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Quartalsbilanz

Nike: 790 Mio. Dollar Verlust im Quartal

Nike

Die jüngsten Quartalszahlen von Nike wurden gespannt erwartet. Denn sie umfassen die Coronakrisen-Monate März, April und Mai. Und zeigen: Selbst Nike ist nicht immun gegen die Folgen der Corona-bedingten Lockdown-Maßnahmen.

 Für das vierte Quartal 2019/2020 (31.5.) meldet der Sportartikelkonzern einen Umsatzrückgang von 38% (währungsbereinigt 36%) auf 6,3 Mrd. US-Dollar (5,61 Mrd. Euro) nach 10,2 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum. Damit liegen die Erlöse im unteren Drittel der Analysten-Prognosen, die von 4,8 Mrd. Dollar bis 9,3 Mrd. Dollar reichten – mit einem Durchschnittswert von 7,32 Mrd. Dollar.

Die beiden einzigen Highlights: Ein recht stabiles Geschäft in China ( minus 3% auf 1,65 Mrd. Dollar), das währungsbereinigt im Quartal sogar wieder um 1% zugelegt hat, und ein 75%iges Wachstum im E-Commerce.

Im Wirtschaftsraum EMEA brachen die Quartalserlöse von Nike um 46% (währungsbereinigt 44%) auf 1,33 Mrd. Dollar ein, wobei Geräte mit einem Rückgang um 57% am stärksten betroffen waren, gefolgt von Schuhen (46%) und Bekleidung (44%). In Nordamerika sanken die Markenerlöse ebenfalls um 46%, getrieben von Geräten (minus 60%), Bekleidung (minus 56%) und Schuhen (minus 41%).

Die Einbrüche in der Region Asia Pacific & Latin America waren mit 33% (währungsbereinigt minus 27%) auf 801 Mio. Dollar weniger gravierend, wobei auch hier Geräte am stärksten betroffen waren.

Der Umsatz der separat geführten Marke Converse ging im Quartal um 38% (währungsbereinigt minus 36%) auf 305 Mio. Dollar zurück.



Aufgrund steigender Kosten und sinkender Margen verzeichnete das Unternehmen aus Beaverton/Oregon einen Quartalsverlust von 790 Mio. Dollar, nach einem Nettogewinn von 989 Mio. Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Aktionäre waren nicht begeistert und schickten die Aktie nachbörslich zunächst um rund 3,3% nach unten.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr meldet Nike einen Nettogewinn von 2,5 Mrd. Dollar (nach 4 Mrd. Dollar im Vorjahr), bei einem Umsatzrückgang von 4% (währungsbereinigt 2%) auf 37,4 Mrd. Dollar. Mittlerweile trägt das Online-Geschäft rund 30% zum Konzernumsatz bei. Ursprünglich sollte dieser Anteil in drei Jahren erreicht werden, jetzt wird für 2023 bereits die 50%-Marke anvisiert.

Analysten hatten den verstärkten digitalen Fokus des Unternehmens bereits erwartet, nachdem der ehemalige eBay-President John Donahue am 13. Januar die Nachfolge des langjährigen Nike-Chefs Mark Parker angetreten hatte. Donahoe fungiert zudem bis heute als Chairman des digitalen Bezahldienstes Paypal.

Für Nike plant er in den nächsten Jahren u.a. die Eröffnung von 150 bis 200 App-gesteuerten “Nike Live”-Stores, wie sie bereits seit knapp zwei Jahren erst in Süd-Kalifornien und später auch in Tokio getestet werden. Das Sortiment dieser kleinformatigen Läden ist den jeweiligen lokalen Bedürfnissen angepasst und variiert kontinuierlich, basierend auf Verbraucherdaten die u.a. über die App generiert werden.

Laut Nike-CFO Matt Fried ist die beschleunigte Digitalisierung von Nike keine Reaktion auf aktuelle Herausforderungen im Markt, sondern eine langfristige, strategische Verschiebung hin zu ganz neuen Geschäftsmodellen.



Für viele traditionelle Retailer, deren Geschäft jetzt langsam wieder in Gang kommt, bleibt Nike allerdings ein überlebenswichtiger Partner. Vergangene Woche hat der angeschlagene Einzelhändler JC Penney beispielsweise vor Gericht die sofortige Freigabe von Nike-Produkte im Wert von rund 30 Mio. Dollar erwirkt, die der Sportartikelgigant in einem Streit über angeblich unbezahlte Rechnungen aus der Zeit vor JC Penneys Gläubigerschutzantrag zurückgehalten hatte. Im Rahmen der Vereinbarung, die vom US-Konkursrichter David Jones genehmigt wurde, wird Nike dem angeschlagenen Retailer im laufenden Quartal Schuhe und Bekleidung im Gesamtwert von 80 Mio. Dollar liefern. Im Gegenzug leistet JC Penney eine 2 Mio. Dollar Vorauszahlung und bestätigte die vor seinem Gläubigerschutzantrag aufgelaufenen Gesamtschulden in Höhe von 19,5 Mio. Dollar bei Nike. Laut seiner Anwälte macht der angeschlagene Retailer einen “erheblichen Prozentsatz” seiner Gesamterlöse mit Nike, daher sei es von entscheidender Bedeutung die Regale von JC Penney alsbald wieder mit reichlich Nike-Ware zu bestücken.
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