte Aufgabe, wenngleich das Europa-Team jetzt verstärkt wurde. Arthur Hoeld wurde erst im Sommer zum Managing Director Western Europe ernannt, als sich bereits abzeichnete, dass das geplante Wachstum von 5% in Westeuropa schwer zu erreichen sein würde. Hoeld leitete von 2011 bis 2017 die Originals-Sparte, die in den letzten Jahren das Wachstum des Konzerns befeuerte. Darauf habe man sich zu lange verlassen, räumt Rorsted nun ein.

Insgesamt legte der Umsatz im dritten Quartal um 3% auf 5,873 Mrd. Euro zu. Währungsbereinigt beträgt das Plus 8%. Der Umsatz der Marke Adidas stieg dabei um 10%. Verantwortlich dafür waren das zweistellige Wachstum bei Sport Inspired sowie ein Anstieg im hohen einstelligen Bereich bei Sport Performance. Hierzu trugen vor allem die Kategorien Training und Running bei.

Für Umsatzwachstum sorgt vor allem das Geschäft, das Adidas direkt mit den Kunden macht. Dieses legte um 24% auf 1,7 Mrd. Euro zu. Besonders stark entwickelt sich der E-Commerce mit einer Steigerung um 76%. Dessen wachsende Bedeutung spiegelt auch die Tatsache wider, dass die D2C-Erlöse steigen, die Zahl der eigenen Stores jedoch rückläufig ist. Von Juli bis September wurden zwar 42 Stores eröffnet, gleichzeitig wurden aber 74 Läden geschlossen. Ende September betrieb Adidas insgesamt 2398 eigene Stores. Zum Großteil sind das sogenannte Concept-Stores (1367), aber auch Concession Corners (121) und Factory Outlets (910).

Spannend bleibt die Entwicklung der Originals-Sparte. Sie "normalisiert" sich nach einer Phase außerordentlichen Wachstums, heißt es. Hervorgehoben wird der Erfolg des ersten "demokratischen" Yeezy-Modells, dem Yeezy Boost 350 V2 Triple White - allerdings werden keine konkreten Zahlen genannt. Welchen Anteil Originals am Wachstum der Sport Inspired-Sparte hat, zu der auch das zählt, was früher Neo hieß, bleibt offen. Dass aber Adidas insgesamt mit Bekleidung stärker wächst (9%) als mit Schuhen (8%), ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Sneaker-Hype seinen Zenit erreicht hat. Auf Schuhe entfallen unverändert 57% des Gesamtumsatzes.

Der Reebok-Umsatz verringerte sich um 5%. Zwar kann das Segment Classics zweistelliges Umsatzwachstum verbuchen, das kann jedoch die  Rückgänge in den Kategorien Training und Running nicht kompensieren.

„Wir haben im dritten Quartal erneut qualitativ hochwertiges Wachstum erzielt“, so  Adidas-Chef Kasper Rorsted. „Die Umsatzsteigerung ist auf zweistellige Zuwächse in unseren strategischen Fokusbereichen Nordamerika, China und E-Commerce zurückzuführen. Gleichzeitig haben wir trotz eines bedeutenden Anstiegs der Marketinginvestitionen und deutlich negativer Währungseffekte starke Profitabilitätsverbesserungen erzielt. Aufgrund dieser Ergebnisse sind wir zuversichtlich, in diesem Jahr ein höher als ursprünglich erwartetes Profitabilitätsniveau zu erzielen. Zudem sind wir weiterhin auf dem besten Weg, unsere langfristigen Ziele bis 2020 zu erreichen.“

Der zusammengefasste Umsatz der Marken Adidas und Reebok nahm in Nordamerika (+16%) und Asien-Pazifik (+15%) deutlich zu, wobei Letzteres vor allem auf einen Anstieg um 26% in China zurückzuführen ist. Der Umsatz in Russland/GUS stieg um 7%. Die positiven Auswirkungen der Umsatzerlöse im Zusammenhang mit der WM kompensierten dabei die hohe Anzahl an Geschäftsschließungen in den vergangenen zwölf Monaten.
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